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Optimale antithrombotische Therapie nach ACS

ESC Congress 2026 | AIR-STEMI: In der randomisierten Studie wurde die Überlegenheit der fraktionellen Flussreserve (FFR) gegenüber der konventionellen Angiografie untersucht, um zu entscheiden, welche Non-Culprit-Läsionen zu behandeln sind. Prof. Simone Biscaglia (Ferrara, Italien) stellte die Daten in der Session Hot Line 4 vor, die zeitgleich im NEJM publiziert wurden.1,2


Prof. Tommaso Gori (Universitätsmedizin Mainz) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tommaso Gori

Rubrikleiter Vaskuläre Herzerkrankungen

 

 

29.08.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Studiendesign und Methodik

1.823 Patientinnen und Patienten mit STEMI und Mehrgefäßerkrankung wurden eingeschlossen und zunächst eine erfolgreiche PCI der Culprit-Läsion durchgeführt. Die Patientinnen und Patienten wurden entweder einer konventionell angiographisch oder einer funktionell geführten Komplettrevaskularisation zugeteilt. In der funktionellen Gruppe wurden die relevanten Nicht-Culprit-Läsionen mittels angiographisch abgeleiteter FFR beurteilt. Läsionen mit einer FFR >0,80 wurden nicht behandelt, während Läsionen mit einer FFR ≤0,80 mittels PCI behandelt wurden.

Ergebnisse

Unter funktioneller Führung wurden deutlich weniger Nicht-Culprit-Gefäße behandelt als unter angiographischer Führung (51,9 % vs. 94,9 %). Dies ging mit einer geringeren Anzahl behandelter Gefäße und kürzeren behandelten Segmenten sowie einem reduzierten Kontrastmittelverbrauch einher. Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 17,9 Monaten war der primäre kombinierte Endpunkt aus Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall oder ischämiebedingter Revaskularisation in der funktionell geführten Gruppe signifikant seltener (8,9 % vs. 13,7 %; HR 0,62; 95%KI [0,47–0,83]; p<0,001). Auch Myokardinfarkte und Revaskularisationen waren reduziert. Der kombinierte Sicherheitsendpunkt aus kontrastmittelassoziierter akuter Nierenschädigung oder schwerer Blutung trat ebenfalls seltener auf (4,6 % vs. 7,1 %; HR 0,63; 95%KI [0,43–0,93]; p=0,02).

Fazit und Kommentar

Die funktionelle Beurteilung von Nicht-Culprit-Läsionen ermöglicht eine selektivere Komplettrevaskularisation. Diese Ergebnisse sind sicherlich relevant, sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. In dieser Studie führte der Einsatz der angio-basierten FFR zu einer deutlichen Reduktion der PCI bei Non-Culprit-Läsionen. Allerdings wurden in der angio-basierten Gruppe 95 % der Läsionen behandelt – das ist ein extrem hoher Anteil. Hätte eine restriktivere angio-geführte Entscheidungsstrategie möglicherweise zu einem besseren Ergebnis geführt? Welche Software kann zur angiographisch abgeleiteten Physiologie verwendet werden? Nicht alle sind gleichwertig. Ist eine Analyse im klinischen Alltag unmittelbar durch den lokalen Untersucher immer zuverlässig? Die Integration des Systems in die bestehende Röntgenanlage ist zudem besonders wichtig: Wenn die Analyse nicht unmittelbar verfügbar ist und zusätzliche Arbeitsschritte oder externe Systeme erforderlich sind, wird eine drahtbasierte physiologische Messung schneller und pragmatischer sein. 

Zur Person

Prof. Tommaso Gori

Prof. Tommaso Gori ist als DZHK-W3-Professor für vaskuläre und myokardiale Interaktionen tätig sowie als Leiter des Herzkatheterlabors in der Universitätsmedizin Mainz. Seine Forschungsgebiete umfassen die koronaren Herzerkrankungen, bildgebende Verfahren sowie die kardiovaskuläre Pharmakologie.
Prof. Tommaso Gori

Key Facts der Studie

Die randomisierte Studie untersuchte bei Personen mit Mehrgefäßerkrankungen die Überlegenheit der FFR vs. Angiografie für den primären Wirksamkeitsendpunkt (Mortalität, zerebrovaskuläre Ereignisse, Reinfarkte oder ischämiebedingte Revaskularisationen) und für den primären Sicherheitsendpunkt (kontrastmittelinduziertes akutes Nierenversagen sowie schwere Blutungen über 18 Monate).

Der primäre kombinierte Endpunkt sowie auch der Sicherheitsendpunkt traten in der funktionell geführten Gruppe signifikant seltener auf. 

Die funktionelle Koronarangiographie verbesserte die Outcomes bei STEMI mit Mehrgefäßerkrankung. Diese Ergebnisse  sind sicherlich relevant, sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Referenzen

  1. Biscaglia S. AIR-STEMI: Functional Coronary Angiography in STEMI. Hot Line 4, 29.08.2026, München, ESC 2026
  2. Fearon WF et al. Angiography-Derived Fractional Flow Reserve to Guide PCI. N Engl J Med. 2026 Jul 2;395(1):9-19. doi: 10.1056/NEJMoa2600949. Epub 2026 Mar 29. 

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