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Blickpunkt SFB: Herz-Diabetes-Crosstalk

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert mit der Einrichtung von Sonderforschungsbereichen (SFB) die universitäre Spitzenforschung. In unserer neuen „Blickpunkt“-Reihe stellen die Sprecherinnen und Sprecher prägnant die wichtigsten Ziele und Inhalte der Forschungsverbünde vor. Zum Auftakt geht es um die Wechselwirkungen zwischen Herz und Diabetes.

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

05.08.2026

Bildquelle (Bild oben): isak55 / Shutterstock.com

CARDDIAB – Herz-Diabetes-Crosstalk (SFB 1774)

Vorgestellt von:

Prof. Maria Grandoch, Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD)

Prof. Robert Wagner, Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD)

 

Was sind der Hintergrund und die zentrale Fragestellung des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB)?

 

Typ-2-Diabetes betrifft etwa 10 % der Bevölkerung in Deutschland und erhöht trotz moderner Therapien das Risiko für Herzinfarkt und Herzinsuffizienz deutlich. Dieses Risiko lässt sich nicht allein durch erhöhte Blutzuckerwerte erklären. Der SFB 1774 untersucht, wie Leber, Fettgewebe, Knochenmark und Darm als frühe „Promotororgane“ metabolische und entzündliche Signale aussenden, die Herz und Gefäße schädigen. Der innovative Kern ist die systematische Analyse dieses Cardio-Diabetes-Crosstalks entlang des gesamten Kontinuums von Gesundheit über Prädiabetes bis zu manifestem Diabetes und kardiovaskulären Komplikationen – vom Gesamtorganismus bis zur Organelle.

 

Was sind die wichtigsten Ziele?

 

  1. Die Wechselwirkungen der Promotororgane mit Herz, Gefäßen und der systemischen Blutzuckerregulation mechanistisch entschlüsseln.
  2. Klären, wie Leber, Fettgewebe, Knochenmark und Darm die Entstehung und Progression kardiovaskulärer Erkrankungen von Gesundheit bis Typ-2-Diabetes beeinflussen.
  3. Prädiabetes- und Diabetes-Subtypen mit organspezifischen Pathologien und besonders hohem kardiovaskulärem Risiko identifizieren und verfeinern.
  4. Präzisionsmedizin ermöglichen: durch tief phänotypisierte Kohorten, Multi-Omics, neuartige Bildgebung und dynamische Fluxomics zielgerichtete Prävention, Diagnostik und Therapie vorbereiten.

 

Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?

 

Eine zentrale Herausforderung ist die große biologische Heterogenität: Krankheitsstadien und Diabetes-Subtypen müssen in Zell- und Tiermodellen, tief phänotypisierten Kohorten und klinischen Situationen vergleichbar abgebildet werden. S01 harmonisiert Modelle und SOPs, S02 Bildgebung und Fluxomics; das INF-Projekt bündelt Forschungsdaten, Bioinformatik und maschinelles Lernen nach FAIR-Prinzipien. Die Abstimmung zwischen Grundlagenforschung, Klinik, Diabetologie, Kardiologie und Datenwissenschaft wird durch eine gemeinsame Leitung, ein interdisziplinäres Executive Board, regelmäßige Retreats und zentrale Serviceprojekte gesichert. So sollen reproduzierbare Ergebnisse, gemeinsame Auswertungen und eine belastbare Translation gewährleistet werden.

 

Wie wurde das Forscherteam ausgewählt?

 

Das Team entstand aus den langjährigen Kooperationen zwischen Diabetologie und Kardiologie in Düsseldorf. Bei einem ersten CARDDIAB-Retreat reichten 64 Forschende 36 Projektskizzen ein. Ausgewählt wurden Vorhaben mit hoher wissenschaftlicher Qualität und enger thematischer Passung; in einem zweiten Retreat wurde das Gesamtprogramm gemeinsam geschärft. Der Verbund verbindet ausgewiesene Forschende und Early-Career-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler aus präklinischer, translationaler und klinischer Forschung, Stoffwechselmedizin, Kardiologie, Bildgebung und Bioinformatik. Seine besondere Stärke ist die enge Kopplung von HHU/UKD, Deutschem Diabetes-Zentrum (DDZ) und externen Partnern mit vorhandenen Kohorten und Technologieplattformen.

 

Ausblick: Welche langfristigen Ergebnisse werden erwartet?

 

Langfristig soll eine Präzisionsmedizin an der Schnittstelle von Diabetologie und Kardiologie entstehen: Risikopersonen sollen früher und organ- bzw. subtypspezifisch erkannt, kardiovaskuläre Komplikationen gezielter verhindert und neue Therapieansätze biologisch begründet werden. Dauerhaft nutzbar bleiben ein Cardio-Diabetes-Hub mit standardisierten Modellen, Bildgebungs- und Fluxomics-Pipelines sowie ein FAIR-Datenraum. Ein integriertes Graduiertenkolleg (iRTG), Clinician-Scientist-Strukturen, Summer Schools und Fellowships bilden Nachwuchs für dieses interdisziplinäre Feld aus. Internationale Kooperationen, gemeinsame SOPs und offene Datenstrukturen erhöhen Sichtbarkeit und Transfer; für die Versorgung werden präzisere Diagnostik, Prävention und Therapie von Menschen mit Prädiabetes, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwartet.

Weitere Informationen zum Verbund

CARDDIAB – Herz-Diabetes-Crosstalk (SFB 1774 )

 

Förderzeitraum

Seit 2026
(max. 3 Förderperioden à 4 Jahre mit jeweiliger Zwischenbegutachtung)

 

Sprecherin

Prof. Maria Grandoch, Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) 

 

Antragstellende Einrichtung
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

Projektbeteiligte Einrichtungen

  • Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ) Institut für Klinische Diabetologie
  • Eberhard Karls Universität Tübingen
  • Helmholtz Zentrum München (HMGU) Institut für Diabetesforschung (IDF)
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Universität Münster

Zur Person

Prof. Maria Grandoch

Prof. Maria Grandoch ist Direktorin des Instituts für Translationale Pharmakologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und Sprecherin des SFB 1774. Ihre Forschung untersucht, wie Stoffwechselstörungen und chronische Entzündungen Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen – mit besonderem Fokus auf Immunzellen und der Kommunikation zwischen Organen.

Prof. Maria Grandoch

Zur Person

Prof. Robert Wagner

Prof. Robert Wagner ist Professor für klinisch-diabetologische Stoffwechselforschung an der Heinrich-Heine-Universität, stellv. Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf sowie Leiter des Klinischen Studienzentrums am DDZ. Als Co-Sprecher des SFB 1774 erforscht er die Entstehung und Heterogenität des Diabetes sowie individuelle Folgerisiken.

Prof. Robert Wagner

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