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Quick Dive: Kardiovaskuläre Komorbiditäten bei Rheuma

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von Publikationen medizinischer Fachgesellschaften prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in den:

S3-Leitlinie Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-rheumatischer Erkrankungen

12.03.2026 | Federführende Fachgesellschaft: Dt. Ges. für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh); weitere beteiligte AWMF-Fachgesellschaften: Dt. Ges. für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK), Dt. Ges. für Angiologie – Ges. für Gefäßmedizin (DGA), Dt. Ges. für Hypertonie und Prävention – Dt. Hochdruckliga (DHL), Dt. Diabetes Ges. (DDG)

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

29.07.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

5 Fragen an die Mitautoren

Prof. Jan Leipe, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein

PD Dr. Fabian Proft, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Prof. Martin Andrassy, RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal

Prof. Simon Greulich, Universitätsklinikum Tübingen

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

Anlass ist das deutlich erhöhte kardiovaskuläre Risiko vieler Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dieses betrifft nicht nur klassische Risikokonstellationen, sondern wird auch durch chronische Entzündung, krankheitsspezifische Manifestationen und teils durch Therapien beeinflusst. Ziel der S3-Leitlinie ist es, eine evidenz- und konsensbasierte Grundlage für die strukturierte Erfassung, Prävention und Behandlung kardiovaskulärer Komorbiditäten zu schaffen und die interdisziplinäre Versorgung zu stärken.

 

Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?

 

  • Kardiovaskuläre Prävention ist bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ein zentraler Bestandteil der Versorgung und sollte regelmäßig und strukturiert erfolgen.
  • Das kardiovaskuläre Gesamtrisiko sollte systematisch erfasst werden, einschließlich Blutdruck, Lipiden, Diabetesstatus, Rauchen, Gewicht/BMI, Anamnese und krankheitsspezifischer Risikokonstellationen.
  • Klassische Risikofaktoren sollten konsequent nach etablierten kardiovaskulären Empfehlungen behandelt werden; zugleich ist eine gute Kontrolle der entzündlich-rheumatischen Grunderkrankung wichtig.
  • Die Leitlinie richtet sich an alle beteiligten Disziplinen und soll die Zusammenarbeit zwischen Rheumatologie, Kardiologie, hausärztlicher Versorgung, Innerer Medizin und weiteren Fachgebieten erleichtern.

 

Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?

 

Eine zentrale Herausforderung besteht darin, dass das kardiovaskuläre Risikomanagement häufig an Schnittstellen mehrerer Versorgungsbereiche liegt. Zuständigkeiten sind im Alltag nicht immer eindeutig geregelt; hinzu kommen begrenzte Zeit, heterogene Krankheitsbilder und eine teils eingeschränkte Aussagekraft allgemeiner Risikorechner für einzelne entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Hilfreich sind daher standardisierte Checklisten, feste Kontrollintervalle, klare Hinweise im Arztbrief, lokale Behandlungspfade und eine frühzeitige Einbindung hausärztlicher sowie kardiovaskulär spezialisierter Disziplinen.

 

Welche Punkte sind offengeblieben?

 

Für mehrere seltenere Erkrankungen ist die Evidenz zu kardiovaskulären Endpunkten noch begrenzt. Offen bleiben unter anderem die optimale Frequenz einzelner Screeningmaßnahmen, die krankheitsspezifische Anpassung von Risikoscores, der Stellenwert von Bildgebung und Biomarkern in der Routine sowie der direkte Nutzen einzelner Präventionsstrategien in definierten Subgruppen. Die Leitlinie benennt diese Lücken und kann damit auch Forschungsfragen für künftige Studien schärfen.

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?

 

Der nächste Schritt ist die Implementierung der Empfehlungen in die Versorgung. Dazu gehören Fortbildungsformate, digitale Erinnerungs- und Dokumentationshilfen, Versorgungsforschung und Registerdaten. Relevant werden außerdem besser validierte Risikoprofile für einzelne entzündlich-rheumatische Erkrankungen sowie neue Daten zu kardiovaskulären Effekten antirheumatischer und kardiovaskulärer Therapien. Eine Patientenversion ist vorgesehen, um Betroffene stärker in Prävention und Risikomanagement einzubeziehen.

Weiter zur vorgestellten Publikation:

S3-Leitlinie: Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-rheumatischer Erkrankungen

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e. V. et al.: S3-Leitlinie: Management kardiovaskulärer Komorbiditäten entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Langfassung. Version 1.0 12.03.2026. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/060-010 

Zur Person

Prof. Jan Leipe

Prof. Jan Leipe ist leitender Rheumatologe am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, und koordinierte die S3-Leitlinie. (Bild: Leipe)

Prof. Jan Leipe

Zur Person

PD Dr. Fabian Proft

PD Dr. Fabian Proft ist Rheumatologe und Co-Koordinator der Leitlinie. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem auf entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und leitlinienbasierter Versorgung. (Bild: Charité – Universitätsmedizin Berlin)

PD Dr. Fabian Proft

Zur Person

Prof. Martin Andrassy

Prof. Martin Andrassy ist Kardiologe und brachte als von der DGK mandatierter Experte die kardiologische Perspektive in die Leitlinienarbeit ein. (Bild: RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal)

Prof. Martin Andrassy

Zur Person

Prof. Simon Greulich

Prof. Simon Greulich ist Kardiologe und wirkte ebenfalls als von der DGK mandatierter Experte an der Leitlinie mit. (Bild: Greulich)

Prof. Simon Greulich

Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

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