Große Langzeitstudie mit über 800 Patientinnen und Patienten
In die retrospektive Analyse wurden 848 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die zwischen 2003 und 2012 aufgrund einer primären Mitralinsuffizienz eine Mitralklappenrekonstruktion erhielten. Frauen machten dabei lediglich 28,4 % des Kollektivs aus. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 13 Jahre.
Komplexere Klappenveränderungen treten bei Frauen häufiger auf
Zum Zeitpunkt der Operation waren Frauen im Durchschnitt deutlich älter als Männer (61,8 vs. 56,9 Jahre). Zudem litten sie häufiger an pulmonaler Hypertonie und hatten einen höheren EuroScore II. Auffällig war außerdem, dass Frauen häufiger einen Prolaps des anterioren Mitralsegels sowie Verkalkungen der Mitralklappe oder des Anulus aufwiesen, beides anatomische Merkmale, die eine Rekonstruktion technisch anspruchsvoller machen.
Schlechteres Überleben – aber nicht aufgrund des Geschlechts
In der univariaten Analyse war das Langzeitüberleben der Frauen geringer als das der Männer. In der multivariablen Analyse zeigte sich jedoch, dass das weibliche Geschlecht kein unabhängiger Risikofaktor für die Mortalität war. Entscheidend für das Langzeitüberleben waren vielmehr höheres Alter, Vorhofflimmern und eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion unter 55 % zum Operationszeitpunkt. Die Autorinnen und Autoren führen das schlechtere Überleben der Frauen daher vor allem auf ihr höheres Alter bei der Operation zurück.
Mitralklappenrekonstruktion ist langfristig ebenso haltbar
Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Haltbarkeit der Mitralklappenrekonstruktion langfristig nicht zwischen Frauen und Männern unterschied. Nach 20 Jahren betrug die kumulative Re- Operationsrate 20,7 % bei Frauen und 22,3 % bei Männern. Auch das Wiederauftreten einer relevanten Mitralinsuffizienz war in beiden Gruppen vergleichbar.
Eine wichtige Botschaft für die Echokardiografie
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass Frauen aufgrund ihrer kleineren Herzkammern und geringeren absoluten Regurgitationsvolumina möglicherweise als weniger schwer erkrankt eingestuft werden, wenn echokardiografische Parameter nicht auf die Körperoberfläche indexiert werden. Dadurch könnte die Schwere der Mitralinsuffizienz unterschätzt und eine Überweisung zur Operation verzögert werden.
Wie sind die Ergebnisse einzuordnen?
Die Arbeit von Lang et al. verdeutlicht, dass Frauen mit primärer Mitralinsuffizienz keineswegs schlechtere Ergebnisse nach einer erfolgreichen Mitralklappenrekonstruktion haben. Gleichzeitig unterstreicht sie die Bedeutung einer geschlechtsspezifischen Interpretation echokardiografischer Messwerte und einer möglichst frühen Diagnosestellung.
Zur Person
Dr. Jennifer von Stein
Dr. Jennifer von Stein ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie an der Universitätsklinik Köln. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der interventionellen Bildgebung sowie der kathetergestützten Therapie der Trikuspidalklappe. Dabei beschäftigt sie sich speziell mit dreidimensionaler Echokardiografie, rechtsventrikulärer Funktion und Patientenselektion für transkathetergestützte Klappeninterventionen.
Take-aways
- Frauen werden bei primärer Mitralinsuffizienz im Durchschnitt in höherem Alter operiert und weisen häufiger komplexe Mitralklappenpathologien auf.
- Das weibliche Geschlecht ist kein unabhängiger Risikofaktor für die Langzeitmortalität nach Mitralklappenrekonstruktion.
- Die Langzeit-Haltbarkeit der Mitralklappenrekonstruktion ist bei Frauen und Männern vergleichbar.
- Eine Indexierung echokardiografischer Parameter auf die Körperoberfläche könnte helfen, die Erkrankung bei Frauen präziser zu beurteilen und eine verzögerte Therapie zu vermeiden.
Referenzen
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Lang M, Schmidt L, Doering M, et al. Mitral Valve Repair for Primary Mitral Regurgitation: Long-Term Outcomes in Women vs Men. Ann Thorac Surg. 2026. doi:10.1016/j.athoracsur.2026.03.044.
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