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Frauen verlassen die klinische Medizin deutlich häufiger: US-Studie zeigt besorgniserregenden Trend

Eine landesweite Längsschnittstudie aus den USA mit 707.934 Ärztinnen und Ärzten zeigt, dass Ärztinnen die klinische Versorgung signifikant häufiger und deutlich früher verlassen als ihre männlichen Kollegen1. Die Ergebnisse wurden anhand von Medicare-Daten aus den Jahren 2013 bis 2023 erhoben und werfen wichtige Fragen zur Nachhaltigkeit der ärztlichen Versorgung auf.

Von:

Dr. Nina Wunderlich

Rubrikleiterin Women in Cardiology

 

 

08.07.2026

Bildquelle (Bild oben): PeopleImages.com / Yuri A / Shutterstock.com

Die wichtigsten Ergebnisse

Ärztinnen haben im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen ein um 43 % höheres Risiko, die klinische Arbeit zu verlassen (Hazard Ratio 1,43). Dieser Unterschied bestand unabhängig von Alter, Fachrichtung oder einer Tätigkeit im ländlichen beziehungsweise städtischen Raum. Zudem scheiden sie deutlich früher aus: Während Ärztinnen ihre klinische Tätigkeit im Median bereits mit 49 Jahren beenden, liegt das Ausscheiden bei Ärzten im Durchschnitt erst bei 64 Jahren. Besonders ausgeprägt ist das erhöhte Austrittsrisiko in den Fachgebieten Psychiatrie, Allgemeinmedizin sowie Gynäkologie und Geburtshilfe.

Was sind mögliche Ursachen?

Die Autorinnen und Autoren führen die höhere Abwanderung von Ärztinnen nicht auf individuelle Faktoren zurück, sondern im Wesentlichen auf strukturelle Unterschiede im Arbeitsalltag. Frühere Studien zeigen, dass Ärztinnen:

 

  • mehr Zeit pro Patientin und Patient investieren,
  • deutlich mehr Zeit mit elektronischer Dokumentation verbringen,
  • häufig niedrigere Einkommen erzielen,
  • häufiger Diskriminierung und sexueller Belästigung ausgesetzt sind,
  • größere Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleben und
  • insgesamt höhere Burnout-Raten aufweisen.

 

Dabei ist bemerkenswert, dass zahlreiche Studien ebenfalls zeigen konnten, dass Patientinnen und Patienten von Ärztinnen häufig eine mindestens gleichwertige, teilweise sogar bessere Versorgungsqualität und bessere Behandlungsergebnisse erhalten.

Bedeutung für das Gesundheitssystem

Angesichts des bereits bestehenden Ärztemangels sind diese Ergebnisse von hoher gesundheitspolitischer Relevanz. Da der Anteil von Frauen im Medizinstudium und in der Ärzteschaft kontinuierlich steigt, könnte sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen, wenn die Ursachen für den frühzeitigen Ausstieg nicht adressiert werden.

 

Die Autorinnen und Autoren der Studie fordern daher gezielte Maßnahmen, darunter:

 

  • bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie,
  • flexible Arbeitszeitmodelle,
  • faire Vergütungssysteme, die den tatsächlichen Zeitaufwand in der Patientenversorgung berücksichtigen,
  • konsequente Maßnahmen gegen Diskriminierung und Belästigung sowie
  • eine Arbeitskultur, die Ärztinnen langfristig im Beruf hält.

Fazit

Die Studie macht deutlich, dass der Verlust von Ärztinnen aus der klinischen Versorgung kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem ist. Gesundheitssysteme stehen vor der Aufgabe, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass insbesondere Ärztinnen langfristig im Beruf bleiben können. Davon profitieren nicht nur die Beschäftigten selbst, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung und die Stabilität der medizinischen Versorgung insgesamt.

Zur Person

Dr. Nina C. Wunderlich

Dr. Nina C. Wunderlich ist eine international anerkannte Expertin auf dem Gebiet der interventionellen Bildgebung. Ihr Schwerpunkt liegt auf der echokardiographischen Begleitung und Bildgebung bei Kathetereingriffen am Herz. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema veröffentlicht und gilt als renommierte Referentin und Meinungsführerin in diesem Bereich.
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Referenzen

  1. Rotenstein LS et al. Sex Differences in Physician Attrition from Clinical Practice Across Specialties: A Nationwide, Longitudinal Analysis. Journal of General Internal Medicine. 2026.

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