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Antikoagulation bei VHF und mittlerem Schlaganfallrisiko?

ESC Congress 2026 | SINGLE-AF: In der Investigator-initiierten Studie aus Südkorea wurde der Nutzen der oralen Antikoagulation mit DOAK bei Personen mit Vorhofflimmern (VHF) und mittlerem Schlaganfallrisiko untersucht. Prof. Boyoung Joung (Seoul, Südkorea) stellte die Studiendaten in der Session Hot Line 1 vor, die zeitgleich im NEJM publiziert wurden.1


Prof. Rolf Wachter (Universitätsklinikum Leipzig) fasst die Studie zusammen und kommentiert.

Von:

Prof. Rolf Wachter

Rubrikleiter Herz & Hirn

 

 

29.08.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Studiendesign und Methodik

Für Personen mit VHF und einem mittleren Risko (CHADS-VASC-Score von 1 für Männer und CHADS-VACS-Score 2 für Frauen) gab es bisher keine Daten, ob eine Antikoagulation ischämische Schlaganfälle verhindern kann. Bei diesen Personen müssen der potentielle Nutzen und die Risiken der Antikoagulation besonders sorgfältig abgewogen werden.

 

Die SINGLE-AF-Studie untersuchte, ob eine Antikoagulation mit einem zugelassenen direkten oralen Antikoagulans (DOAK) gegenüber keiner Antikoagulation überlegen ist in Bezug auf den primären Endpunkt (zusammengesetzt aus Schlaganfall, systemische Embolie, schwere Blutung und kardiovaskulärer Tod nach 2 Jahren).

Ergebnisse

1.803 Patientinnen und Patienten wurden 1:1 randomisiert auf Antikoagulation versus keine Antikoagulation. Die Patientinnen und Patienten waren im Mittel 60 Jahre alt, 24 % waren Frauen und 72 % hatten paroxysmales VHF. Der primäre Endpunkt war im Antikoagulationsarm signifikant seltener als im Arm ohne Antikoagulation (0,5 %; 4 Ereignisse) zu 1,5 %; 13 Ereignisse, p=0,03). Der Unterschied zeigte sich vor allem bei der Anzahl der ischämischen Schlaganfälle (ein Ereignis im Antikoagulationsarm, 10 Ereignisse im Arm ohne Antikoagulation). Schwere Blutungen traten selten auf (3 Ereignisse im Antikoagulationsarm, 4 Ereignisse im Arm ohne Antikoagulation).


Die Daten zeigten, dass Patienten mit CHADS-VA-Score von 1 von einer Antikoagulation profitieren können, allerdings ist fraglich, ob diese Daten aus Südkorea auf Europa übertragbar sind. Das Schlaganfallrisiko bei VHF ist in Ostasien deutlich höher als in Europa und die Belastung durch Komorbiditäten anders. Außerdem erhielten im Arm ohne Antikoagulation ein Drittel der Personen Plättchenhemmer, obwohl diese nur bei 10% indiziert waren. Dies könnte zu unnötigen zusätzlichen Blutungen im Arm ohne Antikoagulation geführt haben.

Fazit und Kommentar

Diese Studie lieferte erstmals randomisierte Daten zur Antikoagulation bei Vorhofflimmern mit CHADS-VA-Score von 1. Die Number Needed to Treat lag bei 100 über 2 Jahre. Allerdings sind die Daten schwer auf europäische Patientinnen und Patienten übertragbar. Die Entscheidung für oder gegen eine Antikoagulation bei diesem Patientenkollektiv erfordert weiterhin eine intensive Diskussion über das für und wieder der Antikoagulation.

Zur Person

Prof. Rolf Wachter

Prof. Rolf Wachter ist stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Seine klinische Tätigkeit umfasst die gesamte Kardiologie mit Schwerpunkten in der interventionellen Kardiologie und der Herzinsuffizienz. Zusätzlich nimmt er diverse Funktionen in wissenschaftlichen Fachgesellschaften wahr.
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Key Facts der Studie

Investigator-initiierte Studie zum Nutzen der oralen Antikoagulation mit Apixaban oder Rivaroxaban bei Personen mit VHF und mittlerem Schlaganfallrisiko (CHA2DS2-VASc Score 1 bei Männern oder 2 bei Frauen) über 2 Jahre.

Der primäre Endpunkt war im Antikoagulationsarm signifikant seltener als im Arm ohne Antikoagulation (0,5 %; 4 Ereignisse) zu 1,5 %; 13 Ereignisse), p=0,03).

Bei Personen mit VHF und mittlerem Risiko senkten DOAK das Risikos für ischämische Schlaganfälle. Allerdings sind die Daten nur schwer auf europäische Patientinnen und Patienten übertragbar. Die Entscheidung für oder gegen eine Antikoagulation in diesem Kollektiv erfordert weiterhin eine intensive Diskussion über Nutzen und Risiken der Antikoagulation.

Referenzen

  1. Joung B. Anticoagulation for atrial fibrillation with intermediate stroke risk. Hot Line 1, 28.08.2026, München, ESC 2026
  2. Kim D et al. Anticoagulation for Atrial Fibrillation with Intermediate Stroke Risk. N Engl J Med. 2026 Aug 28. doi: 10.1056/NEJMoa2607978. Epub ahead of print.

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