Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach Angaben der Europäischen Kommission weiterhin die häufigste Todesursache in der EU. Jährlich sterben rund 1,7 Millionen Menschen daran. Gleichzeitig könnten etwa 80 % der kardiovaskulären Erkrankungen durch die Reduktion beeinflussbarer Risikofaktoren verhindert werden. Dazu zählen insbesondere Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte sowie Adipositas.
Die Kommission empfiehlt den EU-Mitgliedstaaten daher, kardiovaskuläre Gesundheits-Checks auf nationaler Ebene weiterzuentwickeln und möglichst breiten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stehen die frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren und Erkrankungen sowie eine darauf abgestimmte Beratung und Behandlung.
Die geplanten Empfehlungen sollen auch dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten innerhalb der EU zu verringern. Gesundheits-Checks sollen insbesondere für Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko und für vulnerable Gruppen zugänglich sein. Darüber hinaus ruft die Kommission die Mitgliedstaaten dazu auf, für Menschen mit einem erhöhten Risiko gezielte Maßnahmen der personalisierten Prävention sowie geeignete Impfempfehlungen zu berücksichtigen.
Auch digitale Entwicklungen könnten künftig eine größere Rolle bei der Risikoeinschätzung spielen. Die EU-Kommission verweist auf datenbasierte und KI-gestützte Anwendungen, die Gesundheits-Checks und die Bewertung kardiovaskulärer Risiken unterstützen könnten. Voraussetzung sei ein verantwortungsvoller Einsatz mit angemessener menschlicher Kontrolle.
Zudem setzt sich die EU-Kommission für eine stärkere Gesundheitskompetenz der Bevölkerung ein. Die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker (auch „3Bs“ für Blutdruck, Blutfette und Blutzucker) für die Herz-Kreislauf-Gesundheit soll stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Gezielte Informationskampagnen, Screening-Angebote im kommunalen Umfeld und mobile Screening-Einheiten könnten dazu beitragen, den Zugang zu entsprechenden Untersuchungen zu verbessern.
Parallel zur neuen Empfehlung hat die Europäische Kommission am 28. September die erste jährliche EU Screening Week gestartet. Sie läuft bis zum 4. Oktober und soll europaweit für Prävention und die Bedeutung von Gesundheits-Checks sensibilisieren. Nationale, regionale und lokale Partner sind aufgerufen, entsprechende Veranstaltungen und Aktivitäten durchzuführen.
Die Screening Week ist Teil der EU-weiten Kampagne „Know Your Numbers“ oder „Kennen Sie Ihre Werte“, die auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen aufmerksam machen soll. Die Kampagne wird am Welt-Herztag am 29. September 2026 offiziell gestartet und soll das gesamte Jahr 2027 laufen.
In Deutschland wird im Rahmen der Kampagne auf die bereits existierenden Gesundheits-Check-ups zur Erfassung von Gesundheitsrisiken und zur Früherkennung von häufig auftretenden Krankheiten, insbesondere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Diabetes mellitus verwiesen.
Die Initiative steht zugleich im Zusammenhang mit dem EU Safe Hearts Plan, den die Europäische Kommission im Dezember 2025 vorgestellt hatte. Der EU Safe Hearts Plan basiert auf den 3 zentralen Handlungsfeldern Prävention, Früherkennung und Versorgung. Bis zum Jahr 2035 soll dadurch eine Reduktion der vorzeitigen Mortalität durch kardiovaskuläre Erkrankungen um 25 % erreicht werden.
Ebenfalls ein zentrales Element des EU Cardiovascular Health Plan ist die Harmonisierung der kardiovaskulären Früherkennung auf europäischer Ebene. Die Kommission plant die Einführung eines EU-weit abgestimmten Protokolls für regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, das unter anderem Blutdruck-, Lipid- und Blutzuckermessungen sowie das Screening auf genetische Risikofaktoren wie die familiäre Hypercholesterinämie umfasst.