Das Wichtigste in Kürze
- Warum das Risiko steigt: Wenn das Östrogen sinkt, werden die Gefäße steifer. Blutdruck und Arterienverkalkung nehmen leichter zu, und der Stoffwechsel gerät eher Richtung Insulinresistenz.
- Warnzeichen ernst nehmen: Luftnot, Herzstolpern, Druck in der Brust, Schwindel oder ungewohnte Müdigkeit – auch Oberbauch-, Rücken-, Nacken- oder Kieferschmerzen können vom Herzen kommen.
- Was hilft: Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig kontrollieren. Etwa 150 Minuten Ausdauertraining pro Woche und zweimal pro Woche Krafttraining. Mediterran essen, nicht rauchen, Stress reduzieren, gut schlafen und Bauchfett abbauen.
- Hormonersatztherapie: Eine Hormonersatztherapie ist kein Herzschutz, kann aber bei starken Wechseljahresbeschwerden nach ärztlicher Abwägung sinnvoll sein. Dann gilt: möglichst früh beginnen, niedrig dosieren und nur so kurz wie nötig anwenden.
Warum das Herz in den Wechseljahren mehr Aufmerksamkeit braucht
Mit Beginn der Menopause verändert sich der Hormonhaushalt – und das betrifft auch das Herz. „Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt durch den Rückgang von Östrogen“, sagt PD Dr. Lisa Kristina Dannenberg. Östrogen hält die Gefäße elastisch, reguliert Blutfette und schützt vor Ablagerungen in den Arterien. Die Kardiologin erklärt: „Wenn der Hormonspiegel sinkt, werden die Gefäße steifer und der Blutdruck steigt. Hinzu kommen Stoffwechselveränderungen, Schlafstörungen und Stress – alles Faktoren, die Herz und Kreislauf zusätzlich belasten.“
Zur Expertin
PD Dr. Lisa Kristina Dannenberg
PD Dr. Lisa Kristina Dannenberg ist Kardiologin am Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Düsseldorf.
Typische Herzsymptome bei Frauen
Frauen erleben Herzbeschwerden häufig anders als Männer. „Bei Frauen äußern sich Herzinfarkte oft diffus – etwa durch Luftnot, Oberbauchschmerzen oder extreme Müdigkeit“, sagt die Medizinerin.
Weitere Warnzeichen:
- Herzstolpern oder Druck auf der Brust
- Schwindel, Schwäche oder Wassereinlagerungen – etwa an Beinen oder Knöcheln (Ödeme)
- Rückenschmerzen, Übelkeit oder Nackenschmerzen
Wichtig: Auch unspezifische Symptome ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.
„Go Red for Women“: Frauenherzen schlagen anders
Jedes Jahr Anfang Februar weist die American Heart Association schon seit über 20 Jahren mit dem „National Wear Red Day“ auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen als führende Todesursache bei Frauen hin.
Der Aktionstag, an dem symbolisch rote Kleidung getragen werden soll, stellt die Herzgesundheit von Frauen in den Fokus und will das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein dafür schärfen.
Im Rahmen des Tages stehen die oftmals von klassischen Symptomen abweichenden Warnzeichen von Herzerkrankungen bei Frauen sowie wirkungsvolle Vorbeugungsmaßnahmen im Mittelpunkt, damit Frauen noch besser auf ihre Herzgesundheit achten können.
Wie das sinkende Östrogen auf Herz und Blutdruck wirkt
Östrogen ist ein natürlicher Gefäßschutz. Es:
- fördert die Bildung von Stickstoffmonoxid (NO), das Gefäße entspannt,
- hemmt Entzündungsprozesse,
- bremst das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS), das den Blutdruck und den Salz- und Wasserhaushalt im Körper kontrolliert.
„Sinkt der Spiegel, verengen sich Gefäße leichter und die Arterien verhärten“, weiß die Expertin. Dadurch steigt das Risiko für Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarkt.
Hormonersatztherapie – Chancen und Grenzen
Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann Wechseljahresbeschwerden lindern, wird aber nicht primär zur Herzprävention empfohlen. „Wenn sie früh, kurz und niedrig dosiert eingesetzt wird, gilt sie bei herzgesunden Frauen als sicher“, sagt die Kardiologin. Ob HRT langfristig auch das Herz schützt, wird derzeit noch erforscht.
Risikofaktoren ab 50 Jahren im Blick behalten
Frauen sollten besonders auf folgende Faktoren achten:
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette
- Übergewicht, vor allem Bauchfett
- Diabetes
- Bewegungsmangel und Stress
„Früherkennung lohnt sich – viele dieser Risiken lassen sich durch Lebensstil und Behandlung gut kontrollieren“, weiß PD Dr. Dannenberg.
So beugen Frauen aktiv vor
Ein gesunder Lebensstil bleibt der wirksamste Schutz:
- Regelmäßige Kontrollen: Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin
- Bewegung: mindestes 150 Minuten Ausdauer + zweimal Krafttraining pro Woche
- Ernährung: mediterrane Kost mit Gemüse, Vollkorn, Fisch, Nüssen, Olivenöl
- Rauchstopp und Stressabbau
- Ausreichend Schlaf und Gewichtsmanagement
Ernährung und Bewegung: Das doppelte Schutzschild fürs Herz
Eine mediterrane Ernährung wirkt entzündungshemmend, verbessert den Fettstoffwechsel und schützt die Gefäße. Die Ärztin rät: „Setzen Sie auf eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Fisch, Olivenöl und Nüssen. Verzichten Sie möglichst auf Zucker, Weißmehlprodukte und stark verarbeitete Lebensmittel.“ Bewegung stärkt Herz und Kreislauf, verbessert die Insulinempfindlichkeit, senkt Stresshormone und fördert Schlaf und Stimmung – ein echter Rundumschutz für das Herz.
„Von Bewegung profitieren Frauen in den Wechseljahren besonders – sogar stärker als gleichaltrige Männer. “
PD Dr. Lisa Kristina Dannenberg
Fazit
Die Wechseljahre markieren eine neue Lebensphase – und eine Chance, das Herz stärker in den Fokus zu rücken. Mit Wissen, Prävention und bewusster Lebensführung können Frauen ihr Risiko deutlich senken und ihr Herz nachhaltig schützen.
FAQ – Herzgesundheit in den Wechseljahren
Durch den Rückgang von Östrogen verliert das Herz seinen hormonellen Schutz. Blutdruck, Blutfette und Entzündungswerte steigen – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt zu.
Mit sinkendem Östrogenspiegel verändert sich die Gefäßspannung: Die Blutgefäße verlieren an Elastizität und das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) wird aktiver. Dadurch verengen sich die Gefäße leichter, und der Körper hält mehr Salz und Wasser zurück – der Blutdruck steigt. Viele Frauen entwickeln so in den Wechseljahren erstmals Hypertonie, oft ohne es sofort zu bemerken. Regelmäßige Blutdruckkontrollen sind deshalb besonders wichtig.
Achten Sie auf Luftnot, Schwindel, Brustdruck, Müdigkeit oder Rückenschmerzen. Diese können auf Herzprobleme hinweisen – auch ohne typische Brustschmerzen.
Eine HRT sollte individuell und zeitlich begrenzt erfolgen. Sie dient in erster Linie der Linderung von Wechseljahresbeschwerden, nicht der Herzprävention.
Mit Bewegung, ausgewogener Ernährung, Rauchverzicht, Stressreduktion und regelmäßigen Gesundheitschecks.
Lassen Sie regelmäßig Ihre Herzgesundheit prüfen und besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wie Sie Herzkrankheiten in den Wechseljahren gezielt vorbeugen können.