Faktor XIa-Inhibitoren werden seit einiger Zeit für unterschiedliche kardiovaskuläre Erkrankungen (Prävention des Schlaganfalles bei Vorhofflimmern, zusätzliche Gabe nach Myokardinfarkt oder Schlaganfall) untersucht. Die bisherigen Daten zeigen, dass die Faktor XIa-Inhibitoren sehr sicher (keine vermehrten Blutungen im Vergleich zu Placebo), mitunter aber nicht ausreichend effektiv sind. Die LIBREXIA-ACS-Studie war jetzt die erste Phase III-Endpunktstudie eines Faktor XIa-Inhibitors bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom.
Zu untersuchen, ob bei Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom durch die zusätzliche Gabe von Milvexian kardiovaskuläre Ereignisse verhindert werden können.
Es handelte sich um eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie bei Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die entweder Milvexian in einer Dosis von 25 mg 2 x täglich oder Placebo erhielten. 893 Studienzentren in 44 Ländern nahmen daran teil. Im Rahmen einer geplanten Zwischenanalyse nach 556 primären Endpunkten zeigte sich, dass Milvexian den primären Endpunkt nicht wird senken können, so dass die Studie wegen fehlender Erfolgsaussicht (futility) vorzeitig abgebrochen wurde.
14.194 Patientinnen und Patienten (mittleres Alter 63 Jahre, 78 % Männer) wurden eingeschlossen. 57 % der Personen hatten einen STEMI, 37 % einen NSTEMI, die restlichen Patientinnen und Patienten eine instabile Angina pectoris. Der primäre Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, ischämischer Schlaganfall) trat unter Milvexian numerisch etwas häufiger auf als unter Placebo (5,4 zu 5,1 %, hazard ratio, 1.05; 95% Konfidenzintervall 0.91 bis 1.21; P = 0.50). Blutungen der BARC Typen 3c oder 5 traten bei 0,3 % der Personen in beiden Gruppen auf (p=0.88).
Warum Milvexian keinen Einfluss auf den primären Endpunkt hatte, ist nicht genau geklärt. Die Dosis könnte zu niedrig gewesen sein, allerdings wurde die PTT um 59 % verlängert, was für eine gewisse Wirksamkeit spricht. Naheliegender ist daher zu vermuten, dass die Faktor XIa-Hemmungen generell nicht in der Lage ist, Myokardinfarkte zu verhindern.
Milvexian in einer Dosis von 2 x 25 mg senkte den primären Endpunkt kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und ischämischer Schlaganfall nicht, führte aber auch nicht zu mehr Blutungen.
Nach diesen Daten wird Milvexian keine Rolle für die Behandlung der Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom spielen. Gespannt sind wir Kardiologen jetzt vor allem auf die Ergebnisse von LIBREXIA-AF: Milvexian in höherer Dosis (2 x 100 mg) versus Apixaban 2 x 5mg bei Vorhofflimmern zur Prävention ischämischer Schlaganfälle. Diese Studie hat die Rekrutierung von 20.284 Patientinnen und Patienten abgeschlossen und wird vermutlich in der ersten Jahreshälfte 2027 Ergebnisse berichten.
Zur Übersichtsseite ESC Congress 2026