Obwohl Änderungen des Lebensstils und die Modifikation von Risikofaktoren als zentrale Bestandteile der Vorhofflimmern-Behandlung anerkannt sind, wird individualisiertes körperliches Training nach wie vor zu selten genutzt. Trotz der Empfehlungen in den ESC-Leitlinien besteht derzeit eine Umsetzungslücke. Laut einer Umfrage der European Heart Rhythm Association werde derzeit nur etwa jede 10. infrage kommende Person zur trainingsbasierten Rehabilitation überwiesen, so Dr. Bjarne Martens Nes. Zudem wies er auf eine Wissenslücke hin: Die wenigen veröffentlichten Studien zur Untersuchung körperlichen Trainings seien meist kurzfristige, klein angelegte Untersuchungen, bei denen die Vorhofflimmerlast nicht kontinuierlich überwacht wurde. Die NEXAF-Studie untersuchte die Auswirkungen einer 1-jährigen Trainingsintervention auf die Reduktion der gesamten Vorhofflimmerlast und die Verbesserung der Vorhofflimmern-spezifischen Lebensqualität (QoL) bei symptomatischen Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern (VHF).
Die Studie wurde an 3 Zentren in Norwegen durchgeführt und umfasste Patientinnen und Patienten mit nicht permanentem VHF und einem körperlichen Aktivitätsniveau unterhalb der allgemeinen Empfehlungen. Die Teilnehmenden wurden 1:1 randomisiert auf eine 1-jährige Trainingsintervention oder auf die Standardversorgung. Die Trainingsintervention bestand aus 8 überwachten intensiven Trainingseinheiten (inkl. Intervalltraining HIIT) in den ersten 4 Wochen, gefolgt von überwiegend Remote-Trainingsüberwachung und -anleitung mithilfe einer Smartwatch, einer App und einer webbasierten Plattform. Das Ziel war es, ein Aktivitätsniveau von ≥150 Minuten moderater oder ≥75 Minuten intensiver körperlicher Aktivität pro Woche zu erreichen und aufrechtzuerhalten. Die Standardversorgung umfasste keine strukturierten oder betreuten Trainingsprogramme. Allen Teilnehmenden wurde ein implantierbarer Herzmonitor (ICM) eingesetzt. Die coprimären Endpunkte waren die VHF-Last während des einjährigen Follow-ups sowie die Veränderung des AFEQT (Atrial Fibrillation Effect on Quality of Life)-Gesamtscores.
Die Studienpopulation umfasste 295 Patientinnen und Patienten mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren, von denen 30 % Frauen waren. Nach 1 Jahr war die VHF-Last in der Interventionsgruppe relativ um 45 % reduziert im Vergleich zur Standardversorgung (3,9 % vs. 7,1 %; 95%KI [0,6-6,2]; p=0,016). Trotz der Reduktion der VHF-Last gab es nach 1 Jahr keinen signifikanten Unterschied in der Lebensqualität zwischen den Gruppen (AFEQT-Score: +5,6 vs. +4,4; 95%KI [-1,8-4,2]; p=0,43).
Bei den sekundären Endpunkten stieg die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂peak) unter der Trainingsintervention gegenüber der Standardversorgung an (adjustierte Differenz 2,08 ml/kg/min; 95%KI [1,24–2,92]). Die Ruheherzfrequenz war unter der Trainingsintervention numerisch niedriger (adjustierte Differenz -3,17 Schläge/min; 95%KI [-5,31–1,04]). Zudem gab es 37 % weniger Hospitalisierungen insgesamt (IRR 0,63; 95%KI [0,42–0,93]) und 46 % weniger Vorhofflimmern-bedingte Hospitalisierungen (IRR 0,54; 95%KI [0,32–0,91]).
Die einjährige Trainingsintervention führte zu einer signifikanten Verringerung der gesamten VHF-Last, verbesserte die kardiorespiratorische Fitness und führte zu weniger VHF-bedingten Hospitalisierungen im Vergleich zur Standardversorgung. Die Lebensqualität blieb dagegen unverändert gegenüber der Kontrollgruppe.
NEXAF liefert wichtige randomisierte Evidenz dafür, dass strukturiertes körperliches Training bei Vorhofflimmern mehr ist als eine allgemeine Lebensstilempfehlung, nämlich unmittelbare Effekte auf die Vorhofflimmerlast zeigt. Die um 45 % geringere Vorhofflimmerlast über 12 Monate zeigt einen objektivierbaren antiarrhythmischen Effekt der Intervention.
Interessant ist allerdings die Diskrepanz zwischen klar reduzierter Vorhofflimmerlast und unveränderter Vorhofflimmer-spezifischer Lebensqualität. In anderen Studien zu Vorhofflimmern verbessert sich die Vorhofflimmer-assoziierte Lebensqualität bei Abnahme der Vorhofflimmerlast. Warum das in dieser Studie ausblieb, bleibt offen, könnte aber zum Beispiel damit zu tun haben, dass es sich bei dem Sport nicht unbedingt um freiwilligen und Hobbysport handelte.
Für die Praxis ist auch das Versorgungskonzept relevant. Nach einer kurzen intensiv betreuten Phase erfolgte das Training weitgehend zu Hause und wurde digital mittels Smartwatch und App begleitet. Damit adressiert NEXAF eine wesentliche Herausforderung der Risikofaktormodifikation bei Vorhofflimmern. Nicht die Frage, ob wir körperliche Aktivität empfehlen sollten, sondern wie wir sie langfristig und strukturiert in die Versorgung integrieren. Die Studie stärkt damit den Stellenwert von körperlicher Aktivität als eigenständigen Bestandteil eines umfassenden Vorhofflimmermanagements.
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