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Optimale antithrombotische Therapie nach ACS

ESC Congress 2026 | PREMIUM/SWITCH SWEDEHEART/A-CLOSE/EPIDAURUS: Gleich 4 Studien widmeten sich der antithrombotischen Therapie nach ACS: PREMIUM (Prasugrel vs. DAPT)1,2, SWITCH SWEDEHEART (Switch von Ticagrelor auf Prasugrel)3,4, A-CLOSE (Clopidogrel vs. DAPT über 24 Monate)5,6 und EPIDAURUS (Intensivierung der OAK bei VHF und ACS)7,8. Vorgestellt wurden die Daten von Prof. Gaku Nakazawa (Osaka, Japan), Prof. Elmir Omerovic (Göteborg, Schweden), Prof. Kim Byeong-Keuk (Seoul, Südkorea) und Prof. Konstantinos D. Rizas (LMU München) und zeitgleich publiziert.


Prof. Tommaso Gori (Universitätsmedizin Mainz) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tommaso Gori

Rubrikleiter Vaskuläre Herzerkrankungen

 

 

29.08.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Studiendesign und Methodik

Die Investigator-initiierte Studie PREMIUM aus Japan untersuchte, ob die Prasugrel-Monotherapie vs. DAPT (beide über 12 Monate) Vorteile bei 2.280 Personen mit STEMI bringt. 

 

Die große prospektive Studie SWITCH SWEDEHEART aus Schweden untersuchte, welche Effekte die sukzessive regionale Umstellung der teilnehmenden Zentren von Ticagrelor auf Prasugrel für die Sekundärprävention von Personen mit ACS hat. Insgesamt wurden über 17.000 Personen nach der PCI eingeschlossen, einschließlich Älteren und Patientinnen und Patienten mit vorhergehendem Schlaganfall.

 

A-CLOSE aus Süd-Korea prüfte die Nicht-Unterlegenheit der Clopidogrel-Monotherapie gegenüber der verlängerten DAPT über weitere 24 Monate bei 3.203 Personen, die 12 Monate zuvor ein DES (Drug-Eluting Stent) erhalten hatten und ein hohes Risiko für Ischämie oder Blutungen aufwiesen.

 

EPIDAURUS ging der Frage nach, ob Personen mit VHF und ACS von der Intensivierung der P2Y12-Hemmung mit Prasugrel oder Ticagrelor über 4 Wochen und anschließender Deeskalation auf Clopidogrel gegenüber der etablierten Therapie profitieren. Die Studie wurde vorzeitig abgebrochen aufgrund von Sicherheitsbedenken nachdem 1.474 Personen eingeschlossen waren.

Ergebnisse

In SWITCH SWEDEHEART war Prasugrel bei Patientinnen und Patienten mit ACS und PCI hinsichtlich Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall mit Ticagrelor gleichwertig, ging jedoch mit weniger schweren Blutungen einher. Diese Daten reproduzieren die Kenntnisse von ISAR-REACT 5.

 

Demgegenüber konnte PREMIUM bei Personen mit STEMI eine Prasugrel-Monotherapie bereits zum Zeitpunkt der Primär-PCI gegenüber einer DAPT nicht als nichtunterlegen bestätigen; zwar traten weniger schwere Blutungen auf, ischämische Ereignisse waren jedoch häufiger.

 

Bei Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern und ACS zeigte EPIDAURUS, dass die Kombination eines DOAK mit einem potenten P2Y12-Hemmer gegenüber Clopidogrel zu mehr Blutungen führte, ohne einen erkennbaren zusätzlichen Schutz vor ischämischen Ereignissen.

 

Schließlich zeigte A-CLOSE bei Patientinnen und Patienten mit hohem ischämischem Risiko ein Jahr nach Stentimplantation, dass eine Clopidogrel-Monotherapie hinsichtlich des kombinierten Nettoendpunkts einer verlängerten DAPT nicht unterlegen war und deutlich weniger Blutungen verursachte. Allerdings waren ischämische Ereignisse unter der verlängerten DAPT seltener.

Fazit und Kommentar

Insgesamt unterstreichen diese Studien und die aktuelle Literatur folgendes: ASS kann insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit ACS nicht innerhalb der ersten 30 Tage nach PCI abgesetzt werden. Eine Monotherapie mit Clopidogrel ist einer langfristigen Monotherapie mit Aspirin überlegen. Personen unter oraler Antikoagulation weisen ein besonders hohes Blutungsrisiko auf, sodass auf eine zusätzliche Intensivierung der antithrombotischen Therapie möglichst verzichtet werden sollte. Insgesamt kann weder eine Intensivierung noch eine Verkürzung der antithrombotischen Therapie pauschal empfohlen werden; vielmehr sollte die Therapiedauer und -intensität individuell anhand der Balance zwischen Blutungs- und Ischämierisiko festgelegt werden.

Zur Person

Prof. Tommaso Gori

Prof. Tommaso Gori ist als DZHK-W3-Professor für vaskuläre und myokardiale Interaktionen tätig sowie als Leiter des Herzkatheterlabors in der Universitätsmedizin Mainz. Seine Forschungsgebiete umfassen die koronaren Herzerkrankungen, bildgebende Verfahren sowie die kardiovaskuläre Pharmakologie.
Prof. Tommaso Gori

Key Facts der Studie

PREMIUM untersuchte die Effekte der Prasugrel-Monotherapie vs. DAPT auf MACE-Ereignisse (Komposit aus Gesamtmortalität, Myokardinfarkt und Schlaganfall) über 12 Monate bei Personen mit STEMI.


In SWITCH SWEDEHEART wechselten die Zentren einer Region aus Schweden die Behandlung von Ticagrelor auf Prasugrel alle 9 Monate bis schließlich alle Personen mit akutem Myokardinfarkt umgestellt waren. Primärer Endpunkt war das kumulative Risiko für Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall über ein Jahr.


A-CLOSE untersuchte die Nicht-Unterlegenheit der Clopidogrel-Monotherapie gegenüber der verlängerten DAPT (ASS + Clopidogrel) über 24 Monate bei Personen mit DES (12 Monate zuvor) und hohem Risiko für Ischämie oder Blutungen. 


EPIDAURUS verglich die Outcomes der Intensivierung der P2Y12-Hemmung mit Prasugrel oder Ticagrelor über 4 Wochen und anschließender Deeskalation auf Clopidogrel gegenüber der etablierten Therapie über 6 Wochen. 

PREMIUM: Die Prasugrel-Monotherapie bereits zum Zeitpunkt der Primär-PCI war gegenüber einer DAPT nicht nichtunterlegen.

 

SWITCH SWEDEHEART: Prasugrel war mit Ticagrelor gleichwertig, ging jedoch mit weniger schweren Blutungen einher. 

 

A-CLOSE: Ein Jahr nach Stentimplantation war die Clopidogrel-Monotherapie verlängerten DAPT nicht unterlegen war und verursachte deutlich weniger Blutungen. 

 

EPIDAURUS: Die Kombination von DOAK mit Clopidogrel führte gegenüber der Clopidogrel-Monotherapie zu mehr Blutungen, ohne einen erkennbaren zusätzlichen Schutz vor ischämischen Ereignissen. 

Insgesamt kann weder eine Intensivierung noch eine Verkürzung der antithrombotischen Therapie pauschal empfohlen werden; vielmehr sollte die Therapiedauer und -intensität individuell anhand der Balance zwischen Blutungs- und Ischämierisiko festgelegt werden.

Referenzen

  1. Nakazawa G. PREMIUM: Aspirin Omission at the Time of Primary PCI in STEMI. Hot Line 3, 29.08.2026, München, ESC 2026
  2. Takahashi K et al. Aspirin Omission at the Time of Primary Percutaneous Coronary Intervention in STEMI. NEJM 2026
  3. Omerovic E. SWITCH SWEDEHEART - Switching from ticagrelor to prasugrel in patients with ACS. Hot Line 3, 29.08.2026, München, ESC 2026
  4. Omerovic E et al. Prasugrel versus Ticagrelor in Acute Coronary Syndromes. NEJM 2026
  5. Byeong-Keuk K. A-CLOSE: Clopidogrel vs Extended DAPT after High-Risk PCI. Hot Line 3, 29.08.2026, München, ESC 2026
  6. Lee S-J. Clopidogrel or Dual Antiplatelet Therapy in High-Ischemic-Risk Patients. NEJM 2026
  7. Rizas KD. EPIDAURUS: Escalated Single Platelet Inhibition for One Month Plus NOAC in Patients With Atrial Fibrillation and ACS Undergoing PCI. Hot Line 3, 29.08.2026, München, ESC 2026
  8. Rizas KD et al. Dual antithrombotic therapy using potent antiplatelet inhibitors in atrial fibrillation and acute coronary syndrome: a randomized controlled trial. Nat Med. 2026

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