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Acetylsalicylsäure oder Antikoagulation nach transfemoraler TAVI?

ESC Congress 2026 | ACASA-TAVI: Welche antithrombotische Strategie ist nach TAVI optimal? Die randomisierte ACASA-TAVI-Studie verglich eine orale Antikoagulation mit Acetylsalicylsäure. Dr. Øyvind Lie (Oslo, Norwegen) stellte die Daten in der Session Hot Line 7 vor, die zeitgleich publiziert wurden.1,2


Prof. Tobias Rheude (Deutsches Herzzentrum München) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tobias Rheude

Deutsches Herzzentrum München

 

31.08.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Studiendesign und Methodik

Ziel der Studie war es, die Rate an (subklinischen) Klappenthrombosen nach TAVI zu reduzieren und damit womöglich langfristig zu einer besseren Klappendurabilität beitragen zu können. Hierzu wurden verschiedene antithrombotische Strategien verglichen und die Patientinnen und Patienten im Verhältnis 1:1 zu einer 1-jährigen Therapie mit ASS (75 mg täglich) oder einer oralen Antikoagulation mit einem Faktor-Xa-Hemmer randomisiert.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 360 Patientinnen und Patienten in diese Industrie-unabhängige, prospektiv-randomisierte Studie randomisiert. Nach 1 Jahr zeigte sich bei 32 % in der ASS-Gruppe und in 18 % in der DOAK-Gruppe eine subklinische Klappenthrombose (HALT; hypoattenuated leaflet thickening). Dies entspricht einer Risk Ratio von 0,55 mit einem signifikanten p-Wert von p=0,004.

 

Hinsichtlich der primären Sicherheitsendpunkte, Tod, Schlaganfall oder Myokardinfarkt oder Blutungen, waren die Raten mit 10,6 % in der Aspirin-Gruppe gegenüber 7,5 % in der DOAK-Gruppe ohne wesentlichen Unterschied zwischen den Gruppen. Die beobachteten Ereignisraten lagen damit allerdings deutlich unter den ursprünglich erwarteten 30 %, sodass die Studie diesbezüglich underpowered ist.

Fazit und Kommentar

Zahlreiche vorangegangene Studien haben gezeigt, dass eine Vereinfachung der antithrombotischen Therapie nach TAVI bei dem älteren Patientenkollektiv mit weniger Blutungen und einer geringeren Mortalität assoziiert ist.3,4 Die randomisierte GALILEO-Studie, welche die zusätzliche Gabe von Rivaroxaban nach TAVI bei Patientinnen und Patienten ohne OAK-Indikation untersuchte, wurde aufgrund einer erhöhten Gesamtmortalität sowie einer Zunahme von thromboembolischen und Blutungsereignissen unter Rivaroxaban gar vorzeitig beendet.3

 

Mit ACASA-TAVI wurde nun erneut eine routinemäßige orale Antikoagulation mit einer singulären Plättchenhemmung verglichen, allerdings vor dem Hintergrund eines zunehmend jüngeren TAVI-Kollektivs mit möglicherweise geringerem Blutungsrisiko. Tatsächlich konnte durch den regelhaften Einsatz eines Faktor-Xa-Hemmers die Rate an (subklinischen) Klappenthrombosen signifikant reduziert werden. Ob die Reduktion von HALT jedoch tatsächlich mit einer verbesserten klinischen Prognose oder einer verlängerten Haltbarkeit der Transkatheter-Herzklappen einhergeht, bleibt offen und muss im Langzeitverlauf beantwortet werden. Aufgrund der deutlich niedriger als erwarteten Ereignisraten war die Studie zudem nicht ausreichend gepowert, um Unterschiede hinsichtlich klinischer Ereignisse und insbesondere Blutungen zuverlässig zu beurteilen.

 

Zusammenfassend bleibt die singuläre Plättchenhemmung nach TAVI derzeit der Standard für Patientinnen und Patienten ohne anderweitige Indikation zur oralen Antikoagulation. Ob bestimmte Patientengruppen, wie jüngere Patientinnen und Patienten oder jene nach Valve-in-Valve-TAVI, von einer zusätzlichen oralen Antikoagulation profitieren könnten, muss in weiteren, ausreichend gepowerten Studien untersucht werden.

Zur Person

Prof. Tobias Rheude

Prof. Tobias Rheude ist als Oberarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München tätig. Seine fachlichen Zusatzqualifikationen erwarb er in den Bereichen interventionelle Kardiologie (DGK) sowie internistische Intensivmedizin. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die kathetergestützte Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen sowie kalzifizierte Koronarläsionen.

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Key Facts der Studie

ACASA-TAVI untersuchte den klinischen Nutzen von DOAK (Apixaban, Rivaroxaban oder Edoxaban) vs. ASS über 12 Monate nach der TAVI-Intervention. Die Überlegenheit wurde im Hinblick auf HALT (Verdickung der Herzklappensegel) über 12 Monate überprüft sowie die Nicht-Unterlegenheit für den Sicherheitsendpunkt (Blutungen, thromboembolische Ereignisse und Gesamtmortalität über 12 Monate).

Nach 1 Jahr zeigte sich bei 32 % in der ASS-Gruppe und in 18 % in der DOAK-Gruppe eine subklinische Klappenthrombose (HALT). Hinsichtlich der primären Sicherheitsendpunkte, Tod, Schlaganfall oder Myokardinfarkt oder Blutungen, waren die Raten mit 10,6 % in der ASS-Gruppe gegenüber 7,5 % in der DOAK-Gruppe ohne wesentlichen Unterschied zwischen den Gruppen. 

Zusammenfassend bleibt die singuläre Plättchenhemmung nach TAVI derzeit der Standard für Patientinnen und Patienten ohne anderweitige Indikation zur oralen Antikoagulation. 

Referenzen

  1. Lie Ø. ACASA-TAVI: Antithrombotic therapy after TAVI. Hot Line 7, 30.08.2026, München, ESC 2026
  2. Dodgson CS et al. Anticoagulation Monotherapy vs Antiplatelet Monotherapy After Transcatheter Aortic Valve Implant: The ACASA-TAVI Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026 Aug 30. doi: 10.1001/jama.2026.17036. 
  3. Dangas et al. A Controlled Trial of Rivaroxaban after Transcatheter Aortic-Valve Replacement. N Engl J Med. 2020 Jan 9;382(2):120-129.
  4. Brouwer et al. Aspirin with or without Clopidogrel after Transcatheter Aortic-Valve Implantation. N Engl J Med. 2020 Oct 8;383(15):1447-1457.

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