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Faktor XIa-Inhibitor Milvexian ohne Nutzen bei akutem Koronarsyndrom

ESC Congress 2026 | LIBREXIA ACS: Die Phase-3-Studie zum Nutzen des Faktor-XIa-Hemmers Milvexian als Add-On zur DAPT-Standardtherapie nach der PCI wurde vorzeitig abgebrochen, da der primäre Endpunkt nicht erreichbar war. Prof. Philippe-Gabriel Steg (Paris) stellte die vollständigen Daten in der Session Hot Line 3 vor.1


Prof. Rolf Wachter (Universitätsklinikum Leipzig) fasst die Studie zusammen und kommentiert.

Von:

Prof. Rolf Wachter

Rubrikleiter Herz & Hirn

 

 

04.09.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Hintergrund

Faktor XIa-Inhibitoren werden seit einiger Zeit für unterschiedliche kardiovaskuläre Erkrankungen (Prävention des Schlaganfalles bei Vorhofflimmern, zusätzliche Gabe nach Myokardinfarkt oder Schlaganfall) untersucht. Die bisherigen Daten zeigen, dass die Faktor XIa-Inhibitoren sehr sicher (keine vermehrten Blutungen im Vergleich zu Placebo), mitunter aber nicht ausreichend effektiv sind. Die LIBREXIA-ACS-Studie war jetzt die erste Phase III-Endpunktstudie eines Faktor XIa-Inhibitors bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom. 

Studienziel

Zu untersuchen, ob bei Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom durch die zusätzliche Gabe von Milvexian kardiovaskuläre Ereignisse verhindert werden können.

Methodik

Es handelte sich um eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie bei Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom, die entweder Milvexian in einer Dosis von 25 mg 2 x täglich oder Placebo erhielten. 893 Studienzentren in 44 Ländern nahmen daran teil. Im Rahmen einer geplanten Zwischenanalyse nach 556 primären Endpunkten zeigte sich, dass Milvexian den primären Endpunkt nicht wird senken können, so dass die Studie wegen fehlender Erfolgsaussicht (futility) vorzeitig abgebrochen wurde.

Ergebnisse

14.194 Patientinnen und Patienten (mittleres Alter 63 Jahre, 78 % Männer) wurden eingeschlossen. 57 % der Personen hatten einen STEMI, 37 % einen NSTEMI, die restlichen Patientinnen und Patienten eine instabile Angina pectoris. Der primäre Endpunkt (kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt, ischämischer Schlaganfall) trat unter Milvexian numerisch etwas häufiger auf als unter Placebo (5,4 zu 5,1 %, hazard ratio, 1.05; 95% Konfidenzintervall 0.91 bis 1.21; P = 0.50). Blutungen der BARC Typen 3c oder 5 traten bei 0,3 % der Personen in beiden Gruppen auf (p=0.88).

Limitationen

Warum Milvexian keinen Einfluss auf den primären Endpunkt hatte, ist nicht genau geklärt. Die Dosis könnte zu niedrig gewesen sein, allerdings wurde die PTT um 59 % verlängert, was für eine gewisse Wirksamkeit spricht. Naheliegender ist daher zu vermuten, dass die Faktor XIa-Hemmungen generell nicht in der Lage ist, Myokardinfarkte zu verhindern.

Fazit und Kommentar

Milvexian in einer Dosis von 2 x 25 mg senkte den primären Endpunkt kardiovaskulärer Tod, Myokardinfarkt und ischämischer Schlaganfall nicht, führte aber auch nicht zu mehr Blutungen.

 

Nach diesen Daten wird Milvexian keine Rolle für die Behandlung der Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom spielen. Gespannt sind wir Kardiologen jetzt vor allem auf die Ergebnisse von LIBREXIA-AF: Milvexian in höherer Dosis (2 x 100 mg) versus Apixaban 2 x 5mg bei Vorhofflimmern zur Prävention ischämischer Schlaganfälle. Diese Studie hat die Rekrutierung von 20.284 Patientinnen und Patienten abgeschlossen und wird vermutlich in der ersten Jahreshälfte 2027 Ergebnisse berichten.

Zur Person

Prof. Rolf Wachter

Prof. Rolf Wachter ist stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Seine klinische Tätigkeit umfasst die gesamte Kardiologie mit Schwerpunkten in der interventionellen Kardiologie und der Herzinsuffizienz. Zusätzlich nimmt er diverse Funktionen in wissenschaftlichen Fachgesellschaften wahr.
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Key Facts der Studie

Die große Phase-3-Studie untersuchte den Nutzen von Milvexian (25 mg, 2 x tgl.) als Add-On zur DAPT-Standardtherapie bei rund 14.000 Personen nach akutem Herzinfarkt.

Der primäre Endpunkt (Komposit aus kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall) wurde nicht erreicht.

Nach diesen Daten wird Milvexian keine Rolle für die Behandlung der Patientinnen und Patienten mit akutem Koronarsyndrom spielen. Mit Spannung erwartet werden nun die Ergbnisse von LIBREXIA-AF: Milvexian in höherer Dosis (2x100 mg) versus Apixaban 2x5mg bei Vorhofflimmern zur Prävention ischämischer Schlaganfälle. 

Referenzen

  1. Steg P-G. LIBREXIA ACS: Milvexian after recent ACS. Hot Line 3, 29.08.2026, München, ESC 2026
  2. Gibson CM et al. Milvexian with Antiplatelet Therapy after Acute Coronary Syndrome Event. N Engl J Med 2026;DOI: 10.1056/NEJMoa2608717

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