Präzise Bildgebung beginnt vor der Intervention
Bereits die präprozedurale Bildgebung bestimmt, wer für das Verfahren geeignet ist und welche Strategie gewählt werden sollte. Entsprechend widmet die Leitlinie dem Screening und der Prozedurplanung großen Raum.
Im Mittelpunkt steht dabei auch die systematische Analyse des Mechanismus der Mitralklappeninsuffizienz. Die Autoren empfehlen eine strukturierte Einordnung in primäre und sekundär-ventrikuläre, sowie sekundär-atriale Mitralinsuffizienz. Darüber hinaus sollten Lokalisation und Ausdehnung der Regurgitation, Morphologie und Beweglichkeit der Mitralsegel, Coaptationslänge und -tiefe, das Vorliegen von Prolaps- oder Flail-Segmenten, Annulusdimensionen sowie Verkalkungen des Klappenapparates standardisiert erfasst werden. Erst die Kombination dieser Informationen erlaubt eine realistische Einschätzung der technischen Machbarkeit und des zu erwartenden Interventionserfolgs. Bemerkenswert ist außerdem die detaillierte Beschreibung der anatomischen Voraussetzungen für die beiden derzeit verfügbaren M-TEER-Systeme. Die Leitlinie verdeutlicht, dass die Wahl des Devices zunehmend patientenspezifisch erfolgen sollte und von der zugrunde liegenden Anatomie abhängt.
Standardisierte Bildgebung während der gesamten Prozedur
Für den eigentlichen Eingriff definieren die Empfehlungen ebenfalls klare Standards. Die einzelnen Prozedurschritte werden systematisch beschrieben und den jeweils optimalen echokardiographischen Ansichten zugeordnet. Dazu gehören die präzise Lokalisation der transseptalen Punktion, die sichere Navigation des Systems im linken Vorhof, die exakte Ausrichtung über dem Zielsegment der Mitralklappe, die Beurteilung des Leaflet-Graspings sowie die unmittelbare Kontrolle des Interventionsergebnisses.
Besonders hervorzuheben ist die konsequente Integration der dreidimensionalen Echokardiographie. Während die zweidimensionale Bildgebung weiterhin die Grundlage zahlreicher Messungen bildet, ermöglicht die Echtzeit-3D-Darstellung eine räumliche Orientierung, die insbesondere für die Clip-Navigation und Positionierung unverzichtbar geworden ist. Die Leitlinie versteht beide Verfahren ausdrücklich als komplementäre Methoden, deren kontinuierliches Zusammenspiel den interventionellen Erfolg maßgeblich bestimmt.
Ebenso wichtig ist die standardisierte Kommunikation im Heart-Team. Einheitliche Terminologie, klar definierte Bildgebungsprotokolle und abgestimmte Arbeitsabläufe zwischen Echokardiographen, Interventionalisten und Anästhesieteam sollen die Effizienz komplexer Eingriffe verbessern und gleichzeitig die Patientensicherheit erhöhen.
Mehr als Restinsuffizienz: Standardisierte Erfolgskontrolle
Für einen sicheren und reibungslosen Ablauf sowie aussagekräftige Befunde sollte eine gründliche Vorbereitung erfolgen. Vor jeder Stress-Echokardiographie sollten eine aktuelle transthorakale Echokardiographie, ein aktuelles 12-Kanal-EKG sowie relevante Vorbefunde vorliegen und es sollte eine eindeutige Fragestellung formuliert werden.
Wenn Betablocker zur physikalischen Stress-Echokardiographie pausiert werden, sollte individuell eine Bedarfs- bzw. Ersatz-Medikation angesetzt werden. Vor geplanter Adenosin-Gabe sollte ein 24-stündiger Koffeinverzicht eingehalten werden. Insbesondere im Falle einer medikamentösen Belastung sollte eine schriftliche Aufklärung vorliegen. Bei einer rein physikalischen Belastung ist eine Nüchternheit nicht unbedingt erforderlich.
Untersuchungsablauf
Die Bewertung des Interventionserfolgs erfolgt nach einem strukturierten Schema und immer im Vergleich zum Ausgangsbefund. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Quantifizierung einer verbleibenden Mitralinsuffizienz nach M-TEER häufig anspruchsvoll ist und daher niemals auf einem einzelnen Parameter beruhen sollte. Stattdessen empfehlen sie eine multiparametrische Beurteilung unter Berücksichtigung transmitraler Druckgradienten, der resultierenden Mitralklappenöffnungsfläche, der Clip-Stabilität sowie weiterer qualitativer und quantitativer echokardiographischer Parameter (u.a. Farbdoppler, CW-Doppler, Pulmonalvenenfluss und PW-Doppler, sowie 3D Evaluation). Mit diesem standardisierten Vorgehen schafft die Leitlinie eine wichtige Grundlage für reproduzierbare Ergebnisse, eine vergleichbare Qualität zwischen verschiedenen Zentren und eine objektivere Bewertung neuer Interventionstechniken.
Fazit: Ein weiterer Meilenstein für die interventionelle Echokardiographie
Die neuen ASE-Empfehlungen sind weit mehr als ein technisches Nachschlagewerk. Sie spiegeln die zunehmende Professionalisierung der interventionellen Bildgebung wider und definieren erstmals einen strukturierten Qualitätsstandard für die M-TEER. Besonders hervorzuheben ist die klare Positionierung des interventionellen Bildgebers als gleichberechtigter Partner im Heart-Team. Seine Expertise beeinflusst die Patientenselektion, die Wahl des geeigneten Devices, die sichere Durchführung der Intervention und die abschließende Beurteilung des Ergebnisses gleichermaßen.
Mit der Standardisierung der Bildgebung schafft das Dokument damit eine wichtige Grundlage für eine qualitativ hochwertige und reproduzierbare Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Mitralklappeninsuffizienz. Gleichzeitig dürfte es dazu beitragen, Ausbildungskonzepte für interventionelle Echokardiographie weiter zu vereinheitlichen und die Zusammenarbeit im strukturellen Heartteam nachhaltig zu stärken.
Zur Person
PD Dr. Maria Isabel Körber
PD Dr. Maria Isabel Körber ist Oberärztin am Herzzentrum der Uniklinik Köln mit Schwerpunkt auf interventioneller Echokardiographie und struktureller Klappentherapie. Sie leitet den Bereich interventionelle Bildgebung und ist international in Forschung und Lehre aktiv. Ihre Expertise umfasst kathetergestützte Klappeninterventionen, insbesondere an Mitral- und Trikuspidalklappen.
Take-aways
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Die ASE-Guidelines stellen ein umfassendes Konsensusdokument dar, das den gesamten bildgebungsbasierten Ablauf einer M-TEER umfasst.
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Die präprozedurale Bildgebung bestimmt, wer für das Verfahren geeignet ist und welche Strategie gewählt werden sollte.
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Die Wahl des Devices erfolgt patientenspezifisch und hängt von der zugrunde liegenden Anatomie ab.
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Für den Eingriff definieren die Empfehlungen klare Standards mit Integration der dreidimensionale Echokardiographie.
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Die Kommunikation im Herzteam wird standardisiert durch einheitliche Terminologie und Protokolle.
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Die Bewertung des Interventionserfolgs erfolgt nach einem strukturierten Schema im Vergleich zum Ausgangsbefund.
- Der interventionelle Bildgeber wird als gleichberechtigter Partner im Heart-Team klar positioniert.
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Die ASE-Guidelines schaffen eine wichtige Grundlage für eine qualitativ hochwertige und reproduzierbare Versorgung von Personen mit Mitralklappeninsuffizienz.
Referenzen
- Little SH et al. Guidelines for the Intraprocedural Imaging for Mitral Valve Transcatheter Edge-to-Edge Repair (M-TEER): Recommendations from the American Society of Echocardiography. J Am Soc Echocardiogr. 2026 Jun;39(6):529-550. doi: 10.1016/j.echo.2026.03.003.
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