1.823 Patientinnen und Patienten mit STEMI und Mehrgefäßerkrankung wurden eingeschlossen und zunächst eine erfolgreiche PCI der Culprit-Läsion durchgeführt. Die Patientinnen und Patienten wurden entweder einer konventionell angiographisch oder einer funktionell geführten Komplettrevaskularisation zugeteilt. In der funktionellen Gruppe wurden die relevanten Nicht-Culprit-Läsionen mittels angiographisch abgeleiteter FFR beurteilt. Läsionen mit einer FFR >0,80 wurden nicht behandelt, während Läsionen mit einer FFR ≤0,80 mittels PCI behandelt wurden.
Unter funktioneller Führung wurden deutlich weniger Nicht-Culprit-Gefäße behandelt als unter angiographischer Führung (51,9 % vs. 94,9 %). Dies ging mit einer geringeren Anzahl behandelter Gefäße und kürzeren behandelten Segmenten sowie einem reduzierten Kontrastmittelverbrauch einher. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 17,9 Monaten war der primäre kombinierte Endpunkt aus Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder ischämiebedingter Revaskularisation in der funktionell geführten Gruppe signifikant seltener (8,9 % vs. 13,7 %; HR 0,62; 95%KI [0,47–0,83]; p<0,001). Auch Myokardinfarkte und Revaskularisationen waren reduziert. Der kombinierte Sicherheitsendpunkt aus kontrastmittelassoziierter akuter Nierenschädigung oder schwerer Blutung trat ebenfalls seltener auf (4,6 % vs. 7,1 %; HR 0,63; 95%KI [0,43–0,93]; p=0,02).
Die funktionelle Beurteilung von Nicht-Culprit-Läsionen ermöglicht eine selektivere Komplettrevaskularisation. Diese Ergebnisse sind sicherlich relevant, sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. In dieser Studie führte der Einsatz der angio-basierten FFR zu einer deutlichen Reduktion der PCI bei Non-Culprit-Läsionen. Allerdings wurden in der angio-basierten Gruppe 95 % der Läsionen behandelt – das ist ein extrem hoher Anteil. Hätte eine restriktivere angio-geführte Entscheidungsstrategie möglicherweise zu einem besseren Ergebnis geführt? Welche Software kann zur angiographisch abgeleiteten Physiologie verwendet werden? Nicht alle sind gleichwertig. Ist eine Analyse im klinischen Alltag unmittelbar durch den lokalen Untersucher immer zuverlässig? Die Integration des Systems in die bestehende Röntgenanlage ist zudem besonders wichtig: Wenn die Analyse nicht unmittelbar verfügbar ist und zusätzliche Arbeitsschritte oder externe Systeme erforderlich sind, wird eine drahtbasierte physiologische Messung schneller und pragmatischer sein.
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