Die große randomisierte placebokontrollierte Studie aus Australien sollte die Frage beantworten, ob der Nutzen einer Primärprävention mit Statinen gegenüber den Risiken einer Multimedikation bei älteren gesunden Menschen überwiegt. Frauen und Männer (≥70 Jahre alt) ohne CVD, Diabetes oder Demenz erhielten Atorvastatin oder Placebo über eine mittlere Dauer von 6 Jahren. Zu den primären Endpunkten gehörten neben MACE-Ereignissen (MAjor Cardiovascular Events) auch das Überleben ohne Demenz oder körperliche Behinderungen.
Insgesamt wurden 9.971 Personen randomisiert (Durchschnittsalter 74,7 Jahren, 52 % Frauen). Über ein medianes Follow-up von 5,9 Jahren wurde das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse in der Atorvastatin-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe um 30 % reduziert war (6,0 % vs. 8,3 %; HR 0,70; 95%KI [0,61-0,82]; p<0,001).
Das Risiko für Tod, Demenz oder anhaltende körperliche Behinderung unterschied sich jedoch nicht wesentlich zwischen den beiden Gruppen (12,8 % vs. 13,6 %; HR 0,94; 95%KI [0,84-1,05]; p=0,25). Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten jeweils bei 2,7 % der Personen sowohl in der Atorvastatin- als auch in der Placebo-Gruppe auf. Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Muskeln, Leber und Diabetes traten in der Atorvastatin-Gruppe etwas häufiger auf (jeweils bei 1,1 vs. 0,9 %; 0,2 % vs. 0,1 % und 1,1 % vs. 0,7 % der Personen der Atorvastatin- vs. Placebo-Gruppe).
In dieser Studie führte die Behandlung mit Atorvastatin nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 5,9 Jahren zwar zu einem geringeren Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse als Placebo, aber nicht zu einem längeren behinderungsfreien Überleben bei älteren Menschen ohne klinisch nachgewiesene kardiovaskuläre Erkrankung.
Die australischen Kolleginnen und Kollegen haben in STAREE eine bisher nicht untersuchte Population randomisiert. Es wurden knapp tausend ältere Seniorinnen und Senioren (mittleres Alter 74,7 Jahre) ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung und unabhängig von ihrem LDL-Cholesterin eingschlossen und mit Atorvastatin 40 mg oder Placebo behandelt. Die Studie bestätigt die Verträglichkeit und Sicherheit von Statinen auch bei Seniorinnen und Senioren, die häufig weitere Medikamente einnehmen und altersbedingt mehr muskuloskeletale Probleme haben. Relevante muskuläre Probleme traten nur in 1,1 % vs 0,9 % auf. MACE wurden um 30 % reduziert, dabei zeigte sich der größte positive Effekt in der Reduktion von Herzinfarkten (HR 0,57). Tod jeglicher Ursache war numerisch in der Statin-Gruppe seltener (HR 0,91, n.s.). Hier ist zu berücksichtigen, dass 80 % der Todesursachen nicht-kardial waren. Die Effektstärke dieser intention-to-treat-Analyse ist aufgrund von zahlreichen Drop-outs und Cross-over eher unterschätzt. Neue Behinderungen traten zu selten auf, um einen möglichen Effekt zu messen. Die Studie bedeutet nicht, dass alle Menschen über 70 Jahre ein Statin bekommen müssen, aber STAREE bestätigt, dass kardiovaskuläre Ereignisse auch bei älteren Menschen durch LDL-C-Senkung wirksam und sicher reduziert werden.
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