Was sind Anlass und Ziel der Publikation?
In den Zertifizierungskriterien für CPUs hat die DGK die Forderung nach einer speziellen Schulung für Personen der Gesundheitsfachberufe in Chest Pain Units bereits fest verankert. Das neue Weiterbildungscurriculum definiert hierfür einen umfassenden Qualifizierungsrahmen und schafft somit einen bundesweit einheitlichen Qualifizierungsstandard.
An wen richtet sich diese Zertifizierung?
Primär an Absolventinnen und Absolventen einer dreijährigen Ausbildung in einem der anerkannten Gesundheitsfachberufe. Dazu zählen Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, generalistische Krankenpflege, Medizinische Fachangestellte sowie Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, die in einer Chest Pain Unit (CPU) beruflich tätig sind und sich dafür spezialisieren wollen. Zweitens richtet sie sich an potenzielle Anbieter wie Kliniken, Akademien und Bildungszentren, die diese Fachweiterbildung in ihr Angebot aufnehmen möchten.
Mit diesem Curriculum setzt die DGK ein deutliches Zeichen für eine strukturierte und qualitätsgesicherte Weiterbildung in der Kardiologie für Gesundheitsfachberufe. Zudem unterstreicht es die Haltung und Position der DGK, professionsübergreifend Zusatzqualifikationen zu etablieren, um in interprofessionellen Versorgungseinheiten eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung zu sichern.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden gesetzt?
Das Curriculum orientiert sich konsequent an den Anforderungen des klinischen Alltags in einer Chest Pain Unit. Es baut auf einem kompetenzorientierten Bildungsverständnis und abgeleiteten Lernfeldern auf.
Die Weiterbildung umfasst medizinische Grundlagen sowie die Akutkardiologie mit ihren Krankheitsbildern. Dazu gehören unter anderem das akute Koronarsyndrom, die Differenzialdiagnostik von Thoraxschmerzen, der Myokardinfarkt, Rhythmusstörungen und der kardiogene Schock. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten der Akutdiagnostik und Notfallinterventionen sowie die Pharmakotherapie und das Notfallmanagement behandelt. Ergänzend werden pflegewissenschaftliche, ethische, kommunikative, rechtliche und methodische Kompetenzen vermittelt. Praktische Übungen, ein ERC-leitlinienkonformer Reanimationskurs, der Theorie-Praxis-Transfer, wissenschaftliches Arbeiten und ein Fachdiskurs sichern die Anwendung im klinischen Alltag.
Was ist der größte Mehrwert, den das Curriculum für Patientinnen und Patienten schafft?
Ich sehe den größten Mehrwert in der klaren Definition der für den Erwerb der fachlichen Zusatzqualifikation für Chest Pain Units erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen in den Gesundheitsfachberufen. Mit dem neuen DGK-Curriculum wird eine verlässliche Grundlage für diese Zusatzqualifikation geschaffen und somit die Qualität und Sicherheit der Versorgung in Chest Pain Units gestärkt.
Das Erlangen dieser Zusatzqualifikation, die mit dem Gütesiegel der DGK verbunden ist, stellt nach außen ein Qualitätszeichen für Patientinnen und Patienten dar und fördert innerbetrieblich den Berufsstolz der Absolventinnen und Absolventen.
Wie ist die Zertifizierung strukturiert?
Das vorliegende Curriculum beschreibt eine berufsbegleitende, modular aufgebaute Weiterbildung, die mindestens 200 Gesamtstunden umfasst. Davon 126 Unterrichtseinheiten im Präsenzunterricht und 74 Stunden als Zeiten für das Selbststudium (Literaturrecherche, wissenschaftliches Arbeiten und Vorbereitung eines Fachdiskurses).
Die Zugangsvoraussetzungen für die Weiterbildung sind die Zugehörigkeit zur einem anerkannten Gesundheitsfachberuf, Berufserfahrung in der Kardiologie, speziell in einer Chest Pain Unit oder einer ZNA, alternativ können Basismodule der DGK als Vorbereitung absolviert werden. Die Abschlussprüfung umfasst einen schriftlichen Abschlusstest, einen Fachdiskurs zu einem relevanten Thema in einer CPU z.B. als Fallstudie, Facharbeit oder Projektarbeit auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und einer Präsentation der Ergebnisse. Die Zusatzqualifikation für Chest Pain Units wird nur bei Nachweis aller bestandenen Prüfungsteile erteilt.
Ausblick: Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?
Vor dem Hintergrund der zu erwartenden politischen Veränderungen im Gesundheitswesen – u. a. mit der Einführung von Level-Krankenhäusern – wird sich die Zahl der kritisch kranken Patientinnen und Patienten in Spezialbereichen deutlich erhöhen. Entscheidend sein werden gute Versorgungsstrukturen, hochqualifiziertes Personal, Fachquoten und die Bereitschaft von Arbeitgebenden, diese Bildungsmaßnahmen zu finanzieren, beim Wettbewerb um Personal und der gebotenen Versorgungsqualität. Den medizinischen Fachgesellschaften kommt daher auch in Zukunft eine tragende Rolle zu, wenn es darum geht, passende Bildungsangebote für die Gesundheitsfachberufe zu entwickeln, die mit der rasanten Weiterentwicklung in der Medizin Schritt halten.