BILD-Herzgipfel 2026 BILD-Herzgipfel 2026

BILD-Herzgipfel und „3B-Offensive“

Am 17. März wurde auf dem dritten BILD-Herzgipfel über die Zukunft der kardiovaskulären Versorgung diskutiert. Neben Repräsentanten aus der Kardiologie wie DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg, DGK-Präsident (2021–2023) Prof. Stephan Baldus, Herzstiftungsvorstand Prof. Thomas Voigtländer und Präventionsexpertin Prof. Christina Magnussen zählten zu den Teilnehmenden Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU). Im Vorfeld hatte Warken angekündigt, drei zentrale Risikofaktoren in den Fokus zu nehmen, die „3B“: Blutdruck, Blutzucker, Blutfett. Dafür sollen Apotheken stärker in Früherkennung und Prävention eingebunden werden.

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

17.03.2026 (aktualisiert am 18.03.2026)

Bildquelle (Bild oben): Mario Firyn

Inhaltliche Schwerpunkte des diesjährigen BILD-Herzgipfels waren neben den übergreifenden Themen Prävention und Früherkennung insbesondere mentale Gesundheit, Bluthochdruck, Robotik und Innovation sowie hypertroph-obstruktive Kardiomyopathie (HOCM). Die wissenschaftliche Leitung übernahm Prof. Ulf Landmesser vom Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC). Als wissenschaftliche Partner unterstützten u. a. die Nationale Herz-Allianz (NHA), die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) und die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).

Herzgesundheit als politische Priorität

In ihrer Rede stellte Bundesgesundheitsministerin Warken verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Prävention und Versorgung vor, darunter die Einführung eines Primärarztsystems, die Einrichtung eines Arbeitskreises unter Beteiligung von Landwirtschaft und Industrie zur Überarbeitung regulatorischer Vorgaben, etwa im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung, sowie eine stärkere Einbindung von Apotheken in das Screening der „3B“ – Blutdruck, Blutzucker, Blutfette als zentrale kardiovaskuläre Risikofaktoren. Abschließend versprach Warken, das Thema Herzgesundheit zu priorisieren und schon im kommenden Jahr sichtbare Erfolge zu erzielen, beispielsweise bei der Teilnahmequote an Ü35-Check-ups.

Regulierung gestalten, Daten besser nutzen

DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg appellierte im Rahmen der Veranstaltung an die Fürsorgepflicht des Staates: Angebote zur Prävention und Früherkennung attraktiv zu gestalten und die „Killer der Nation“, Nikotin und Überzuckerung, unattraktiv zu gestalten sei „politische Pflicht“. Es sei aber entscheidend, regulatorische Maßnahmen klar, transparent und besonders auch positiv zu begründen. So verdeutlichte beispielsweise die Studie des Global Cardiovaskular Risk Consortiums (GCVRC), auf die auch Prof. Christina Magnussen in ihrem Vortrag verwies, dass ein Vermeiden der fünf wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren einen erheblichen Gewinn an Lebenszeit und Lebensfreude bedeuten kann. 

 

Zudem betonte Blankenberg die Bedeutung des EU Safe Hearts Plan für eine bessere Prävention und gerechte Versorgung in Deutschland und Europa. Ein besonderes „Herzensthema“ sei darüber hinaus das Nationale Herz-Netz (NHN), das die DGK mit Unterstützung der Friede-Springer-Stiftung kürzlich auf den Weg gebracht hat. Die systematische Zusammenführung medizinischer Routinedaten soll Forschung und Qualitätskontrolle entscheidend stärken, die Real-World-Evidenz auf ein neues Fundament stellen und Deutschland zum Spitzenreiter der digitalen Datenverarbeitung in der europäischen Herzmedizin machen.

Impressionen vom BILD-Herzgipfel 2026

Credit: BILD / Mario Firyn

Niedrigschwellige Angebote zum 3B-Screening

Bereits im Vorfeld des Kongresses betonte Warken gegenüber BILD, die Notwendigkeit, Prävention und Früherkennung zu stärken: „Wir müssen niedrigschwellige Angebote schaffen.“ Neben der besseren Vernetzung der gesundheitlichen Berufsgruppen sieht sie Apotheken als möglichen Hebel: „Wir müssen Dinge, die es schon gibt, breiter ausrollen. Ein Beispiel: Es gibt die 3B: das Messen von Blutdruck, Blutzucker, Blutfett. […] Wir wollen jetzt die Apotheken noch mehr mit ins Boot nehmen, damit auch künftig dort diese Messungen, Testungen und eine Beratung stattfinden können.“ Durch das „Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, könne zudem bereits Pflegepersonal in Einrichtungen, Krankenhäusern und Pflegeheimen diese Tests eigenständig durchführen.

 

Das Vorhaben steht im Einklang mit den Zielen des EU Safe Hearts Plan, der vorsieht, bis 2035 je nach Altersgruppe mindestens 65 % bis 90 % der Bevölkerung über 25 Jahre jährlich auf Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin zu screenen.

DGK-Präsident: „Jedes Sichtbarmachen von Risikofaktoren wichtig“ – ärztliche Abklärung auch

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Stefan Blankenberg, befürwortet den Ansatz des Bundesgesundheitsministeriums (BMG): „Jedes Sichtbarmachen von Risikofaktoren für Herzkrankheiten wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- oder Zuckerwerte ist wichtig. Deshalb ist es absolut sinnvoll, niedrigschwellige Angebote wie Kontrollen in Apotheken einzubeziehen.“

 

So würden viel mehr Patientinnen und Patienten erreicht, weil niemand lange auf einen Arzttermin warten müsse. Die Apotheken könnten beraten und auf die Dringlichkeit einer ärztlichen Abklärung hinweisen. „Die Behandlung muss dann in der Praxis erfolgen. Das ist gerade bei den Blutzuckerwerten wichtig, da diese stark davon abhängig sind, was man in den letzten Stunden getrunken und gegessen hat. Beim Arzt wird ein Langzeitzuckerwert genommen, das geht bei einem Schnelltest in der Apotheke nicht.“


Während Dr. Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, den BMG-Plan klar ablehnt und eine Verunsicherung ohne unmittelbare ärztliche Einordnung befürchtet, äußerte sich auch Franziska Scharpf, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer und Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer, gegenüber der BILD positiv zur stärkeren Einbindung der Apotheken.

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