Mit jährlich rund 260.000 Schlaganfällen, darunter etwa 200.000 Erstereignisse, zählt der Schlaganfall in Deutschland zu den häufigsten und folgenschwersten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.1 Im Jahr 2023 verstarben in Deutschland 36.393 Menschen an einem Schlaganfall.2 Rund 1,2 Millionen Menschen leben mit den Folgen eines Insults, viele davon mit dauerhaften Einschränkungen.3 Besonders betroffen sind ältere Menschen: Über 6 % aller über 75-Jährigen leben mit chronischen neurologischen Defiziten aufgrund eines zerebrovaskulären Ereignisses.4
Ein erheblicher Anteil dieser Ereignisse wäre vermeidbar, da Schlaganfälle selten ohne Vorlauf entstehen. Vielmehr gehen ihnen häufig über Jahre bestehende, beeinflussbare und behandelbare Risikofaktoren voraus. Ein wesentlicher Teil der Schlaganfallprävention liegt damit in der hausärztlichen und kardiologischen Versorgung. Hier werden Risikofaktoren frühzeitig identifiziert, Blutdruck und Lipidparameter kontrolliert sowie präventive Maßnahmen eingeleitet, bevor ein erstes zerebrovaskuläres Ereignis auftritt.
Neben Vorhofflimmern und arterieller Hypertonie zählt ein erhöhtes LDL-Cholesterin (LDL-C) zu den wichtigen beeinflussbaren Risikofaktoren für ischämische Schlaganfälle. Eine große Metaanalyse zeigt, dass eine Senkung des LDL-C das Risiko für ischämische Schlaganfälle reduziert.5 Je stärker das LDL-C gesenkt wird, desto größer ist der Nutzen.5
Die aktuellen ESC/EAS-Leitlinien empfehlen eine risikoadaptierte LDL-C-Senkung mit klar definierten Zielwerten. Das ESC/EAS Focused Update 2025 der Dyslipidämie-Leitlinie bekräftigt das Prinzip „je niedriger, desto besser“ und definiert LDL-C-Zielwerte entsprechend dem individuellen kardiovaskulären Risiko: Für Patient:innen mit hohem kardiovaskulärem Risiko wird ein LDL-C-Zielwert von < 70 mg/dl (< 1,8 mmol/l) empfohlen, für Patient:innen mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko ein Zielwert von < 55 mg/dl (< 1,4 mmol/l) – jeweils in Kombination mit einer LDL-C-Senkung um mindestens 50 % gegenüber dem Ausgangswert.6
Zwischen den empfohlenen LDL-C-Zielwerten und der Versorgungsrealität besteht jedoch weiterhin eine erhebliche Diskrepanz. Im europäischen SANTORINI-Register erreichte nur etwa jede:r fünfte Patient:in mit hohem oder sehr hohem kardiovaskulärem Risiko den empfohlenen LDL-C-Zielwert.7 Eine konsequente Umsetzung der leitliniengerechten lipidsenkenden Therapie bietet daher erhebliches Potenzial, diese Versorgungslücke zu schließen.