Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind von Vorhofflimmern betroffen. Bei Patientinnen und Patienten, die sich einer Herzoperation unterziehen, tritt die Rhythmusstörung besonders häufig auf: Etwa 12 bis 13 Prozent sind zusätzlich betroffen, berichtet Prof. Nicolas Doll, Chefarzt der Herzchirurgie an der Schüchtermann-Klinik Bad Rothenfelde. Eine begleitende Ablation kann bei einer ohnehin erforderlichen Herzoperation eine Möglichkeit sein, das Vorhofflimmern mitzubehandeln. Obwohl wissenschaftliche Evidenz und Leitlinien für bestimmte Eingriffe sprechen, wird diese Option nach Einschätzung von Doll bislang zu selten genutzt. Unter anderem erschweren fehlende finanzielle Anreize die Umsetzung.
Auch sogenannte Hybridverfahren, bei denen Herzchirurgie und Kardiologie zusammenarbeiten, können bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern eine Behandlungsoption sein. Gerade bei komplexen und langanhaltenden Formen der Rhythmusstörung könne die Kombination herzchirurgischer und kathetergestützter Verfahren Vorteile bieten, betont Doll. Voraussetzung sei eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Ein Beispiel dafür ist das Hy5-Konzept, das Doll gemeinsam mit Prof. Philipp Sommer vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen initiiert hat. Das Netzwerk spezialisierter Zentren ermöglicht eine gemeinsame Therapieplanung für Menschen mit besonders schwer behandelbarem Vorhofflimmern.
Angesichts einer alternden Bevölkerung und möglicherweise steigender Erkrankungszahlen gewinnen abgestimmte Therapiekonzepte weiter an Bedeutung. Nach Einschätzung von Doll könnte sich die Zahl der Menschen mit Vorhofflimmern bis 2050 sogar verdoppeln. Allerdings haben sich auch die Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und neue Studien liefern zudem Erkenntnisse dazu, welche Patientinnen und Patienten von herzchirurgischen und hybriden Verfahren profitieren könnten.
Herzrhythmusstörungen und insbesondere Vorhofflimmern bedeuten weit mehr als ein unregelmäßiger Herzschlag: Die Erkrankung kann die Lebensqualität beeinträchtigen, erhöht unter anderem das Risiko für einen Schlaganfall und kann zu einer Herzschwäche führen. Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein für die Erkrankung und ihre Folgen zu stärken. „Ich freue mich sehr, dass der Herzbericht die Herzrhythmusstörungen in den Fokus gerückt hat und damit dazu beiträgt, das Thema stärker in die Öffentlichkeit zu tragen“, so Doll.
Bei der kommenden Jahrestagung der DGTHG im Februar 2027 in Köln wird das Thema ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Als Tagungspräsident möchte Doll dort die Aufmerksamkeit erneut auf Herzrhythmusstörungen und deren Behandlung lenken.