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Quick Dive: Zusatzqualifikation Chest Pain Unit

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von Publikationen medizinischer Fachgesellschaften prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in das:

DGK-Weiterbildungscurriculum - Zusatzqualifikation Chest Pain Unit

Aus der DGK-Akademie 

23.07.2026 | Verfasst von: Gabriele Maas · Sebastian Sonnenschein · Thomas Münzel · Evangelos Giannitsis · Michael Jacobs · Ansgar Rotert

Von:

Melissa Wilke

DGK-Redaktion

 

09.09.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

Fragen an die Erstautorin

Gabriele Maas, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

In den Zertifizierungskriterien für CPUs hat die DGK die Forderung nach einer speziellen Schulung für Personen der Gesundheitsfachberufe in Chest Pain Units bereits fest verankert. Das neue Weiterbildungscurriculum definiert hierfür einen umfassenden Qualifizierungsrahmen und schafft somit einen bundesweit einheitlichen Qualifizierungsstandard. 

 

An wen richtet sich diese Zertifizierung?

 

Primär an Absolventinnen und Absolventen einer dreijährigen Ausbildung in einem der anerkannten Gesundheitsfachberufe. Dazu zählen Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, generalistische Krankenpflege, Medizinische Fachangestellte sowie Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, die in einer Chest Pain Unit (CPU) beruflich tätig sind und sich dafür spezialisieren wollen. Zweitens richtet sie sich an potenzielle Anbieter wie Kliniken, Akademien und Bildungszentren, die diese Fachweiterbildung in ihr Angebot aufnehmen möchten.

 

Mit diesem Curriculum setzt die DGK ein deutliches Zeichen für eine strukturierte und qualitätsgesicherte Weiterbildung in der Kardiologie für Gesundheitsfachberufe. Zudem unterstreicht es die Haltung und Position der DGK, professionsübergreifend Zusatzqualifikationen zu etablieren, um in interprofessionellen Versorgungseinheiten eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung zu sichern.

 

Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden gesetzt?

 

Das Curriculum orientiert sich konsequent an den Anforderungen des klinischen Alltags in einer Chest Pain Unit. Es baut auf einem kompetenzorientierten Bildungsverständnis und abgeleiteten Lernfeldern auf. 

 

Die Weiterbildung umfasst medizinische Grundlagen sowie die Akutkardiologie mit ihren Krankheitsbildern. Dazu gehören unter anderem das akute Koronarsyndrom, die Differenzialdiagnostik von Thoraxschmerzen, der Myokardinfarkt, Rhythmusstörungen und der kardiogene Schock. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten der Akutdiagnostik und Notfallinterventionen sowie die Pharmakotherapie und das Notfallmanagement behandelt. Ergänzend werden pflegewissenschaftliche, ethische, kommunikative, rechtliche und methodische Kompetenzen vermittelt. Praktische Übungen, ein ERC-leitlinienkonformer Reanimationskurs, der Theorie-Praxis-Transfer, wissenschaftliches Arbeiten und ein Fachdiskurs sichern die Anwendung im klinischen Alltag.

 

Was ist der größte Mehrwert, den das Curriculum für Patientinnen und Patienten schafft? 

 

Ich sehe den größten Mehrwert in der klaren Definition der für den Erwerb der fachlichen Zusatzqualifikation für Chest Pain Units erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen in den Gesundheitsfachberufen.  Mit dem neuen DGK-Curriculum wird eine verlässliche Grundlage für diese Zusatzqualifikation geschaffen und somit die Qualität und Sicherheit der Versorgung in Chest Pain Units gestärkt.

 

Das Erlangen dieser Zusatzqualifikation, die mit dem Gütesiegel der DGK verbunden ist, stellt nach außen ein Qualitätszeichen für Patientinnen und Patienten dar und fördert innerbetrieblich den Berufsstolz der Absolventinnen und Absolventen. 

 

Wie ist die Zertifizierung strukturiert?


Das vorliegende Curriculum beschreibt eine berufsbegleitende, modular aufgebaute Weiterbildung, die mindestens 200 Gesamtstunden umfasst. Davon 126 Unterrichtseinheiten im Präsenzunterricht und 74 Stunden als Zeiten für das Selbststudium (Literaturrecherche, wissenschaftliches Arbeiten und Vorbereitung eines Fachdiskurses).

 

Die Zugangsvoraussetzungen für die Weiterbildung sind die Zugehörigkeit zur einem anerkannten Gesundheitsfachberuf, Berufserfahrung in der Kardiologie, speziell in einer Chest Pain Unit oder einer ZNA, alternativ können Basismodule der DGK als Vorbereitung absolviert werden. Die Abschlussprüfung umfasst einen schriftlichen Abschlusstest, einen Fachdiskurs zu einem relevanten Thema in einer CPU z.B. als Fallstudie, Facharbeit oder Projektarbeit auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und einer Präsentation der Ergebnisse. Die Zusatzqualifikation für Chest Pain Units wird nur bei Nachweis aller bestandenen Prüfungsteile erteilt. 

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?


Vor dem Hintergrund der zu erwartenden politischen Veränderungen im Gesundheitswesen – u. a. mit der Einführung von Level-Krankenhäusern – wird sich die Zahl der kritisch kranken Patientinnen und Patienten in Spezialbereichen deutlich erhöhen. Entscheidend sein werden gute Versorgungsstrukturen, hochqualifiziertes Personal, Fachquoten und die Bereitschaft von Arbeitgebenden, diese Bildungsmaßnahmen zu finanzieren, beim Wettbewerb um Personal und der gebotenen Versorgungsqualität. Den medizinischen Fachgesellschaften kommt daher auch in Zukunft eine tragende Rolle zu, wenn es darum geht, passende Bildungsangebote für die Gesundheitsfachberufe zu entwickeln, die mit der rasanten Weiterentwicklung in der Medizin Schritt halten. 

Weiter zur vorgestellten Publikation:

Zur Person

Gabriele Maas

Gabriele Maas leitet den Pflege- und Funktionsdienst im Zentrum für Kardiologie im Universitätsklinikum Mainz und ist als Departmentleiterin für die Pflege- und Gesundheitsfachberufe zuständig. 

Gabriele Maas

Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

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