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Gezielte Positionierung der LV-Elektrode für CRT

ESC Congress 2026 | DANISH-CRT: Die dänische Investigator-initiierte Studie untersuchte, ob die gezielte Platzierung der linksventrikulären Elektrode gegenüber der konventionellen Positionierung das Outcome der Resynchronisationstherapie (CRT) bei Personen mit Herzinsuffizienz verbessert. Prof. Jens Cosedis Nielsen (Aarhus, Dänemark) stellte die Daten in der Session Hot Line 10 vor, die zeitgleich publiziert wurden.1,2


Prof. Lars Eckardt (Universitätsklinikum Münster) kommentiert. 

Von:

Dr. Heidi Schörken

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

Expertenkommentar

Prof. Lars Eckardt

Rubrikleiter Rhythmologie

 

07.09.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Hintergrund und Studiendesign

Die kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) wird bei Personen mit Herzinsuffizienz (HI) eingesetzt, die an Leitungsstörungen wie einem Linksschenkelblock (LBBB) leiden. Allerdings zieht bis zu einem Drittel der behandelten Patientinnen und Patienten keinen messbaren Nutzen aus der CRT. Vorhergehende Beobachtungsstudien hatten gezeigt, dass eine späte elektrische Erregung an der linksventrikulären Elektrode mit besserem Outcome verbunden war. Daher wurde in der Investigator-initiierten Studie DANISH-CRT untersucht, ob die gezielte Platzierung der linksventrikulären Elektrode am Ort der spätesten elektrischen Aktivierung Vorteile bringt gegenüber einer konventionellen Elektrodenplatzierung (Kontrollgruppe).


An der doppelblinden Studie nahmen 5 Zentren aus Universitätskliniken in Dänemark teil. Eingeschlossen wurden Personen über 40 Jahre mit Herzinsuffizienz (HI), LVEF ≤35 %, optimaler medikamentöser HI-Therapie, Linksschenkelblock (LBBB) und Indikation für eine Resynchronisationstherapie (CRT). Der primäre Endpunkt war der Komposit aus Tod jeglicher Ursache und HI-Hospitalisierung.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 1.000 Personen in die ITT-Analyse eingeschlossen und 1:1 in die Interventions- oder Kontrollgruppe randomisiert. Die Baseline-Charakteristika beider Gruppen waren vergleichbar (mittleres Alter jeweils 73 bzw. 72 Jahre, Frauenanteil jeweils 26 % bzw. 25 %; mittlere LVEF jeweils 27 %).

 

Über das mediane Follow-up von 46 Monaten trat der primäre Endpunkt bei 139 Personen (28 %) der Interventionsgruppe und bei 128 (26 %) Personen der Kontrollgruppe auf (HR 1,10; 95%KI [0,86–1,39]; p=0,45). Auch die sekundären Endpunkte beider Gruppen waren vergleichbar, darunter Verbesserungen der LVEF (14 % in beiden Gruppen), Verbesserungen der Lebensqualität (12 vs. 11 Scorepunkte im KCCQ-12 CSS) und 6-Minuten-Gehtest (436 m vs. 432 m) jeweils nach 6 Monaten. Das Risiko für Prozedur-bedingte Komplikationen war ebenfalls in beiden Gruppen ähnlich (14 % vs. 13 %; p=0,5). In der Interventionsgruppe traten jedoch elektrodenspezifische Komplikationen etwas häufiger auf (3 % vs. 1 %; p=0,05) und in der Interventionsgruppe kam es zu einem Prozedur-bedingten Todesfall.

Fazit

Die gezielte Platzierung der linksventrikulären Elektrode an der Stelle der spätesten elektrischen Aktivierung führte nicht zur Verringerung des kombinierten primären Endpunkts (Tod oder Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen) gegenüber der konventionellen Elektroden-Positionierung bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und CRT-Indikation.

Expertenkommentar

Wieder einmal eine sehr große, exzellente Studie aus Dänemark. Vordergründig ein negatives Studienergebnis: Die gezielte Platzierung einer linksventrikulären Elektrode im Koronarsystem mit dem Ziel der spätesten elektrischen Aktivierung führte nicht zu einer Outcome Verbesserung (Tod, Herzinsuffizienz Hospitalisierung), war aber mit signifikant mehr LV-Elektroden-Komplikationen verbunden (3 % vs. 1 %). 

 

Bemerkenswert ist - wie in der Präsentation beim ESC vorgestellt - dass sich die Positionen der LV-Elektroden zwischen Intervention und Kontrolle anatomisch kaum unterschieden, so dass der fehlende Nachweis eines Nutzens der Intervention vor dem Hintergrund der exzellenten Positionierung in der Kontrollgruppe in den durchführenden High-Volume-Zentren gesehen werden muss. Ob die Ergebnisse deshalb auf alle CRT-implantierende Zentren z.B. mit weniger Implantationserfahrung übertragbar sind, bleibt offen. Gleichzeitig, aber auch beruhigend, dass weiterhin manchmal "Weniger ist Mehr" gilt und eine zunehmende Komplexität einer Intervention nicht immer zielführend ist. Vielleicht ist gerade bei CRT der Höhepunkt der Innovationsmöglichkeiten längst erreicht.

 

Die Aktivierungszeiten an der linksventrikulären Elektrode unterschieden sich lediglich um 9 ms und waren mit deutlich längeren Prozedurzeiten (Median 100 min vs. 81 min in der Kontrollgruppe) und Röntgenzeiten (22 min vs. 15 min in der Kontrollgruppe) verbunden. Die ventrikukläre Aktivierung (exakte QRS-Breite (bislang) nicht publiziert) bei Entlassung unterschied sich in beiden Gruppen nicht, ein zusätzlicher Indikator für vergleichbares Outcome.

 

Letztlich ist DANISH-CRT keine negative Studie, sondern das Ende der CRT-Innovationen scheint erreicht. Zukünftige RCT zum "Conduction System Pacing" vs. CRT werden dringend erwartet, um den zukünftigen Stellenwert der CRT bei Herzinsuffizienz zu ermitteln. 

Zur Person

Prof. Lars Eckardt

Prof. Lars Eckardt ist als Direktor der Klinik für Kardiologie Rhythmologie am Universitätsklinikum Münster tätig. Innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie war er Vorstandsmitglied mit dem Vorsitz der Kommission für Klinische Kardiovaskuläre Medizin. Zudem ist er Mitglied der European Society of Cardiology und der European Heart Rhythm Association.
Prof. Lars Eckardt

Key Facts der Studie

Die Investigator-initiierte Studie untersuchte, ob die Outcomes der kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) durch die gezielte Platzierung der linksventrikulären Elektrode am Ort der spätesten elektrischen Aktivierung verbessert werden können.

Der primäre Endpunkt (Tod und Herzinsuffizienz-Hospitalisierungen) trat in der Interventions- und Kontrollgruppe gleich häufig auf. Es konnten keine Vorteile für die Interventionsgruppe gefunden werden.

Das Ende der CRT-Innovationen scheint erreicht. Zukünftige RCT zum "Conduction System Pacing" vs. CRT werden dringend erwartet, um den zukünftigen Stellenwert der CRT bei Herzinsuffizienz zu ermitteln. 

Referenzen

  1. Nielsen MJ. DANISH-CRT: Targeted LV lead placement for biventricular pacing for heart failure. Hot Line 10, 30.08.2026, München, ESC 2026.
  2. Nielsen JC et al. Targeted left ventricular lead placement in biventricular pacing for heart failure: a national, multicentre, double-blind, randomised controlled trial in Denmark. Lancet. 2026 Aug 31:S0140-6736(26)01597-7. 
     

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