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RKI-Daten: Impfakzeptanz – zwischen Vertrauen und Falschinformationen

Die Impfentscheidung findet hierzulande in einem gesellschaftlichen und persönlichen Spannungsfeld statt, wie aktuelle RKI-Daten verdeutlichen.1 Risikobewusstsein und Verantwortungsgefühl treffen auf Politikskepsis und Impfmythen. Die erste Erhebung des jährlich geplanten Impfakzeptanz-Monitorings zeigt Wissens- und Vertrauenslücken auf, liefert aber auch Ansatzpunkte, um die niedrigen Impfquoten zu erhöhen.

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

04.03.2026

Bildquelle (Bild oben): Ratana21 / Shutterstock.com

Um die Gründe des (Nicht-)Impfens besser zu verstehen und Ansätze zur Verbesserung der Impfquote zu finden, startete das Robert-Koch-Institut (RKI) im vergangenen Jahr im Rahmen des Projekts IMPRESS ein jährliches Impfakzeptanz-Monitoring für Deutschland. Kürzlich veröffentlichte das RKI die Ergebnisse aus der 1. Erhebung im Oktober 2025 mit 5.450 Personen aus der Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren.

Mehrheitliches Vertrauen, aber auch Politikskepsis

Wie die Befragung zeigt, vertraut die Mehrheit den Gesundheitsbehörden bei Impfstoffen: 6 von 10 der Befragten gaben ein (eher) hohes Vertrauen in die Zulassung von Impfstoffen an. Allerdings stimmten auch etwa 2 von 10 Befragten der Aussage (eher) zu, dass Gesundheitsbehörden den Vorgaben der Pharmakonzerne folgen. Politische Entscheidungen zu Impfungen nehmen 6 von 10 Personen als nur teils bis überhaupt nicht wissenschaftlich fundiert war.


Die Hälfte der Teilnehmenden stimmen (eher) zu, dass Nebenwirkungen selten auftreten und nicht schwerwiegend sind. Immerhin etwa 2 von 10 Befragten sind zumindest teilweise der Ansicht, dass Impfungen schlimmer seien als die Krankheiten, vor denen sie schützen sollen. Die meisten Befragten haben aber ein Verständnis für das Risiko, das von Infektionskrankheiten ausgeht, und den persönlichen Nutzen durch Impfungen. Etwa 8 von 10 Personen bewerten Impfungen für sich selbst als sinnvolle Präventivmaßnahme; 7 von 10 Befragten möchten sich mit einer Impfung vor schweren Krankheitsverläufen schützen, 6 von 10 Befragten möchten ihr eigenes Ansteckungsrisiko reduzieren.

Kollektive Verantwortung und Ablehnung von Sanktionen

Persönliche Hürden werden kaum berichtet. Mehr als 7 von 10 Personen kümmern sich (eher) um rechtzeitige Impfungen. Etwa 1 von 10 Personen gibt an, Impfungen manchmal zu verpassen, weil sie als lästig empfunden werden.


Die Mehrheit trifft die Impfentscheidung nach persönlicher Risiko-Nutzen-Abwägung. Etwa 7 von 10 Befragten entscheiden sich für eine Impfung, wenn sie darin keine persönlichen Nachteile erkennen. Die allermeisten (etwa 8 von 10 Personen) verstehen Impfungen als gemeinschaftliche Verantwortung, um Krankheiten einzudämmen. Personen zu bestrafen, die den Impfempfehlungen der Gesundheitsbehörden nicht folgen, stößt aber auf deutliche Ablehnung: Nur etwa 1 von 10 Befragten hält das für legitim. Den möglichen Ausschluss von öffentlichen Veranstaltungen halten 2 von 10 Personen für vertretbar.

Unterschiede zwischen Geimpften und Nichtgeimpften

Für Personen mit Grippe-Impfempfehlung (z. B. Menschen ab 60 Jahre) zeigt sich, dass geimpfte Personen im Vergleich zu ungeimpften Personen in den Kategorien Vertrauen, Risikowahrnehmung, kollektives Verantwortungsgefühl und Compliance signifikant höhere Zustimmungswerte angeben und bei persönlichen Hürden, Kosten-Nutzen-Abwägung sowie Verschwörungserzählungen signifikant niedrigere Werte.

 

Während die Mehrheit der ungeimpften Personen mit Impfempfehlung die Grippeimpfung zu Beginn der Saison 2025/2026 noch anstrebte, waren die Impfbereitschaft und -inanspruchnahme für die COVID-19-Impfung nur gering, obwohl die Impfung gegen schwere Verläufe und Langzeitfolgen schützt.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung und COVID-19-Impfung u. a. für Personen ab 60 Jahren und für Personen mit impfrelevanten Grunderkrankungen wie chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.


In der Saison 2024/2025 erreichte die Influenza-Impfquote bei Personen ab 60 Jahren mit 34 % den niedrigsten Stand seit 17 Jahren bzw. seit Beginn der RKI-Berichterstattung (Saison 2008/2009).2 Bei Erwachsenen ab 18 Jahren mit impfrelevanter Grunderkrankung lag die Impfquote bei 28 %. Die Zielimpfquote von WHO und EU beträgt 75 %.

 

Obwohl Influenza- und COVID-19-Impfung gleichzeitig verabreicht werden können, liegt die COVID-19-Impfquote deutlich niedriger. Bei Personen ab 60 Jahren sank sie im Vergleich zur Vorsaison um mehr als ein Drittel auf 13 %. Bei Erwachsenen mit impfrelevanter Grunderkrankung halbierte sich die Impfquote nahezu – von 14 % auf 8 %.

 

Auffällig ist der Unterschied zur selbstberichteten Impfquote im RKI-Impfakzeptanz-Monitoring: Dort gaben deutlich mehr Personen mit Impfempfehlung an, in der Saison 2024/2025 eine Influenza-Impfung (64,6 %) bzw. eine COVID-19-Impfung (11,2 %) erhalten zu haben.

Große Unsicherheit bei Impfmythen

Das RKI bewertet im Rahmen der Befragung die impfbezogene Gesundheitskompetenz der Allgemeinbevölkerung im Mittel als „eher niedrig“. Zwar verfügt die Mehrheit über ein grundlegendes Wissen zur Wirksamkeit von Impfungen, aber es zeigen sich große Unsicherheiten hinsichtlich gängiger Falschinformationen und klar widerlegter Impfmythen. So sind sich etwa 5 von 10 Personen unsicher, ob Impfungen Autismus auslösen und Allergien fördern. Rund 4 von 10 Befragten zeigen Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen von Kinderimpfungen auf das Immunsystem.


Gleichzeitig wissen aber auch etwa 8 von 10 Personen, dass Antibiotika keine Impfungen ersetzen, Impfprogramme zur Ausrottung schwerer Krankheiten beigetragen haben und die Wirksamkeit von Impfungen wissenschaftlich belegt ist.

RKI fordert mehr Zusammenarbeit und Aufklärung

Die hohe Risikowahrnehmung für Infektionskrankheiten, die geringen persönlichen Hürden und das kollektive Verantwortungsgefühl in der Bevölkerung sieht das RKI als gute Grundlage, um die Impfprogramme zu stärken. Das Institut empfiehlt, die Institutionen besser zu verzahnen und beim Thema Impfstoffsicherheit & Falschinformationen intensiver zusammenzuarbeiten. Durch leicht auffindbare Informationsangebote könne die Gesundheitskompetenz verbessert werden. Es gebe einen klaren Bedarf, Impfmythen zu entkräftigen („Debunking“). Dabei gehe es nicht nur um die Vermittlung von Fakten, sondern auch um die gezielte Ansprache der Ursachen falscher Überzeugungen. Das RKI stellt zum Beispiel sogenannte „Faktensandwiches“ rund um Impfmythen für die Fachöffentlichkeit zur Verfügung.

Take-aways

  • Die Mehrheit der Bevölkerung bewertet Impfungen als sinnvolle Präventionsmaßnahme und vertraut grundsätzlich den Zulassungsverfahren.
  • Gegenüber politischen Impfentscheidungen besteht jedoch verbreitete Skepsis hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Grundlage.
  • Der Großteil hat eine hohe Risikowahrnehmung für Infektionskrankheiten und möchte sich selbst und andere vor Ansteckung und schweren Krankheitsverläufen schützen.
  • Sanktionen gegenüber Personen, die Impfempfehlungen nicht folgen, werden in der Bevölkerung klar abgelehnt.
  • Geimpfte zeigen mehr Vertrauen in Institutionen und Impfstoffe, eine höhere Risikowahrnehmung für Infektionen und weniger Zustimmung zu Verschwörungserzählungen.
  • Große Unsicherheit gegenüber widerlegten Impfmythen weist auf eine insgesamt eher niedrige impfbezogene Gesundheitskompetenz hin.
  • Das RKI empfiehlt eine stärkere Verzahnung der beteiligten Institutionen und ein gezielteres Entkräften von Falschinformationen, um Impfquoten zu verbessern.

Referenzen

  1. Robert Koch-Institut (2026). Warum wir uns impfen lassen und wann wir zögern. Ergebnisse des Forschungsprojekts IMPRESS: Impfverhalten verstehen, Preparedness steigern. Schwerpunkt: Allgemeinbevölkerung. URL: https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Forschungsprojekte/IMPRESS/Folien-Ergebnisse-Allgemeinbevoelkerung.html
  2. Robert Koch-Institut (2025). Epidemiologisches Bulletin 50/2025, Stand Stand: 11.12.2025. URL: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/50_25.html

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