Junger Mann sitzt mit älteren Mann in einem Cafe

Herzkrankheiten in der Familie: So unterstützen Angehörige beim Impfen

Im familiären Umfeld haben nahestehende Personen großen Einfluss, wenn es um den Impfschutz bei Herzpatientinnen und Herzpatienten geht. Sie können informieren, Orientierung geben und im Alltag begleiten. Ein Kardiologe erklärt, wie Impfungen das Herz schützen und wie Gespräche ohne Druck gelingen – mit praktischen Tipps.

Von Daniela Goldscheck

 

13.07.2026


Bildquelle oben: JackF / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Atemwegsinfektionen können zu akuten Erkrankungen des Herzens führen.
  • Impfungen reduzieren das Risiko schwerer Verläufe.
  • Angehörige beeinflussen Entscheidungen maßgeblich.
  • Gute Gespräche brauchen Verständnis, nicht Druck.
  • Konkrete Hilfe erleichtert den Weg zur Impfung.

Warum Impfungen für das Herz wichtig sind

Atemwegsinfektionen wie Grippe, COVID-19, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) sind für Herzpatientinnen und Herzpatienten besonders riskant. Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen wie Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung deutlich. „Weil das Vermeiden der Infektion oft schwierig ist, ist der Schutz vor einem kritischen Verlauf besonders wichtig – insbesondere für Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, erklärt Prof. Dr. Stephan Baldus, Klinikdirektor der Klinik III für Innere Medizin – Kardiologie an der Universitätsklinik Köln.

Zum Experten

Prof. Dr. Stephan Baldus

Prof. Dr. Stephan Baldus ist seit 2012 Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Universität zu Köln. Von 2021 bis 2023 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

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Welche Rolle Angehörige spielen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen begleiten viele Betroffene über lange Zeit. Oftmals sind nahestehende Personen eng eingebunden und wichtige Bezugspersonen. Der persönliche Kontakt lässt sich durch ärztliche Aufklärung nicht ersetzen. „Die Unterstützung durch Angehörige ist entscheidend, wenn es um medizinische Maßnahmen wie Impfungen geht“, betont der Experte. 

Infektionsrisiken verständlich machen

Atemwegsinfektionen können das Herz stärker belasten, als vielen Menschen bewusst ist. Besonders deutlich wird das bei Grippeviren: Sie können das Risiko für einen Herzinfarkt kurzfristig deutlich erhöhen. Gleichzeitig können Viren den Herzmuskel und die Gefäße direkt schädigen. Der Kardiologe erklärt: „Influenzaviren erhöhen bei Infektionsbeginn das Risiko für einen Herzinfarkt um mehr als das Sechsfache.“ Hier hilft es, diese Risiken einfach und nachvollziehbar zu erklären.

Wie ein gutes Gespräch gelingt

Der Einstieg ins Gespräch über das Impfen fällt vielen Angehörigen nicht leicht. Entscheidend ist ein ruhiger, wertschätzender Austausch, der sich an der individuellen Situation orientiert. Prof. Dr. Baldus empfiehlt: „Es ist wichtig klarzumachen, dass ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe besteht – und dass Impfungen den Verlauf wesentlich abmildern können.“ Hilfreich ist es, das Thema in einfachen Worten zu erklären und Raum für Fragen zu lassen. So entsteht Vertrauen – ohne Druck oder Überforderung.

Tipps für Angehörige: So unterstützen Sie beim Impfen

  • Sprechen Sie das Thema Impfen ruhig an
  • Informieren Sie sich gemeinsam über Nutzen und mögliche Risiken
  • Bereiten Sie Fragen für das Arztgespräch vor
  • Unterstützen Sie bei der Terminvereinbarung
  • Begleiten Sie auf Wunsch in die Praxis
  • Helfen Sie, Informationen einzuordnen
  • Geben Sie Sicherheit – ohne Druck auszuüben

Bei Unsicherheit richtig reagieren

Zweifel beim Thema Impfen sind häufig – und sollten ernst genommen werden. Entscheidend ist, dass Herzpatientinnen und -patienten gut informiert sind und den Nutzen für sich einordnen können.


Wichtig sind dabei drei Punkte:

 

  • Verständnis dafür, wie Impfungen funktionieren
  • Wissen um ihre Wirksamkeit
  • Einordnung des Nutzens für die eigene Gesundheit, etwa hinsichtlich schwerer Verläufe oder Sterblichkeit


Ohne dieses Wissen entstehen leicht Missverständnisse. Angehörige unterschätzen den Nutzen von Impfungen manchmal, weil sie selbst kein erhöhtes Risiko haben. Dabei gilt: Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der Schutz durch Impfungen besonders relevant.

 

Im Alltag können Angehörige viel bewirken. So können sie Informationen zusammentragen, Arztgespräche vorbereiten und Termine organisieren. „Einen passenden Termin zu vereinbaren ist von zentraler Bedeutung, um die Impfmüdigkeit zu verbessern“, erklärt der Experte. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, den Arzttermin zu begleiten und offene Fragen einzubringen.

Fazit

Angehörige sind entscheidend, wenn es um den Impfschutz von Herzpatientinnen und -patienten geht. Sie können Orientierung geben, Gespräche begleiten und konkrete Schritte erleichtern, etwa bei der Vorbereitung auf Arzttermine oder der Organisation von Impfungen. Besonders bei Herzkrankheiten in der Familie ist diese Begleitung wertvoll. So tragen Angehörige entscheidend dazu bei, dass Impfentscheidungen gut informiert und selbstbestimmt getroffen werden – und dass das Herz bestmöglich geschützt ist.

 

Begleiten Sie Ihr Familienmitglied mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und sprechen Sie gemeinsam mit der Kardiologin oder dem Kardiologen über den passenden Impfschutz.

FAQ – Häufige Fragen zur Unterstützung von Angehörigen bei Herzpatienten und Impfungen

Wenn Herzkrankheiten in der Familie vorkommen, besteht oft ein erhöhtes Risiko für Komplikationen durch Atemwegsinfektionen wie Grippe (Influenza), COVID-19, Pneumokokken und das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Impfungen helfen, schwere Verläufe zu verhindern und das Herz zu schützen.

Sie können informieren, Gespräche anstoßen und bei Terminen helfen. Auch die Begleitung zur Ärztin oder zum Arzt und gemeinsames Entscheiden sind wichtig.

Ein Herzinfarkt in der Familie weist auf ein erhöhtes Risiko hin. Ein guter Impfschutz kann helfen, erneute Herzprobleme nach Atemwegsinfektionen zu vermeiden.

Wichtig ist, Zweifel ernst zu nehmen, verständlich zu informieren und gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt offene Fragen zu klären.

Dazu gehören Terminvereinbarung, Begleitung und Vorbereitung auf das Gespräch. Das erleichtert die Entscheidung und reduziert Hürden.

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