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TAVI: Herzklappen-Eingriff ohne große OP – für wen das Verfahren geeignet ist

Atemnot beim Treppensteigen, Schwindel beim Spaziergang, ein Druckgefühl im Brustbereich oder ein Ohnmachtsanfall – typische Symptome einer verengten Aortenklappe, einer sogenannten Aortenklappenstenose. Lange galt bei dieser Erkrankung die Herzoperation als Standardtherapie. Heute gibt es mit dem TAVI-Verfahren eine schonendere Alternative. Alles über Altersgrenze und Ablauf des Eingriffs. 

Von Kerstin Kropac

 

02.07.2026


Bildquelle (Bild oben): UOzelArchive/ iStock (bearbeitet)

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Aortenklappenstenose ist die häufigste erworbene Herzklappenerkrankung. Unbehandelt kann sie zu Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder sogar plötzlichem Herztod führen.
  • Eine klinisch relevante Aortenklappenstenose betrifft 3 bis 5 Prozent aller 70-Jährigen und bis zu 10 Prozent aller 80-Jährigen.
  • Grundsätzlich stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Ein chirurgischer Klappenersatz, bei dem eine mechanische oder biologische Klappe eingesetzt wird, oder das TAVI-Verfahren per Katheter, das als schonender gilt.
  • Gerade bei Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren wird bevorzugt eine TAVI durchgeführt.
  • Zu den möglichen Komplikationen zählen Blutungen und Gefäßverletzungen. Einige Patientinnen und Patienten benötigen nach dem Eingriff einen Herzschrittmacher.
  • Die Langzeit-Haltbarkeit moderner TAVI-Klappen wird derzeit noch untersucht. Dadurch kann man noch nicht genau sagen, wie lange die Klappen halten.

Was ist eine Aortenklappenstenose?

Als Aortenklappenstenose wird eine Verengung der Aortenklappe bezeichnet. Durch diese Herzklappe wird mit jedem Herzschlag sauerstoffreiches Blut in den Körper gepumpt. Doch mit zunehmendem Alter können sich an der Aortenklappe Kalkablagerungen bilden. Dadurch wird die Klappe steifer und unbeweglicher. „Das Herz muss dann gegen einen erhöhten Widerstand anpumpen, wodurch die Pumpleistung des Herzens zunehmend eingeschränkt wird“, erklärt Prof. Christian Frerker, stellvertretender Klinikdirektor und Leiter des Bereichs ‚Strukturelle Herzerkrankungen‘ am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck. 


Die Aortenklappenstenose ist die in westlichen Industrienationen häufigste erworbene Herzklappenerkrankung. Eine klinisch relevante Aortenklappenstenose betrifft 3 bis 5 Prozent aller 70-Jährigen und bis zu 10 Prozent aller 80-Jährigen. 

Zum Experten

Prof. Dr. Christian Frerker

Prof. Dr. Christian Frerker ist stellvertretender Klinikdirektor und Leiter des Bereichs ‚Struktuelle Herzerkrankungen‘ am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck.

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Welche Symptome haben Betroffene bei einer Aortenklappenstenose?

Die Betroffenen spüren Luftnot bei Belastung, fühlen sich schneller erschöpft, leiden unter Brustschmerzen, Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen. „Es ist wichtig, diese Symptome ernst zu nehmen“, sagt der Kardiologe. „Wir sehen immer wieder ältere Patientinnen und Patienten, die uns versichern, keine Beschwerden zu haben. Und dann erzählen die Angehörigen, dass ihre Eltern oder Großeltern seit einiger Zeit aber gar nicht mehr vor die Tür gehen und sich belasten. In der folgenden Ultraschall-Untersuchung stellen wir häufig eine Herzklappenerkrankung fest.“ 

Warum muss eine fortgeschrittene Aortenklappenstenose unbedingt behandelt werden?

Unbehandelt kann eine hochgradige Aortenklappenstenose zu Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen oder sogar plötzlichem Herztod führen. „Viele Betroffene versterben innerhalb weniger Jahre, wenn nichts unternommen wird“, sagt der Kardiologe. „Mit einer neuen Herzklappe haben diese Menschen wieder eine nahezu normale Lebenserwartung.“

Klappenersatz bei einer hochgradigen Aortenklappenstenose: Welche Verfahren gibt es?

„Wenn eine Patientin oder ein Patient mit einer hochgradigen Aortenklappenstenose zu uns kommt, besprechen wir in unserem Heart-Team – einem interdisziplären Team von Ärztinnen und Ärzten aus den Bereichen Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesie – welches Verfahren sich für diese Person am besten eignet“, erklärt Prof. Frerker. Eine wichtige Rolle bei der Entscheidungsfindung spielen zum Beispiel das Alter, der Allgemeinzustand, Begleiterkrankungen und die Anatomie der Herzklappe. 


Grundsätzlich stehen zwei Verfahren zur Verfügung: Die erste Methode ist ein chirurgischer Klappenersatz, bei dem über das geöffnete Brustbein oder minimal-invasiv durch die Rippen eine mechanische oder biologische Klappe eingesetzt wird. Als schonender gilt die zweite Option: das TAVI-Verfahren per Katheter.

Was genau ist das TAVI-Verfahren?

TAVI steht für „Transcatheter Aortic Valve Implantation“, übersetzt heißt das: kathetergestützter Aortenklappenersatz. Vor dem Eingriff wird das Herz genau untersucht – meist mittels Ultraschall, Herzkatheter und Computertomographie. So prüfen die Kardiologinnen und Kardiologen zum Beispiel, welche Klappengröße geeignet ist und welcher Zugangsweg infrage kommt. „In den meisten Fällen erfolgt die TAVI über die Leistenarterie“, erklärt Prof. Frerker. „Die neue Herzklappe sitzt zusammengedrückt auf einem Katheter und wird bis zur erkrankten Aortenklappe vorgeschoben. Dort entfaltet sie sich und übernimmt sofort die Funktion der alten Klappe.“ Der Eingriff erfolgt meist in örtlicher Betäubung oder einem leichten Dämmerschlaf und dauert häufig weniger als eine Stunde. Viele Patientinnen und Patienten können bereits nach wenigen Tagen wieder nach Hause.

Warum eignet sich das TAVI-Verfahren gerade für Ältere?

Ursprünglich wurde TAVI vor allem für ältere Menschen mit einem hohen Operationsrisiko entwickelt – also für Patientinnen und Patienten, für die eine klassische Herzoperation möglicherweise zu belastend wäre. Dementsprechend liegt das mittlere Patientenalter für TAVI-Eingriffe in Deutschland derzeit bei etwa 80 Jahren. 


„Grundsätzlich kann man heutzutage nach den neuesten Leitlinien sagen: Ab 70 ist die TAVI meist die First-Line-Therapie. Bei Jüngeren empfehlen wir die TAVI nur, wenn beispielsweise bestimmte schwere Begleiterkrankungen vorliegen“, sagt Prof. Frerker. „Ist es anatomisch und gesundheitlich möglich und die Patientin oder der Patient ist jünger als 70, raten wir in der Regel zum konventionellen Aortenklappenersatz, also zur Operation.“ Wobei jeder Eingriff eine individuelle Entscheidung ist – nach einer umfassenden Aufklärung zählt immer der Patientenwunsch.

Welche Vorteile hat TAVI?

Der große Vorteil des Verfahrens liegt in der geringeren Belastung für den Körper. So ist zum Beispiel – anders als bei der Operation – kein Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine notwendig. Und auch die Erholung geht oft schneller als nach einer Herzoperation. „Man muss unbedingt eine faire Aufklärung machen“, sagt Prof. Frerker. „Wenn Sie Patientinnen und Patienten fragen: Wollen Sie an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden? Und soll Ihr Brustkorb geöffnet werden oder ein Schnitt durch die Rippen erfolgen? Beides ist für die Herz-OP erforderlich. Oder wollen Sie lieber eine kleine Punktion in der Leiste haben und zwei Tage später nach Hause gehen? Dann ist klar, dass sich alle Betroffenen eher für TAVI entscheiden … Aber es ist eben auch so: Gerade für die Jüngeren bietet die chirurgische Operation derzeit noch möglicherweise Vorteile – zum Beispiel eine mögliche längere Haltbarkeit der Klappe.“

Welche Komplikationen können nach TAVI auftreten?

Auch wenn die TAVI heute als etabliertes und sicheres Verfahren gilt, ist sie kein risikofreier Eingriff. So kann es zum Beispiel zu Blutungen und Gefäßverletzungen kommen. Und einige Patientinnen und Patienten benötigen nach dem Eingriff einen Herzschrittmacher. Der sogenannte AV-Knoten, sozusagen die Überleitungszentrale der elektrischen Aktivität auf die Herzkammern, liegt direkt unterhalb der Aortenklappe – und es kann passieren, dass die TAVI-Prothese auf den AV-Knoten drückt und dadurch die elektrische Aktivität des Herzens stört“, erklärt Prof. Frerker. „Je nach Prothesentyp liegt das Risiko für einen Herzschrittmacher nach der Prozedur zwischen 10 und 25 Prozent.“ Dieses Risiko besteht auch bei chirurgischen Eingriffen – aber dort ist es meist geringer ausgeprägt.

Wie lange hält eine TAVI-Klappe?

Die Langzeit-Haltbarkeit moderner TAVI-Klappen wird derzeit noch untersucht. Da das Verfahren bisher meist nur bei älteren Personen angewendet wurde, fehlen für lange Zeiträume aussagekräftige Daten. „Unseren Patientinnen und Patienten können wir daher sagen, dass die Klappe mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sieben bis zehn Jahre halten wird. Was darüber hinaus passiert – dazu haben wir leider noch keine verlässlichen Daten“, so der Kardiologe.

Was müssen Patientinnen und Patienten nach dem Eingriff beachten?

Nach der TAVI erhalten viele Betroffene zunächst blutverdünnende Medikamente. Außerdem sind regelmäßige Kontrollen bei der Kardiologin oder beim Kardiologen wichtig, um die Funktion der Herzklappe zu überwachen. „Nach sechs Wochen sollte man einen Ultraschall machen lassen, um sich die Herzklappe anzuschauen – danach sollte man einmal im Jahr einen Kontrolltermin wahrnehmen“, sagt Prof. Frerker. Außerdem ist die Einnahme eines Blutverdünners wie ASS notwendig. Vor bestimmten zahnärztlichen Eingriffen ist eine antibiotische Endokarditis-Prophylaxe empfohlen. „Die Menschen sind nach dem Eingriff wieder ganz normal belastbar“, so der Kardiologe. „Und wenn man sie nach einer Weile wiedersieht, sagen viele: ‚Wir sind jetzt wieder richtig aktiv.‘“

„Die Menschen sind nach dem Eingriff wieder ganz normal belastbar. Und wenn man sie nach einer Weile wiedersieht, sagen viele: ‚Wir sind jetzt wieder richtig aktiv.‘“

Prof. Christian Frerker

Fazit

Im Jahr 2025 wurden ca. 26.000 TAVI-Prozeduren und ca. 7.000 isolierte AKE (Aortenklappenersatz)-Operationen durchgeführt, in diesen Fällen wurde die Aortenklappe im Herzen also operativ ersetzt. Für die meisten Menschen ermöglicht das TAVI-Verfahren einen Herzklappenersatz ohne große Operation – mit oft schneller Erholung und deutlicher Verbesserung der Lebensqualität. Welche Therapie im Einzelfall die beste ist, sollte immer individuell in einem erfahrenen Herzteam entschieden werden.

FAQ – Häufige Fragen zu Herzklappen

Die vier Herzklappen arbeiten wie Ventile und sorgen dafür, dass das Blut immer in der vorgesehenen Richtung durch das Herz fließt. Durch die Trikuspidalklappe wird das Blut in die rechte Herzkammer gedrückt. Von hier aus wird es durch die Pulmonalklappe in die Lunge transportiert, wo das Blut mit Sauerstoff angereichert wird. Durch die Pulmonalvenen fließt das sauerstoffreiche Blut dann in den linken Vorhof. Die Mitralklappe öffnet sich: Das Blut wird erst in die linke Herzkammer und von dort durch die Aortenklappe in die Aorta, die größte Schlagader, gepumpt.

Herzklappenfehler können angeboren oder erworben sein. Erworbene Fehler sind häufiger, weil Klappen im Laufe des Lebens verschleißen oder verkalken. Grundsätzlich unterscheidet man die Klappeninsuffizienz: Dann schließt die Klappe nicht mehr richtig, Blut fließt zurück. Und die Klappenstenose: Die Klappe öffnet sich nicht mehr ausreichend, der Blutfluss ist behindert. Beides kann auch kombiniert auftreten.

Die Aortenklappe muss von allen Herzklappen den größten Druck aushalten: Sie muss stark genug sein, um das Blut bis in die entferntesten Gliedmaßen zu transportieren.

TAVI steht für Transkatheter-Aortenklappenimplantation (engl. „Transcatheter Aortic Valve Implantation“) und bezeichnet ein schonendes, minimalinvasives Verfahren insbesondere zur Behandlung der Aortenklappenstenose, in bestimmten Fällen auch der Aortenklappeninsuffizienz.

Ein TAVI-Zentrum behandelt Aortenklappenerkrankungen mit einem interdisziplinären Herz-Team, in dem über ein klassisch-chirurgisches Vorgehen oder eine Versorgung mit minimalinvasiven Verfahren entschieden wird. Meist wird das Zentrum aufgesucht, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung der Aortenklappe besteht. Über die Suche der DGK finden Sie alle zertifizierten Einrichtungen in Ihrem Umkreis!

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