Das Wichtigste in Kürze
- Auch korrigierte Herzfehler können Spätfolgen verursachen
- Regelmäßige kardiologische Kontrollen sind lebenslang wichtig
- Viele verlieren im jungen Erwachsenenalter den Anschluss an die Betreuung
- Impfungen und Zahngesundheit spielen eine wichtige Rolle
- Ein gesunder Lebensstil schützt das Herz zusätzlich
Trügerische Sicherheit: "Mir geht es gut"
Erwachsene mit angeborenem Herzfehler fühlen sich oft gesund – und wiegen sich damit in Sicherheit. „Wir sind sehr froh darüber, dass auch komplexe angeborene Herzfehler heute so gut behandelt werden können, dass die Behandlung angeborener Herzfehler heute eine gute Lebensqualität ermöglicht.“, sagt PD Dr. Corinna Lebherz, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Spezielle Kardiologie für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler im Fachärztezentrum Kliniken Südostbayern in Traunstein.
Gleichzeitig betont sie: „Eine Reparatur eines angeborenen Herzfehlers geht nicht mit einer lebenslangen Garantie für eine fehlerlose Funktion des Herzens einher.“ Spätfolgen wie Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen können sich schleichend entwickeln – oft unbemerkt. Regelmäßige Kontrollen bleiben daher unverzichtbar.
Zur Person
PD Dr. Corinna Lebherz
PD Dr. Corinna Lebherz ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie im Fachärztezentrum der Kliniken Südostbayern in Traunstein am Chiemsee.
Warum viele die Betreuung abbrechen
Gerade im jungen Erwachsenenalter nehmen viele die regelmäßige Betreuung nicht mehr konsequent wahr. „Im frühen Erwachsenenalter drängen sich andere Themen in den Vordergrund – Ausbildung, Berufseinstieg oder Familiengründung“, erklärt PD Dr. Lebherz. Arzttermine geraten dabei leicht ins Hintertreffen – vor allem, wenn keine Beschwerden bestehen. Welche Folgen das haben kann, zeigt auch der Beitrag EMAH-Check für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler. „Der Wechsel in die spezialisierte Betreuung im Erwachsenenalter sollte idealerweise bereits von den Kinderkardiologen gebahnt werden“, empfiehlt die Kardiologin.
Umso wichtiger sind:
- wohnortnahe Versorgungsangebote
- ein frühzeitiger Übergang in die Erwachsenenmedizin
Eigenverantwortung lernen – ein zentraler Schritt
Mit dem Erwachsenwerden verändert sich auch die Rolle der Betroffenen. „Ein entscheidender Schritt ist, dass Jugendliche und junge Erwachsene mehr Verantwortung für ihre eigene Gesundheit übernehmen“, sagt PD Dr. Lebherz. Gleichzeitig müssen Eltern lernen, schrittweise Verantwortung abzugeben. Die Expertin sagt: „Wer früh lernt, Termine selbst zu vereinbaren und Arztgespräche eigenständig zu führen, wird später sicherer im Umgang mit der eigenen Erkrankung.“
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Impfschutz und Zahnpflege: Warum beides für das Herz wichtig ist
Ein aktueller Impfschutz ist ein wichtiger Teil der Vorsorge. Infektionen können das Herz-Kreislauf-System stark belasten und bestehende Herzerkrankungen verschlechtern. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) sieht Impfungen daher heute als festen Bestandteil der Vorsorge. So erklärt PD Dr. Lebherz: „Impfungen, zum Beispiel gegen die saisonale Grippe, können auch bei jungen Patientinnen und Patienten mit komplexem Herzfehler sinnvoll sein.“ Je nach persönlicher Situation können unter anderem Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken, RSV oder COVID‑19 eine wichtige Rolle spielen. Diese Infektionen können bei Menschen mit Herzerkrankungen häufiger schwer verlaufen und zusätzliche Komplikationen auslösen. Die Grippeimpfung sollte idealerweise im Herbst – vor Beginn der Erkältungssaison – erfolgen.
Besonders wichtig ist eine Impfberatung bei bestimmten Risikosituationen – etwa wenn zusätzlich andere Erkrankungen bestehen, das Immunsystem geschwächt ist oder Medikamente eingenommen werden, die die Abwehrkräfte beeinflussen (Immunsuppression). In solchen Fällen sind nicht alle Impfstoffe geeignet; die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt wählt einen passenden Impfstoff aus. Auch der Impfschutz enger Angehöriger kann dann zusätzlichen Schutz bieten. Während einer Schwangerschaft sind insbesondere Impfungen gegen Grippe und Keuchhusten wichtig, um Mutter und Kind zu schützen. „Ein fieberhafter Infekt bedeutet eine starke Belastung für das Herz-Kreislauf-System und kann Komplikationen begünstigen“, ergänzt die Kardiologin. Welche Impfungen im Einzelfall empfohlen werden, sollte immer mit der behandelnden Kardiologin oder dem Kardiologen besprochen werden.
Neben dem Impfschutz spielt auch die Zahngesundheit eine wichtige Rolle. „Als erstes fällt mir das tägliche Zähneputzen sowie der halbjährliche Zahnarztbesuch ein“, sagt PD Dr. Lebherz. „Gesunde Zähne und Zahnfleisch helfen, das Risiko für eine Herzinnenhautentzündung, die sogenannte Endokarditis, deutlich zu senken – eine schwerwiegende und potenziell lebensbedrohliche Komplikation.“ Besonders nach dem Einsatz von prothetischen Herzklappen ist das Risiko im Vergleich zur herzgesunden Bevölkerung deutlich erhöht.
Unterschätzte Risiken im Alltag
Einige Alltagsgewohnheiten können das Herz zusätzlich belasten – auch wenn sie harmlos erscheinen. So warnt PD Dr. Lebherz: „Energy Drinks können Herzrhythmusstörungen hervorrufen – insbesondere in Kombination mit Alkohol oder Medikamenten.“ Auch Rauchen und Vaping erhöhen Blutdruck und Herzfrequenz und schädigen langfristig die Gefäße. Für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler gilt daher besonders: Ein herzgesunder Lebensstil ist entscheidend.
Sport: sinnvoll – aber nicht grenzenlos
Bewegung ist wichtig und meist ausdrücklich erwünscht. „Ausdauersport in niedriger bis moderater Intensität ist in vielen Fällen unbedenklich“, erklärt die Expertin. Allerdings gibt es Einschränkungen – je nach Herzfehler und persönlicher Situation:
- Bestimmte Herzfehler (z. B. Shuntvitium): kein Tauchen
- Einnahme von Blutverdünnern: kein Kontaktsport wie Rugby
- Aortenaneurysma (Erweiterung der Hauptschlagader): kein schweres Krafttraining
Entscheidend ist laut PD Dr. Lebherz die Abklärung: „Eine Beratung nach kardiologischen Untersuchungen ist im Vorfeld immer empfehlenswert.“
Dranbleiben – auch ohne Symptome
Wer sich gesund fühlt, denkt oft weniger an die eigene Herzgesundheit. PD Dr. Lebherz empfiehlt: „Routinen mit regelmäßiger Bewegung, gesunder Ernährung und ausreichend Erholung helfen, langfristig dranzubleiben.“ Ein unterstützendes Umfeld kann zusätzlich motivieren.
Darauf kommt es im Alltag an
Drei Dinge sind aus Sicht der Kardiologin besonders entscheidend:
- Regelmäßige kardiologische Untersuchungen wahrnehmen
- Das Leben aktiv gestalten – mit einem herzgesunden Lebensstil
- Sich mit Gleichgesinnten vernetzen
Fazit
Ein angeborener Herzfehler verschwindet nicht mit dem Erwachsenwerden. Wer sich gut fühlt, hat gute Voraussetzungen – sollte aber dennoch aufmerksam bleiben. Entscheidend sind konsequente Nachsorge, bewusste Alltagsentscheidungen und ein realistisches Verständnis der eigenen Erkrankung. Dazu gehört auch ein aktueller Impfschutz als wichtiger Bestandteil der Herzvorsorge.
Vereinbaren Sie regelmäßige Kontrollen bei einer EMAH-Spezialistin oder einem EMAH-Spezialisten – Ihre Herzgesundheit ist es wert.
FAQ – Häufige Fragen zu angeborenen Herzfehlern im Erwachsenenalter
Ja. Viele Komplikationen entwickeln sich schleichend und bleiben lange unbemerkt. Regelmäßige Kontrollen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.
In vielen Fällen ja – vor allem Ausdauersport in moderater Intensität ist oft möglich. Welche Sportarten geeignet sind, sollte ärztlich abgeklärt werden.
Infektionen wie Grippe oder Lungenentzündung können das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten. Ein guter Impfschutz senkt das Risiko für schwere Verläufe und Folgekomplikationen.
Die ESC sieht Impfungen als festen Bestandteil der Vorsorge – besonders bei Risikogruppen wie Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler. Empfohlen werden u. a. Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken, RSV und COVID-19.
Entzündungen im Mundraum können eine Endokarditis auslösen – eine schwere Herzkomplikation. Gute Mundhygiene ist daher ein wichtiger Schutzfaktor.