Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) kann insbesondere in höherem Alter und bei chronisch Erkrankten zu schweren Atemwegserkrankungen führen und laut Beobachtungsstudien auch zur kardiovaskulären Morbidität und Mortalität beitragen. Bei Herzinsuffizienz ist die Anfälligkeit für schwere RSV-Infektionen besonders hoch, mit etwa 8-mal so häufigen Hospitalisierungen.
Erste Ergebnisse der DAN-RSV-Studie wurden bereits auf dem ESC-Kongress 2025 vorgestellt und zeigten, dass die Verabreichung eines bivalenten RSV-Prefusion-F-Protein-basierten Impfstoffs (RSVpreF-Impfstoff) die RSV-bedingten Hospitalisierungen reduzieren kann.5 Allerdings traten weniger RSV-bedingte Endpunktereignisse auf als erwartet. Um die statistische Präzision zu erhöhen und die Impfwirksamkeit in einer breiteren Population abzuschätzen, wurde die Rekrutierung der DAN-RSV-Studie in der darauffolgenden RSV-Saison 2025/2026 altersbezogen und geografisch erweitert.
In dieser pragmatischen, individuell randomisierten, offenen Studie, die in Dänemark und Spanien durchgeführt wurde, wurden Erwachsene im Verhältnis 1:1 einer RSVpreF-Impfung oder keiner Impfung zugewiesen. Im 1. Jahr der Rekrutierung (Wintersaison 2024/2025) wurden Personen im Alter von ≥60 Jahren in Dänemark aufgenommen. Da im 1. Jahr weniger RSV-bedingte Hospitalisierungen auftraten als erwartet, wurde im 2. Jahr (Wintersaison 2025/2026) die Teilnahmeberechtigung auf Personen im Alter von ≥18 Jahren in Dänemark und Spanien ausgeweitet.
Der primäre Endpunkt war die Hospitalisierung aufgrund einer RSV-bedingten Atemwegserkrankung. Zu den sekundären Endpunkten gehörten unter anderem Hospitalisierungen aufgrund von unteren Atemwegserkrankungen oder kardiorespiratorischen Erkrankungen, jeweils jeglicher Ursache und somit nicht auf RSV-bedingte Ereignisse beschränkt. Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 14 Tagen nach dem geplanten Studienbesuch bis zum 31. Mai des Folgejahres.
Bei den analysierten 511.535 Teilnehmenden (mittleres Alter 61,5 Jahre; 54,0 % Frauen; 16,2 % mit chronischer Herz-Kreislauf-Erkrankung) betrug die Inzidenzrate von Hospitalisierungen aufgrund von RSV-bedingten Atemwegserkrankungen 0,16 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre in der Impfgruppe und 0,55 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre in der Kontrollgruppe. Das entspricht einer geschätzten Impfwirksamkeit von 70,3 % (95 %-Konfidenzintervall 49,7–83,2 %) hinsichtlich des primären Endpunktes. Der Effekt war über alle präspezifizierten Subgruppen hinweg konsistent.
Auch bei nicht auf RSV beschränkten Ereignissen zeigte sich eine Risikoreduktion:
Die Inzidenz von Hospitalisierungen aufgrund von Erkrankungen der unteren Atemwege jeglicher Ursache lag bei 9,55 bzw. 10,39 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre in der Impfgruppe bzw. der Kontrollgruppe, einer geschätzten Impfwirksamkeit von 8,1 % (95 %KI 0,2–15,4 %) entsprechend.
Bei den kardiorespiratorischen Hospitalisierungen jeglicher Ursache betrug die Inzidenz 23,38 bzw. 24,93 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre in der Impfgruppe bzw. der Kontrollgruppe. Damit lag die geschätzte Impfwirksamkeit bei 6,2 % (95 %KI 1,2–11,1 %).
Hinsichtlich der Sicherheit: Die Inzidenz schwerwiegender unerwünschter Ereignisse während der 6-wöchigen Sicherheitsnachbeobachtung war niedrig und in beiden Gruppen vergleichbar – 2,0 % in der Impfgruppe und 2,2 % in der Kontrollgruppe.
Von den analysierten Teilnehmenden hatten 9.351 (1,8 %) eine bereits bestehende dokumentierte Herzinsuffizienz. Sie hatten ein mittleres Alter von 71,6 Jahren; 31,3 % waren Frauen. In einer präspezifizierten Analyse zeigte sich eine vergleichbare Impfwirksamkeit unabhängig vom Herzinsuffizienz-Status. Der Rückgang der kardiorespiratorischen Hospitalisierungen schien laut Forschungsteam in etwa zu gleichen Teilen auf Ereignisse der unteren Atemwege und kardiovaskuläre Ereignisse zurückzuführen zu sein. Das höhere Ausgangsrisiko bei Herzinsuffizienz ging mit einer niedrigeren NNV (Number Needed to Vaccinate) einher. Diese Ergebnisse sollten allerdings als hypothesengenerierend betrachtet werden, da die Studie nicht ausreichend gepowert war, um Interaktionseffekte nachzuweisen.
In die Analyse von 2 aufeinanderfolgenden Saisons gingen 130.991 Teilnehmende der Rekrutierung im 1. Jahr ein (mittleres Alter 69,4 Jahre; 49,8 % Frauen; 21,8 % mit chronischer Herz-Kreislauf-Erkrankung). Während der 2. RSV-Saison nach der Impfung lag die Impfwirksamkeit hinsichtlich des primären Endpunktes bei 56,2 % (95 %KI -12,4–84,8 %), verglichen mit 83,3 % (95 %KI 42,9–96,9 %) während der 1. Saison. Hinsichtlich respiratorischer und kardiorespiratorischer Hospitalisierungen jeglicher Ursache zeigte sich in der 2. Saison kein erkennbarer Unterschied zwischen Impf- und Kontrollgruppe. Über beide Saisons hinweg wurde eine Impfwirksamkeit von 70,6 % (95 %KI 39,1–87,0 %) beobachtet.
Die RSV-Impfung führte zu einem Rückgang der RSV-bedingten Hospitalisierungen und der kardiorespiratorischen Hospitalisierungen jeglicher Ursache während der 1. RSV-Saison nach Impfung, fasst das Forschungsteam zusammen. Die Effekte zeigten sich zudem unabhängig vom Herzinsuffizienzstatus, was laut den Forschenden die RSV-Impfung zur Vorbeugung kardiorespiratorischer Ereignisse in dieser Hochrisiko-Gruppe untermauere. Die Impfwirksamkeit schien jedoch in der 2. Saison nach Impfung niedriger zu sein. Insgesamt liefern die Ergebnisse randomisierte Evidenz für die Vorbeugung schwerer RSV-bedingter Erkrankungen durch die RSV-Impfung und deuten zudem auf weiterreichende Vorteile für die kardiorespiratorische Gesundheit hin. Die Dauer des Impfschutzes gilt es weiter zu untersuchen.
Die große DAN-RSV Studie liefert Daten zur RSV-Schutzimpfung an >500.000 Teilnehmern. Bemerkenswert ist zunächst, dass eine Impfstudie mit einem Atemwegs-bezogenen primären Endpunkt zwei Jahre nacheinander auch auf dem ESC-Kongress Beachtung findet. Das pragmatische Design, in dem in Dänemark alle Einwohnerinnen und Einwohner ≥60 Jahre über das elektronische Postsystem zur Studienteilnahme eingeladen werden, und ca. 10 % der Studienteilnahme zustimmten, sucht ebenfalls seinesgleichen. Durch die große Teilnehmerzahl aus Dänemark und Galizien in Spanien, die durch das pragmatische Studiendesign ermöglicht wurde, erlaubt die Studie relativ belastbare Subanalysen.
Absolut ist die Anzahl „kardiorespiratorischer“ Hospitalisierungen deutlich höher (2.704 vs. 2.990 Patientinnen und Patienten) im Vergleich zum primärem Endpunkt Hospitalisierung wegen RSV-bedingter respiratorischer Erkrankung (19 vs. 64 Patientinnen und Patienten); der relative Nutzen (Impf-Wirksamkeit) ist jedoch insbesondere bei den Atemwegsinfektionen mit 70–75 % bemerkenswert und liegt bei kardiorespiratorischer Erkrankung jeglicher Ursache nur noch bei 6,2 %. Mit n=9.351 Patientinnen und Patienten bestand eine große Kohorte mit vorbeschriebener Herzinsuffizienz, in der ebenfalls ein günstiger Effekt der RSV-Impfung dokumentiert wurde; insgesamt erbrachten Subgruppenanalysen keinen Hinweis auf einen Einfluss vorheriger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Herzinsuffizienz-Subgruppenanalysen sind hypothesengenerierend, allerdings sind die Effektgrößen aufgrund der kränkeren Kohorte absolut etwas größer. Von Bedeutung ist auch, dass in der sehr großen Kohorte keinerlei Sicherheitsbedenken im Vergleich zur Kontrollgruppe auftraten.
In einer nicht für kardiovaskuläre Endpunkte selektierten Kohorte liefert DAN-RSV Evidenz für einen geringen zusätzlichen Nutzen in der Verhinderung kardiorespiratorischer Endpunkte durch die RSV-Schutzimpfung. Prospektive Studien in Patientinnen und Patienten mit kardialen Erkrankungen bzw. hohem Risiko müssen zeigen, wie deutlich dieser Effekt ist.
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