Vorgestellt von:
Prof. Maria Grandoch, Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD)
Prof. Robert Wagner, Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD)
Was sind der Hintergrund und die zentrale Fragestellung des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB)?
Typ-2-Diabetes betrifft etwa 10 % der Bevölkerung in Deutschland und erhöht trotz moderner Therapien das Risiko für Herzinfarkt und Herzinsuffizienz deutlich. Dieses Risiko lässt sich nicht allein durch erhöhte Blutzuckerwerte erklären. Der SFB 1774 untersucht, wie Leber, Fettgewebe, Knochenmark und Darm als frühe „Promotororgane“ metabolische und entzündliche Signale aussenden, die Herz und Gefäße schädigen. Der innovative Kern ist die systematische Analyse dieses Cardio-Diabetes-Crosstalks entlang des gesamten Kontinuums von Gesundheit über Prädiabetes bis zu manifestem Diabetes und kardiovaskulären Komplikationen – vom Gesamtorganismus bis zur Organelle.
Was sind die wichtigsten Ziele?
- Die Wechselwirkungen der Promotororgane mit Herz, Gefäßen und der systemischen Blutzuckerregulation mechanistisch entschlüsseln.
- Klären, wie Leber, Fettgewebe, Knochenmark und Darm die Entstehung und Progression kardiovaskulärer Erkrankungen von Gesundheit bis Typ-2-Diabetes beeinflussen.
- Prädiabetes- und Diabetes-Subtypen mit organspezifischen Pathologien und besonders hohem kardiovaskulärem Risiko identifizieren und verfeinern.
- Präzisionsmedizin ermöglichen: durch tief phänotypisierte Kohorten, Multi-Omics, neuartige Bildgebung und dynamische Fluxomics zielgerichtete Prävention, Diagnostik und Therapie vorbereiten.
Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?
Eine zentrale Herausforderung ist die große biologische Heterogenität: Krankheitsstadien und Diabetes-Subtypen müssen in Zell- und Tiermodellen, tief phänotypisierten Kohorten und klinischen Situationen vergleichbar abgebildet werden. S01 harmonisiert Modelle und SOPs, S02 Bildgebung und Fluxomics; das INF-Projekt bündelt Forschungsdaten, Bioinformatik und maschinelles Lernen nach FAIR-Prinzipien. Die Abstimmung zwischen Grundlagenforschung, Klinik, Diabetologie, Kardiologie und Datenwissenschaft wird durch eine gemeinsame Leitung, ein interdisziplinäres Executive Board, regelmäßige Retreats und zentrale Serviceprojekte gesichert. So sollen reproduzierbare Ergebnisse, gemeinsame Auswertungen und eine belastbare Translation gewährleistet werden.
Wie wurde das Forscherteam ausgewählt?
Das Team entstand aus den langjährigen Kooperationen zwischen Diabetologie und Kardiologie in Düsseldorf. Bei einem ersten CARDDIAB-Retreat reichten 64 Forschende 36 Projektskizzen ein. Ausgewählt wurden Vorhaben mit hoher wissenschaftlicher Qualität und enger thematischer Passung; in einem zweiten Retreat wurde das Gesamtprogramm gemeinsam geschärft. Der Verbund verbindet ausgewiesene Forschende und Early-Career-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus präklinischer, translationaler und klinischer Forschung, Stoffwechselmedizin, Kardiologie, Bildgebung und Bioinformatik. Seine besondere Stärke ist die enge Kopplung von HHU/UKD, Deutschem Diabetes-Zentrum (DDZ) und externen Partnern mit vorhandenen Kohorten und Technologieplattformen.
Ausblick: Welche langfristigen Ergebnisse werden erwartet?
Langfristig soll eine Präzisionsmedizin an der Schnittstelle von Diabetologie und Kardiologie entstehen: Risikopersonen sollen früher und organ- bzw. subtypspezifisch erkannt, kardiovaskuläre Komplikationen gezielter verhindert und neue Therapieansätze biologisch begründet werden. Dauerhaft nutzbar bleiben ein Cardio-Diabetes-Hub mit standardisierten Modellen, Bildgebungs- und Fluxomics-Pipelines sowie ein FAIR-Datenraum. Ein integriertes Graduiertenkolleg (iRTG), Clinician-Scientist-Strukturen, Summer Schools und Fellowships bilden Nachwuchs für dieses interdisziplinäre Feld aus. Internationale Kooperationen, gemeinsame SOPs und offene Datenstrukturen erhöhen Sichtbarkeit und Transfer; für die Versorgung werden präzisere Diagnostik, Prävention und Therapie von Menschen mit Prädiabetes, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwartet.