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EU Screening Week: Kommission empfiehlt kardiovaskuläre Gesundheits-Checks

Zum Start der ersten EU Screening Week vom 28. September bis 4. Oktober 2026 hat die Europäische Kommission eine Empfehlung für den Rat der Europäischen Union zu kardiovaskulären Gesundheits-Checks vorgelegt. Ziel ist es, Herz-Kreislauf-Erkrankungen früher zu erkennen, Risikofaktoren systematisch zu erfassen und dadurch vorzeitige Todesfälle zu vermeiden. Die Initiative ist Teil des Safe Hearts Plan, mit dem vorzeitige Herz-Kreislauf-Todesfälle reduziert werden sollen.

 

DGK-Präsident Prof. Stefan Blankenberg ordnet die EU-Initiative ein.

Von:

Romy Martínez

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

Expertenkommentar:

Prof. Stefan Blankenberg

DGK-Präsident

 

29.09.2026 (aktualisiert 01.10.2026)

Bildquelle (Bild oben): jorisvo / Shutterstock.com

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach Angaben der Europäischen Kommission weiterhin die häufigste Todesursache in der EU. Jährlich sterben rund 1,7 Millionen Menschen daran. Gleichzeitig könnten etwa 80 % der kardiovaskulären Erkrankungen durch die Reduktion beeinflussbarer Risikofaktoren verhindert werden. Dazu zählen insbesondere Bluthochdruck, erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte sowie Adipositas.

 

Die Kommission empfiehlt den EU-Mitgliedstaaten daher, kardiovaskuläre Gesundheits-Checks auf nationaler Ebene weiterzuentwickeln und möglichst breiten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stehen die frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren und Erkrankungen sowie eine darauf abgestimmte Beratung und Behandlung.

Besonderer Fokus auf Risikogruppen

Die geplanten Empfehlungen sollen auch dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten innerhalb der EU zu verringern. Gesundheits-Checks sollen insbesondere für Menschen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko und für vulnerable Gruppen zugänglich sein. Darüber hinaus ruft die Kommission die Mitgliedstaaten dazu auf, für Menschen mit einem erhöhten Risiko gezielte Maßnahmen der personalisierten Prävention sowie geeignete Impfempfehlungen zu berücksichtigen.

 

Auch digitale Entwicklungen könnten künftig eine größere Rolle bei der Risikoeinschätzung spielen. Die EU-Kommission verweist auf datenbasierte und KI-gestützte Anwendungen, die Gesundheits-Checks und die Bewertung kardiovaskulärer Risiken unterstützen könnten. Voraussetzung sei ein verantwortungsvoller Einsatz mit angemessener menschlicher Kontrolle.

 

Zudem setzt sich die EU-Kommission für eine stärkere Gesundheitskompetenz der Bevölkerung ein. Die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen von Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker (auch „3Bs“ für Blutdruck, Blutfette und Blutzucker) für die Herz-Kreislauf-Gesundheit soll stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Gezielte Informationskampagnen, Screening-Angebote im kommunalen Umfeld und mobile Screening-Einheiten könnten dazu beitragen, den Zugang zu entsprechenden Untersuchungen zu verbessern.

Erste „EU Screening Week“ gestartet

Parallel zur neuen Empfehlung hat die Europäische Kommission am 28. September die erste jährliche EU Screening Week gestartet. Sie läuft bis zum 4. Oktober und soll europaweit für Prävention und die Bedeutung von Gesundheits-Checks sensibilisieren. Nationale, regionale und lokale Partner sind aufgerufen, entsprechende Veranstaltungen und Aktivitäten durchzuführen.

 

Die Screening Week ist Teil der EU-weiten Kampagne „Know Your Numbers“ oder „Kennen Sie Ihre Werte“, die auf kardiovaskuläre Risikofaktoren und die Bedeutung regelmäßiger Kontrollen aufmerksam machen soll. Die Kampagne wird am Welt-Herztag am 29. September 2026 offiziell gestartet und soll das gesamte Jahr 2027 laufen.

EU Screening Week Sticker
© EU-Kommission

In Deutschland wird im Rahmen der Kampagne auf die bereits existierenden Gesundheits-Check-ups zur Erfassung von Gesundheitsrisiken und zur Früherkennung von häufig auftretenden Krankheiten, insbesondere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Diabetes mellitus verwiesen.

 

Die Initiative steht zugleich im Zusammenhang mit dem EU Safe Hearts Plan, den die Europäische Kommission im Dezember 2025 vorgestellt hatte. Der EU Safe Hearts Plan basiert auf den 3 zentralen Handlungsfeldern Prävention, Früherkennung und Versorgung. Bis zum Jahr 2035 soll dadurch eine Reduktion der vorzeitigen Mortalität durch kardiovaskuläre Erkrankungen um 25 % erreicht werden.

 

Ebenfalls ein zentrales Element des EU Cardiovascular Health Plan ist die Harmonisierung der kardiovaskulären Früherkennung auf europäischer Ebene. Die Kommission plant die Einführung eines EU-weit abgestimmten Protokolls für regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen, das unter anderem Blutdruck-, Lipid- und Blutzuckermessungen sowie das Screening auf genetische Risikofaktoren wie die familiäre Hypercholesterinämie umfasst. 

Expertenkommentar

Know your numbers! Es klingt so einfach, ist aber dennoch keine Realität. 

 

„One of 83 Million“ ist der derzeitige Hoffnungsträger der Nation. Wird er sie retten, rein fußballerisch? Die Nation liegt ihm zu Füßen und hat Geduld. 

 

„How many of 83 Million“ know their numbers?  Sind es 20 %? Die Hälfte der Nation? Oder doch sogar 75%? Wir wissen es nicht. Vermutlich sind es ein Drittel in der Nation – wenn überhaupt.

 

Doch die Logik ist erschreckend einfach, für das Individuum und für die Gesellschaft als solche. 

 

  1. Die Zahlen sichtbar machen
    Die Werte von Blutdruck, Blutzucker und Blutfette zu kennen ist die Grundlage. Liegt mein Blutdruck als scheinbar gesunde Frau oder gesunder Mann egal welchen Alters über 130/70 oder 140/80 mmHg, liegt mein LDL-Cholesterin über 100 oder 130 mg/dL? Diese Werte sind deutlich spannender, deutlich faszinierender und individuell millionenfach wichtiger als jedes Fußballergebnis der Nationalmannschaft unter Jürgen Klopp. Das 0:1 gegen Griechenland, die Gegentorflut bei instabiler Abwehr, all das ist ärgerlich, aber letztlich völlig egal. Die Konsequenz meines unerkannten Blutdrucks von 150/95 mmHg jedoch ist dramatisch. Für mich und die Gesellschaft. Was folgt also?
  2. Das Ergebnis diskutieren und einordnen
    Mein Blutdruck, gemessen zuhause, in der Apotheke, beim Arbeitsplatz oder beim Hausarzt, ist ein hochinteressanter Wert und muss diskutiert werden. Wir schauen begeistert stundenlange Diskussionen und Erklärungen nach jedem 0:1, sei es Nagelsmann, sei es Klopp. Viel relevanter für das eigene Glück und Wohlergehen ist es, meinen Blutduckwert mit der Ärztin oder dem Arzt zu diskutieren und vor dem Hintergrund bekannter Erkrankungen und anderer Faktoren zu bewerten. Und jetzt folgt die Handlungskonsequenz.
  3. Konsequenzen ziehen
    Die Ziele sind bekannt. Die Nationalmannschaft will Europameister werden. Das wird nicht klappen, wir wissen es jetzt schon. Viel wichtiger und deutlich einfacher ist es, mein Ziel zu erreichen. Den Blutdruckwert unter 130/70 mmHg zu manövrieren. Das habe ich in der Hand, sei es durch Freude an der Bewegung, sei es medikamentös. Gemeinsam mit der Hausärztin oder dem Hausarzt und der Kardiologin oder dem Kardiologen bedarf es lediglich der Sorgfalt, das Ziel zu erreichen. Und das bedeutet:
  4. Der eigene Welt- und Europameister werden
    Für jedes Geschlecht und in jedem Alter gilt: Das Erreichen des Ziels, Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwert, aber auch begleitet von kleinen Maßnahmen wie Impfen und mit Eigeninitiative Bewegung und Ernährung im Blick haben bedeutet für mich die Welt. Weil ich mit diesen ganz banalen Maßnahmen, je früher im Leben ich dies beherzige, meine gesunde Lebenszeit überwiegend selbst beeinflussen kann. Dies ist eine tolle Nachricht. Nicht „Einer aus 83 Millionen“ ist das Motto; das ist nur gut verkaufte Selbstbezogenheit  – vielmehr „Fit ab 83“, das ist das wahre Ziel. Wir haben es selbst in der Hand.

 

Und – nun serös – was ist dafür notwendig:

 

  1. Sichtbarmachung der Risikofaktoren 
    In Schule, Ausbildung und am Arbeitsplatz für alle Blutdruck, Blutfette und Blutzucker messen und sichtbar machen. Angebote in den sozial schwachen Gegenden vor Ort schaffen.
  2. Messungen attraktiv gestalten
    Moderne Technologien und Algorithmen entwickeln – wir sind auf einem guten Weg – und diese mit Smart Devices zur eigenen Nutzung verknüpfen – weg vom ärztlichen Termin.
  3. Gesundheitspolitische Angebote
    In den lebensnahen Bereichen Angebote zum Screening schaffen und diese finanzieren. Statt Tankrabatte Blutdruckgeräte zur Selbstmessung subventionieren.
  4. Gemeinschaftliches Agieren
    Die Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen betreffen nahezu alle nicht übertragbaren Volkserkrankungen, Herz-Kreislauf, Demenz, Niere, Lunge, manche malignen Erkrankungen.

 

Gemeinschaftliches Agieren, in der Nationalen Herzallianz, aber auch fachübergreifend – das macht uns stark.

Zur Person

Prof. Stefan Blankenberg

Prof. Stefan Blankenberg ist Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums Hamburg sowie Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen innovative Methoden zur Diagnose und Therapie des Herzinfarktes sowie moderne Populationsforschung. Für 2025–2027 wurde er zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) gewählt.
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Take-aways

  • Systematischer Ansatz für kardiovaskuläre Gesundheits-Checks, um Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln
  • Drei Werte die bei Gesundheits-Checks im Fokus stehen sollen: Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker
  • Niedrigschwelliger Zugang für Menschen mit erhöhtem Risiko sowie für unterversorgte und vulnerable Bevölkerungsgruppen. Neben Arztpraxen können dabei beispielsweise Apotheken, Gemeindezentren oder mobile Angebote eine Rolle spielen.
  • Auch Menschen unter 35 Jahren sollen erreicht werden, vor allem bei familiärer Vorbelastung oder anderen Risikofaktoren, wo dann die weitere Kontrolle individuell angepasst werden sollte
  • Menschen über 65 Jahren sollen häufiger kontrolliert werden, es werden Gesundheits-Checks alle 3 bis 5 Jahre empfohlen, die ggf. durch weitere Untersuchungen ergänzt werden
  • Datenbasierte und KI-gestützte Anwendungen sollen dort eingesetzt werden können, wo sie die Risikoabschätzung und das Screening unterstützen
  • Die unterschiedlichen Screening-Ansätze in den Mitgliedstaaten sollen stärker aufeinander abgestimmt werden, wobei die konkrete Ausgestaltung an die jeweiligen nationalen Gegebenheiten angepasst werden kann.

Quelle: Europäische Kommission, Pressemitteilung vom 28. September 2026, IP/26/1859

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