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Warum erleiden Frauen häufiger Rezidive? Geschlechtsspezifische Unterschiede bei akuter und rezidivierender Perikarditis

Eine akute Perikarditis betrifft überwiegend jüngere Männer und ist zumeist idiopathisch oder viral bedingt. Frauen dagegen entwickeln eine Perikardiis häufiger in höherem Lebensalter, präsentieren sich oft mit sehr atypischen Symptomen und erleiden deutlich häufiger Rezidive. Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Alanazi1 fasst den derzeitigen Wissensstand zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Perikarditis zusammen und verdeutlicht, warum eine stärker individualisierte Diagnostik und Therapie erforderlich ist. 

Von:

Dr. Nina Wunderlich

Rubrikleiterin Women in Cardiology

 

 

03.07.2026

Bildquelle (Bild oben): PeopleImages.com / Yuri A / Shutterstock.com

Bereits bei der Erstmanifestation zeigen sich Unterschiede bei Männern und Frauen

Während Männer typischerweise mit den klassischen Symptomen einer akuten Perikarditis wie stechenden thorakalen Schmerzen, Perikardreiben und den charakteristischen diffusen ST-Hebungen im EKG auffallen, präsentieren sich Frauen häufiger mitweniger eindeutigen Symptomen wie Dyspnoe, Fatigue oder unspezifischen Beschwerden. Dadurch wird die Diagnose bei Frauen nicht selten deutlich verzögert gestellt. Neben biologischen Faktoren spielen vermutlich auch geschlechtsspezifische Unterschiede im Gesundheitsverhalten sowie unbewusste diagnostische Vorannahmen eine Rolle.

Autoimmunität als wesentlicher Unterschied

Idiopathische beziehungsweise virale Ursachen dominieren als Ursache bei beiden Geschlechtern. Frauen weisen jedoch deutlich häufiger autoimmune Begleiterkrankungen wie z. B. einen systemischen Lupus erythematodes oder eine rheumatoide Arthritis auf. Diese immunologische Prädisposition scheint maßgeblich dafür verantwortlich zu sein, dass Frauen häufiger als Männer chronische oder rezidivierende Krankheitsverläufe entwickeln.

Warum Frauen häufiger Rezidive entwickeln

Etwa 20–30 % aller Patientinnen und Patienten erleiden nach einer ersten Perikarditis ein Rezidiv. Besonders häufig betroffen sind Frauen mit Autoimmunerkrankungen oder vorausgegangener Kortikosteroidtherapie. Auch im Hinblick auf die Therapieerfolge ergeben sich Unterschiede: Während Männer meist gut auf die Standardtherapie aus NSAR und Colchicin ansprechen, benötigen Frauen häufiger eine Eskalation der Therapie bis hin zu Immunmodulatoren oder IL-1-Inhibitoren wie Anakinra oder Rilonacept. Die stärkere Exposition gegenüber Kortikosteroiden könnte dabei selbst zur erhöhten Rezidivrate beitragen. 

Entzündungsmarker erklären die Unterschiede nicht

Interessanterweise unterscheiden sich Frauen und Männer hinsichtlich der klassischen Entzündungsmarker wie CRP oder BSG kaum. Vielmehr scheint sich der Unterschied im Entzündungsphänotyp zu zeigen: Frauen weisen häufiger einen CRP-negativen oder nur gering inflammatorischen Verlauf auf, wodurch die Diagnose zusätzlich erschwert werden kann. Die Autorin betont, dass Alter, biologisches Geschlecht und inflammatorischer Phänotyp gemeinsam die klinische Präsentation bestimmen.

Schwangerschaft: Neue Erkenntnisse zur Therapie

Besonders relevant für die Versorgung junger Patientinnen sind die aktuellen Empfehlungen zur Schwangerschaft. Entgegen früheren Bedenken gilt Colchicin inzwischen während der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit als sicher. NSAR bleiben im ersten und zweiten Trimenon Mittel der ersten Wahl, sollten jedoch nach der 20–24. Schwangerschaftswoche abgesetzt werden. Für Patientinnen mit therapierefraktärer oder rezidivierender Perikarditis liefern erste Daten auch für IL-1-Inhibitoren wie Anakinra ermutigende Ergebnisse bezüglich des Sicherheitsaspekts. Entscheidend bleibt jedoch eine konsequente Kontrolle der Krankheitsaktivität, da diese den wichtigsten Prädiktor für den maternalen und fetalen Verlauf darstellt.

Bedeutung für die klinische Praxis

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Frauen mit Perikarditis im Vergleich zu Männern häufiger atypische Symptome zeigen, später diagnostiziert werden und häufiger Rezidive entwickeln. Geschlechtsspezifische Empfehlungen fehlen in den aktuellen ESC-Leitlinien. Zukünftige Studien sollten daher gezielt geschlechtsspezifische Unterschiede untersuchen, um Diagnostik, Risikostratifizierung und Therapie weiter individualisieren zu können.

Fazit

Eine Perikarditis ist keineswegs eine geschlechtsneutrale Erkrankung. Während Männer häufiger an der akuten, klassischen Form erkranken, tragen Frauen ein deutlich höheres Risiko für diagnostische Verzögerungen und rezidivierende Verläufe. Eine stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede könnte künftig dazu beitragen, die Versorgung insbesondere von Patientinnen nachhaltig zu verbessern.

Zur Person

Dr. Nina C. Wunderlich

Dr. Nina C. Wunderlich ist eine international anerkannte Expertin auf dem Gebiet der interventionellen Bildgebung. Ihr Schwerpunkt liegt auf der echokardiographischen Begleitung und Bildgebung bei Kathetereingriffen am Herz. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema veröffentlicht und gilt als renommierte Referentin und Meinungsführerin in diesem Bereich.
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Take-aways

  • Frauen entwickeln häufiger rezidivierende Perikarditiden, insbesondere wenn bereits eine Autoimmunerkrankung vorliegt.
  • Atypische Symptome bei Frauen führen häufiger zu Diagnoseverzögerungen.
  • Kortikosteroide sollten möglichst vermieden und frühzeitig steroid-sparende Therapien erwogen werden.
  • Eine intensivere geschlechtsspezifische Forschung ist notwendig, um die Diagnostik und Therapie einer Perikarditis weiter zu verbessern und individueller zu gestalten.

Referenzen

  1. Alanazi N. Sex related differences in acute and recurrent pericarditis: A narrative review. American heart journal plus : cardiology research and practice. 2026;67:100812. https://doi.org/10.1016/j.ahjo.2026.100812

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