Zwischen Schutz und Gemeinschaft: Was der Name O-Mamori bedeutet
O-Mamori sind kleine Stoffbeutelchen aus japanischen Shinto-Tempeln, die für Schutz, Gesundheit und Zuversicht stehen. Sie begleiten Menschen als eine Art Talisman oft ein Leben lang – nicht laut, sondern ganz selbstverständlich. Immer da, ohne sich aufzudrängen. Unser O-Mamori symbolisiert genau diese Werte: Fürsorge, Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Genau dieser Gedanke prägt auch den O-Mamori Award, das Versprechen: Du gehst diesen Weg nicht allein. Er würdigt Initiativen, die Patient:innen sowie ihre Angehörigen begleiten, ihnen Orientierung geben und in belastenden Momenten Halt vermitteln.
Benoit Creveau, Geschäftsführer von Daiichi Sankyo Deutschland, beschrieb die Intention hinter dem Award: „Wir wollen Engagement sichtbar machen und Netzwerke stärken – Initiativen, die nicht nur die Patient:innen sehen, sondern auch deren Umfeld; die führen, die begleiten, die da sind, wenn es schwierig wird.“ Mit 55 eingereichten Projekten aus Deutschland und Österreich und einem Preisgeld von insgesamt 30.000 Euro hat der Award in seiner zweiten Ausgabe noch einmal deutlich an Strahlkraft gewonnen.
© Daiichi Sankyo
Alle Preisträger:innen der O Mamori Awards 2026 (v. l. n. r.): Thomas Dubiel („Krümel-Helden“), Carmen Bornmann ("Hilfe für krebskranke Mütter mit Baby oder Kleinkind"), Antonia Rogler ("Cuddling Creatures"), Sabine Rubai ("Auszeit vom Krebs"), Volker Scheid ("Defi-Telefon"), Michael Schäfer („Reha auf Ziel“) und Christina Eberl („Sonneninsel Seekirchen“)
Die Lücke zwischen Überleben und Weiterleben
Dr. med. Eike Langheim, Chefarzt des Rehazentrums Seehof in Teltow und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie die Schirmherrschaft für den O-Mamori Award übernommen hatte, gab dem Abend mit einleitenden Worten seinen inhaltlichen Rahmen. Dr. Langheim richtete den Blick auf eine Frage, die viele Patient:innen nach einer akuten Erkrankung begleitet:
„Das Überleben wurde gesichert. Natürlich fantastisch. Aber was ist eigentlich mit dem Weiterleben?“
Langheim beschrieb eine Medizin, die technisch und pharmakologisch so leistungsfähig ist wie nie zuvor, zeichnete aber zugleich ein ernüchterndes Bild: Das Vertrauen vieler Patient:innen in die Versorgung nehme ab. Nicht weil die Medizin schlechter geworden sei, sondern weil das, was nach der Behandlung kommt – die Begleitung, die Kontinuität, das Gefühl, nicht allein zu sein –, systemisch zu kurz greife.
Wie entscheidend genau diese Begleitung sein kann, brachte Jurymitglied Janine Lamboy aus eigener Erfahrung auf den Punkt: Die Dressurreiterin und Botschafterin der Kinderherzstiftung ist mit einem angeborenen Herzfehler aufgewachsen und wurde zweimal operiert. Sie beschrieb den Wert einer verlässlichen Anlaufstelle mit den Worten: „Diese Hand, die einfach da ist – zwischen dem Krankenhaus, zwischen den medizinischen Befunden und der Reha. Man muss ja nicht ständig geführt werden, aber zu wissen, dass man immer wieder irgendwo hin kann, dass auch die Psyche mitgetragen wird – das wird noch zu oft in der Medizin vergessen.“
Aus kardiologischer Perspektive ergänzte Jurymitglied Prof. Dr. Marc Horlitz, Kardiologe am Krankenhaus Porz am Rhein:
„Die Medizin muss medizinisch-menschlich werden. Das Entscheidende ist die Fähigkeit des Arztes bzw. der Ärztin, die Sprache der Patienten zu sprechen – dann entsteht Vertrauen.“
Kardiologie: Emotionale Nähe und praktische Fürsorge
Den ersten Preis in der Kategorie Herz-Kreislauf erhielt das Projekt Cuddling Creatures, das von der Cuddling Creatures UG gemeinsam mit der Stiftung kinderherzen München entwickelt wurde. Die besonderen Kuscheltiere sind mit einem abnehmbaren Duftschal und einer Soundbox ausgestattet. Dadurch können herzkranke Säuglinge auf der Kinderintensivstation den Geruch und die Stimme ihrer Eltern bei sich haben, auch wenn Mutter oder Vater die Station verlassen müssen. Wie schmerzhaft diese Trennung für Familien sein kann, schilderte Antonia Rogler, Intensivkinderkrankenschwester und Vertreterin der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren. Sie erinnerte sich an die Momente, aus denen die Idee entstand:
„Jedes Mal standen die Eltern abends am Bett ihres schwerherzkranken Kindes – und hatten größten Schmerz, nun die Intensivstation verlassen zu müssen. Diese Distanz schmerzt, sowohl das Kind als auch die Eltern.“
Gründerin Ana Arcila kennt diese Situation aus eigener Erfahrung, denn sie ist selbst Mutter einer herzkranken Tochter. Gemeinsam mit der Stiftung kinderherzen München arbeitet Cuddling Creatures nun daran, die Kuscheltiere in Kinderherzzentren in ganz Deutschland zu bringen.
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Preisträgerin Antonia Rogler (Cuddling Creatures)
Den zweiten Preis in der Kategorie Herz-Kreislauf gewann das Projekt Defi-Telefon des Vereins HERZ IN TAKT Defi-Liga e.V. Hinter dem Angebot stehen 35 ehrenamtliche Ansprechpartner:innen, viele von ihnen selbst betroffen. Sie begleiten Menschen mit implantiertem Defibrillator und ihre Angehörigen telefonisch, hören zu, beantworten Fragen und geben Orientierung in einer Lebenssituation, die oft von Unsicherheit geprägt ist.
Preisträger Volker Scheid erzählte an diesem Abend auch seine eigene Geschichte. Nach einem plötzlichen Herzstillstand wurde er wiederbelebt, später erhielt er die Diagnose einer dilatativen Kardiomyopathie. Irgendwann fiel ihm ein Flyer der Defi-Liga in die Hände. Rückblickend sagte er:
„Der Verein hat mir geholfen, über diese ganze Situation hinwegzukommen. Was ich den Leuten mitgeben möchte: Arrangiert euch damit und seht trotzdem die schönen Seiten. Der Defi ist eine Lebensversicherung – denn keine Versicherung würde dich mehr nehmen.“
In seiner Laudatio hatte Prof. Dr. Horlitz den plötzlichen Herztod als eine der großen ungelösten Herausforderungen der Kardiologie bezeichnet und Projekte wie das Defi-Telefon als das, was beginnt, wo die Akutmedizin endet.
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Preisträger Volker Scheid (Defi-Telefon)
Onkologie: Begleitung, die die ganze Familie trägt
Den ersten Preis in der Kategorie Onkologie erhielt das Projekt „Hilfe für krebskranke Mütter mit Baby oder Kleinkind“ der Organisation Pro-Mater-Sano e.V. aus Frankfurt. Der Verein ist bundesweit der einzige, der sich gezielt an krebskranke Schwangere sowie an Mütter mit Babys oder Kleinkindern richtet. Er bietet Beratung, schafft Verbindungen, unterstützt bei Behördenwegen und hilft, wenn die Belastung auch finanziell zu groß wird.
Prof. Dr. Sebastian Stintzing, Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie an der Berliner Charité, würdigte die Initiative als „einzigartige, zugängliche Anlaufstelle für Menschen, die in einer der verletzlichsten Situationen des Lebens oft allein gelassen werden.“ Auch das Publikum entschied sich für die Frankfurter Initiative. Damit war das Projekt der Organisation Pro-Mater-Sano das einzige des Abends, das gleich zweimal ausgezeichnet wurde.
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Preisträgerin Carmen Bornmann (Hilfe für krebskranke Mütter mit Baby oder Kleinkind)
Den zweiten Platz in der Onkologie belegte Auszeit vom Krebs der Saarländischen Krebsgesellschaft e.V., ein Projekt, das monatliche Ausflüge und gemeinsame Erlebnisse für Familien mit einem krebskranken Elternteil organisiert. Für einige Stunden rückt der schwere Alltag in den Hintergrund, während die Familien miteinander Zeit verbringen können. Damit richtet sich der Blick bewusst auf die Kinder, deren Sorgen im Schatten der Erkrankung oft übersehen werden. Projektleiterin Sabine Rubai erzählte vom ersten Ausflug auf einen Bauernhof und vom Moment, der alles verändert hat:
„Die Kinder haben zum ersten Mal wahrgenommen, dass es nicht nur ihnen alleine so geht. Das hat uns so bestärkt – das darf nicht einmalig sein.“
Seit 2019 findet die Auszeit vom Krebs jeden Monat statt, mit bis zu 80 Teilnehmenden pro Veranstaltung.
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Preisträgerin Sabine Rubai (Auszeit vom Krebs)
Drei Sonderpreise: Innovation, Aufklärung, Ganzheitlichkeit
Den Sonderpreis „Innovative und kreative Patientenunterstützung“ erhielt die Lern-App Krümel-Helden. Entwickelt wurde sie von Thomas Dubiel in Kooperation mit dem Bundesverband Williams-Beuren-Syndrom e.V. und Prof. Dr. Ingolf Prosetzky. Die App wurde primär für Menschen mit der seltenen Erkrankung Williams-Beuren-Syndrom entwickelt und soll sie dabei unterstützen, soziale Alltagssituationen zu üben und sicherer zu bewältigen. Entstanden ist sie aus der persönlichen Erfahrung eines Vaters, der nach einem Weg suchte, seinem Sohn mehr Orientierung und Selbstvertrauen im Alltag zu geben.
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Preisträger Thomas Dubiel (Krümel-Helden)
Der Sonderpreis „Exzellenz in Patientenaufklärung und Alltagssupport“ ging an Reha auf Ziel des Landesverbands Sachsen für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e.V.: ein App-gestütztes Schulungsprogramm für das Lipidmanagement von Herzinfarkt-Patient:innen während und nach der kardiologischen Rehabilitation. Wie groß der Bedarf ist, formulierte Jurymitglied Prof. Dr. Konstantin Krychtiuk, Kardiologe an der Uniklinik AKH Wien, in seiner Laudatio eindringlich:
„Mehr als 80 Prozent unserer Patienten nach einem Herzinfarkt erreichen ihre Zielwerte nicht – oft ist fehlende Aufklärung der Grund. Dieses Projekt hat als Ziel, dass Patienten wirklich verstehen: Was ist mein Risiko, was sind meine Zielwerte, und wie kann ich sie erreichen?“
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Preisträger: Michael Schäfer (Reha auf Ziel)
Den Sonderpreis „Ganzheitliche Unterstützung von Patient:innen und ihren Angehörigen“ erhielt das familienzentrierte Nachsorgeprojekt der Sonneninsel Seekirchen in Österreich. Das psychosoziale Nachsorgezentrum begleitet Familien mit krebskranken Kindern nach einer intensiven und oft erschöpfenden Zeit. Es verbindet multiprofessionelle Unterstützung, Naturerfahrung und Gemeinschaft, die Wirksamkeit des Angebots wird wissenschaftlich evaluiert. Jurymitglied Danijela Dohnal-Suvajac beschrieb es mit einem Bild: „Stellen Sie sich einen Ort vor, mitten in der Natur, wo Familien hinkommen können, die einfach nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll, wo auch Geschwisterkinder mitgenommen werden, die im Alltag so oft vergessen werden.“
Christina Eberl von der Sonneninsel nahm den Preis sichtlich bewegt entgegen: „Genau das ist unser Ziel – heute hier zu berühren.“
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Christina Eberl (Sonneninsel Seekirchen)
Der O-Mamori Award hat längst mehr als eine Preisverleihung hervorgebracht. Fast 30 Patientenorganisationen aus Kardiologie und Onkologie sind inzwischen Teil einer aktiven Community, die sich regelmäßig austauscht, Ideen teilt und voneinander lernt. Dr. Hilke Friccius und Dr. Ricarda Schwarze, die Patient Affairs Managerinnen bei Daiichi Sankyo, die den Award von Beginn an mitentwickelt haben, waren überwältigt:
„Wir hätten uns nie vorstellen können, dass daraus so etwas Großes wird – dass wir so viele Menschen zusammenführen konnten, die letztlich ein einziges Ziel haben: Patienten besser zu unterstützen.“
Auch Prof. Dr. Konstantin Krychtiuk nahm aus dem Abend konkrete Impulse mit. „Die Posterausstellung allein hat mir Ideen mitgegeben, die ich nach Wien mitnehmen kann. Es ist dieser intensive Austausch, der im Alltag so selten möglich ist – und der hier wirklich ein Nährboden ist.“
Elisabeth Keil, Managing Director von Daiichi Sankyo Austria, formulierte zum Abschluss eine Forderung, die über den Abend hinauswies: „Es braucht eine koordinierte Patientenstimme. Und daran muss nicht nur Daiichi Sankyo arbeiten, sondern die gesamte Industrie, gemeinsam mit allen Stakeholdern. Patients first. Quality always.“
Wie viel Wirkung die Projekte bereits während der Veranstaltung entfalteten, hatte auch Moderatorin Tanja Bülter in der Posterausstellung erlebt. „Alleine beim Durchgehen hatte ich so oft Gänsehaut und Tränen in den Augen. Ihr leistet alle wahnsinnig tolle Arbeit.“
Dr. Langheim hatte diesen Gedanken schon früh am Abend in Worte gefasst, lange bevor die Preise vergeben wurden. „Egal ob man hier gewinnt oder nicht – Sieger sind Sie eigentlich alle.“
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Jens Tuischer, Leiter des Bereichs Onkologie bei Daiichi Sankyo Deutschland, Elisabeth Keil, Geschäftsführerin Daiichi Sankyo Austria, und Benoit Creveau, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Kardiologie bei Daiichi Sankyo Deutschland