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Stille Atherosklerose bei Jüngeren

ESC Congress 2026 | REACT: Die dänisch-spanische prospektive Kohortenstudie untersuchte die Prävalenz der asymptomatischen Atherosklerose mittels Ultraschall und Koronare Computertomographie-Angiographie bei Erwachsenen in unterschiedlichen Altersgruppen. Prof. Henning Bundgaard (Kopenhagen, Dänemark) stellte die Studiendaten in der Session Hot Line 2 vor, die zeitgleich publiziert wurden.1,2


Prof. Ulrich Laufs (Universitätsklinikum Leipzig) kommentiert.

Von:

Prof. Ulrich Laufs

Rubrikleiter Prävention

 

 

31.08.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Studiendesign und Methodik

In die prospektive Kohortenstudie aus Dänemark und Spanien wurden Erwachsene im Alter von 18 bis 70 Jahren ohne bekannte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung in 5 vorab festgelegte Altersgruppen eingeteilt. Die stille Atherosklerose wurde zu Studienbeginn mittels 3D-Sonographie der Hals- und Oberschenkelarterien sowie mittels koronarer CT-Angiographie beurteilt. 

Ergebnisse

Insgesamt wurden 16.808 Erwachsene eingeschlossen (mittleres Alter 45 Jahre und 51,4 % Frauen). Bei 57,1 % der Personen lag eine asymptomatische Atherosklerose vor (95%KI [56,3–58,0]). In der jüngsten Altersgruppe (18 bis 29 Jahre) wurde bei 8,7 % der Männer und 6,7 % der Frauen eine stille Atherosklerose erkannt. Die Prävalenz stieg mit zunehmendem Alter an. In jüngeren Altersgruppen war die Atherosklerose meist peripher und auf ein einzelnes Gefäß beschränkt; mit zunehmendem Alter stieg das Plaquevolumen exponentiell an, und die Prävalenz einer multiarteriellen Beteiligung nahm zu. Eine isolierte Atherosklerose der Koronararterien war in allen Altersgruppen selten (≤9,3 % der Männer und ≤5,0 % der Frauen). 


Die Prävalenz der Atherosklerose stieg bei Männern früher an, während Frauen einen späteren und dann steilen Anstieg in der Lebensmitte zeigten, etwa im typischen Alter der Menopause. Darüber hinaus war das zunehmende Alter mit einer Ausbreitung der Atherosklerose und einem exponentiellen Anstieg des altersbedingten Volumens atherosklerotischer Plaques verbunden. Die meisten Personen mit stiller Atherosklerose im Herzen wiesen auch Atherosklerose in den Hals- und/oder Beinarterien auf. Nur ein kleiner Anteil der Personen mit asymptomatischer Atherosklerose wurde durch SCORE2 als Hochrisikogruppe erkannt: 17 Personen (0,5 %) mit einer stillen Atherosklerose, die auf ein Gefäß beschränkt war und 97 Teilnehmende (3,8 %) mit einer kombinierten peripheren stillen Atherosklerose gehörten laut SCORE2 in die Kategorie mit hohem 10-Jahres-Risiko.

Fazit

Diese Studie zeigte, dass die stille Atherosklerose bereits im frühen Erwachsenenalter nachweisbar ist, wobei Prävalenz und Plaquevolumen alters- und geschlechtsabhängig deutlich ansteigen.

Expertenkommentar

In dieser großen, systematischen Querschnitts-Bildgebungsstudie an Erwachsenen im Alter von 18 bis 70 Jahren ohne bekannte atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung war eine subklinische Atherosklerose bereits bei etwa 1 von 13 Teilnehmenden im Alter von 18 bis 29 Jahren nachweisbar. Die Prävalenz stieg bis zum Alter von 60 bis 70 Jahren sigmoidal auf 9 von 10 Teilnehmende an. Bei Männern stieg die Prävalenz früher an, während Frauen einen späteren und besonders steilen Anstieg in der Lebensmitte (nach der Menopause) zeigten. Die Atherosklerose in verschiedenen Gefäßgebieten war stark miteinander korreliert. Eine koronare Manifestation war in allen Altersgruppen selten (≤9,3 % der Männer und ≤5,0 % der Frauen). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bildgebung der Karotiden die höchste diagnostische Ausbeute lieferte. Dennoch würden 18 % der Personen mit einer Atherosklerose der Arteriae femorales, aber ohne Befund in den Arteriae carotides, fehlklassifiziert, wenn nur die Karotiden untersucht würden. Bei jüngeren Erwachsenen lagen koronare Plaques häufig trotz des Fehlens von Kalzifikationen vor. Dies zeigt, dass ein isoliertes Calcium-Scoring eine frühe koronare Atherosklerose nicht ausschließen kann, da Lipid-Plaques übersehen werden können.


Die vaskuläre Bildgebung lieferte signifikante Zusatzinformationen im Vergleich zu Risiko-Scores. Ein hohes SCORE2-Risiko war hochspezifisch (99,8 %), wies jedoch nur eine geringe Sensitivität (1,9 %) für eine subklinische Atherosklerose auf. Ein moderates bis hohes SCORE2-Risiko hatte eine Spezifität von 87,9 % und eine Sensitivität von 34,1 % für Atherosklerose in der Bildgebung. Folglich erfassen risikofaktorbasierte Scores und die direkte Bildgebung unterschiedliche Informationen, insbesondere in jüngeren Altersgruppen.


Zusammenfassend zeigt die Studie, dass eine frühzeitige Bildgebung die Risikoeinschätzung deutlich verbessert. Die klassischen 10-Jahres-Risiko-Scores erkennen nur einen kleinen Teil der Menschen, bei denen sich bereits atherosklerotische Plaques gebildet haben. 



Zur Person

Prof. Ulrich Laufs

Prof. Ulrich Laufs ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Zu seinen Schwerpunkten gehören insbesondere die kardiovaskuläre Prävention und Lipidstoffwechselstörungen. Er ist Co-Editor-in-Chief des DGK-Fachjournals Clinical Research in Cardiology (CRIC).

Prof. Ulrich Laufs

Key Facts der Studie

In der prospektiven Kohortenstudie wurde die Prävalenz der stillen Atherosklerose mittels Ultraschall und koronarer Computertomographie-Angiographie bei Erwachsenen in unterschiedlichen Altersgruppen untersucht.

Diese Studie zeigte, dass die stille Atherosklerose bereits im frühen Erwachsenenalter nachweisbar ist, wobei Prävalenz und Plaquevolumen alters- und geschlechtsabhängig deutlich ansteigen.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass eine frühzeitige Bildgebung die Risikoeinschätzung deutlich verbessert. Die klassischen 10-Jahres-Risiko-Scores erkennen nur einen kleinen Teil der Menschen, bei denen sich bereits atherosklerotische Plaques gebildet haben.

Referenzen

  1. Bundgaard H. Prevalence of silent atherosclerosis across adult life. Hot Line 2, 29.08.2026, München, ESC 2026
  2. Bundgaard H et al. Prevalence of Silent Atherosclerosis across Adult Life. NEJM 2026

 

Die REACT-Studie wurde durch die Novo Nordisk Foundation finanziert.

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