Ältere Frau mit einem Pflaster auf dem Arm nach einer Impfung Ältere Frau mit einem Pflaster auf dem Arm nach einer Impfung

Herzprobleme bei Frauen: Warum Impfen für die Herzgesundheit wichtig ist

Herzprobleme bei Frauen verlaufen oft anders als bei Männern – und genau deshalb ist ein guter Impfschutz besonders wichtig. Denn Infektionen können das Herz zusätzlich belasten und Risiken erhöhen. Was bedeutet das konkret für Frauen? Und wie lassen sich Impfentscheidungen gut treffen? Zwei Kardiologinnen geben Orientierung und erklären, worauf es bei der Herzgesundheit ankommt.

Von Daniela Goldscheck

 

14.07.2026


Bildquelle oben: New Africa / stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Frauenherzen sind anders: Risiken, Symptome und Immunreaktionen unterscheiden sich von Männern. 
  • Infektionen belasten auch das Herz: Sie erhöhen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. 
  • Impfen schützt doppelt: vor Infektionen – und vor möglichen Herz-Komplikationen. 
  • Individuelle Entscheidung zählt: Impfungen sollten gemeinsam mit Ärztin oder Arzt abgestimmt werden. 
  • Besonders wichtig bei Herzerkrankungen: z. B. bei Blutverdünnern oder Herzschwäche kardiologisch abklären. 
  • Gut vorbereitet ins Arztgespräch: Fragen notieren und eigene Sorgen aktiv ansprechen.

Frauenherzen sind anders

„Frauenherzen sind nicht einfach kleinere Männerherzen“, sagt Dr. Catharina Hamm, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie in Bad Nauheim. Frauen haben oft andere Risikofaktoren und zeigen teilweise andere Symptome als Männer. Auch Lebensphasen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre beeinflussen die Herzgesundheit. 

 

Hinzu kommt: Das Immunsystem reagiert bei Frauen häufig anders. Nach Impfungen treten etwas häufiger vorübergehende Reaktionen wie Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle auf. Dahinter stehen unter anderem hormonelle Einflüsse und Unterschiede im Immunsystem. 

 

Genau hier setzt geschlechtssensible Medizin an. „Geschlechtsspezifische Unterschiede werden in Medizin und Forschung noch nicht immer ausreichend berücksichtigt – das gilt auch für Impfungen", betont Dr. Hamm und fügt hinzu: „Je besser diese Unterschiede verstanden werden, desto gezielter kann Prävention erfolgen." Für Frauen bedeutet das: Impfentscheidungen sollten ihre besondere Situation aktiv mitdenken.

Zur Expertin

Dr. Catharina Hamm

Dr. Catharina Hamm ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie mit Schwerpunkt auf der kardiologischen Versorgung von Frauen. 

Portraitbild Catharina Hamm Portraitbild Catharina Hamm

Warum Infektionen das Herz belasten

Infektionen sind mehr als „nur“ Erkältung oder Grippe. Sie belasten den ganzen Körper – auch das Herz. „Entzündungen können Blutgefäße belasten und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche erhöhen“, erklärt die Expertin. Ein aktueller Impfschutz kann dazu beitragen, schwere Infektionen und damit auch mögliche Folgen für das Herz zu vermeiden.

Besonders sensible Lebensphasen

Das Risiko ist nicht immer gleich: In bestimmten Lebensphasen ist der Körper besonders gefordert. Dazu zählen:

 


Insbesondere in diesen Phasen lohnt es sich, den Impfschutz regelmäßig zu überprüfen.

Welche Impfungen Frauen kennen sollten

Welche Impfungen sinnvoll sind, hängt von der persönlichen Situation ab – zum Beispiel von Alter, Lebensphase und möglichen Vorerkrankungen. Orientierung bieten die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Für viele Frauen spielen vor allem diese Impfungen eine Rolle:

 


Ein Beispiel mit besonderer Bedeutung für die Herzgesundheit: Eine Gürtelrose-Erkrankung selbst kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen – ein Zusammenhang, der oft unterschätzt wird.

Impfen bei Frauen: Wie Sie die richtige Entscheidung treffen

Patientinnen sind beim Thema Impfen teils unsicher. Orientierung bieten medizinische Empfehlungen wie die STIKO sowie das Gespräch in der Arztpraxis. „Die Entscheidung sollte immer auf die persönliche Situation abgestimmt sein“, sagt Dr. Jana Boer, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie in Erfurt.

 

Bei bestehenden Herzproblemen ist eine engere Abstimmung sinnvoll. Konkret heißt das:

 

  • Bei Herzschwäche: Der Impfzeitpunkt sollte möglichst in einer stabilen Phase liegen – nicht während einer akuten Verschlechterung.

  • Unter blutverdünnender Therapie: Die Therapie muss in der Regel nicht unterbrochen werden. Wichtig ist eine angepasste Injektionstechnik (z. B. dünne Nadel, leichter Druck auf die Einstichstelle), um Blutergüsse zu vermeiden.
  • Nach einem akuten Ereignis (z. B. Herzinfarkt oder kardiologischer Eingriff): Der passende Zeitpunkt für eine Impfung wird kardiologisch festgelegt.


So lässt sich der Impfschutz sicher in die Behandlung einbinden.

Zur Expertin

Dr. Jana Boer

Dr. Jana Boer ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie in Erfurt.

Portraitbild Dr. Jana Boer Portraitbild Dr. Jana Boer

So werden Sie im Arztgespräch gehört

Einige Frauen haben das Gefühl, im Arztgespräch nicht ausreichend ernst genommen zu werden. „Der wichtigste Schritt ist, eine Ärztin oder einen Arzt zu wählen, bei dem man sich ernst genommen fühlt“, erklärt die Kardiologin. Im Gespräch selbst hilft es:

 

  • Anliegen klar formulieren
  • Fragen vorbereiten
  • eigene Erfahrungen einbringen


Und ganz konkret: „Sprechen Sie Ihre Fragen, Sorgen und Ängste offen an“, empfiehlt Dr. Boer.

Checkliste für das Arztgespräch

Diese Fragen helfen Ihnen bei der Vorbereitung:

 

  • Welche Impfungen brauche ich aktuell?
  • Welche Impfungen sollten aufgefrischt werden?
  • Gibt es Besonderheiten wegen meiner Herzerkrankung?
  • Vertragen sich Impfungen mit meinen Medikamenten?
  • Welche Nebenwirkungen können auftreten?
  • Welche Impfungen können gleichzeitig erfolgen?
  • Wer übernimmt die Kosten?

Unterschiedliche Impfempfehlungen: So behalten Sie den Überblick

Unterschiedliche Aussagen können verunsichern – besonders bei komplexen Themen wie Herzgesundheit und Impfen. Zur Orientierung hilft es:

 

  • Informationen aus verlässlichen Quellen zu prüfen
  • offene Fragen vorab zu notieren
  • verschiedene fachliche Perspektiven einzubeziehen


„Bitten Sie bei Bedarf um ein gemeinsames Gespräch – zum Beispiel zwischen Hausarzt, Gynäkologie und Kardiologie“, rät die Expertin. So lassen sich unterschiedliche Einschätzungen zusammenführen und auf die eigene Lebenssituation abstimmen.

Eigene Gesundheit ernst nehmen

„Viele Frauen stellen die Gesundheit ihrer Familie an erste Stelle – und ihre eigene hinten an“, sagt Dr. Boer. Das zeigt sich auch beim Thema Impfen: Termine werden verschoben, Unsicherheiten nicht angesprochen oder eigene Bedürfnisse hintenangestellt. Umso wichtiger ist es, die eigene Gesundheit bewusst mitzudenken und aktiv einzubringen.

Fazit

Impfen ist nicht nur Infektionsschutz, sondern ein wichtiger Teil der Herzgesundheit. Gut informiert, vorbereitet und im Austausch mit der Ärztin oder dem Arzt können Patientinnen fundierte Entscheidungen treffen. 

 

Wenn Sie unsicher sind, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind, sprechen Sie beim nächsten Termin mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. Bringen Sie Ihren Impfpass mit und klären Sie offene Fragen direkt im Gespräch.

FAQ – Häufige Fragen zu Herzproblemen bei Frauen und Impfen

Häufig relevant sind Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken, RSV und Gürtelrose – abhängig von Alter und Risiko.

Infektionen können das Herz zusätzlich belasten und das Risiko für Komplikationen erhöhen.

Ja, das Immunsystem reagiert oft stärker, was zu mehr Antikörpern, aber auch zu mehr Reaktionen führen kann.

Ja. Für Menschen mit Herzerkrankungen sind die empfohlenen Impfungen grundsätzlich sicher und besonders wichtig, weil Infektionen das Herz stark belasten können. Eine individuelle Abstimmung mit der Ärztin oder dem Arzt ist sinnvoll – etwa bei Herzschwäche, nach einem akuten kardialen Ereignis oder unter blutverdünnender Therapie. So lassen sich Zeitpunkt und Vorgehen optimal in die Behandlung einbinden.

Impfpass mitbringen, Fragen notieren und eigene Bedenken offen ansprechen. 

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