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Routinemäßige oder selektive Protamingabe nach TAVI?

ESC Congress 2026 | POPular ACE TAVI: Die randomisierte Studie vergleicht eine routinemäßige Antagonisierung der Heparinwirkung mittels Protamin nach transfemoraler TAVI mit einer selektiven Antagonisierung. Dr. Christiaan Overduin (Nieuwegein, Niederlande) stellte die Daten in der Session Hot Line 7 vor.1


Prof. Tobias Rheude (Deutsches Herzzentrum München) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tobias Rheude

Deutsches Herzzentrum München

 

 

31.08.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Hintergrund

Vaskuläre Komplikationen und Blutungen gehören zu den häufigsten Komplikationen nach transfemoraler TAVI mit „Large-Bore Access“.2 Zur Antagonisierung der während der Prozedur eingesetzten Heparinisierung wird am Ende des Eingriffs regelhaft Protamin verabreicht.3 Ob eine routinemäßige Protamingabe Blutungskomplikationen reduzieren kann, ohne dabei das Risiko für thromboembolische Ereignisse zu erhöhen, war bislang jedoch unzureichend untersucht.3

Ergebnisse

In diese Investigatoren-initiierte, randomisierte, doppelblinde Überlegenheitsstudie wurden zwischen November 2023 und September 2025 insgesamt 966 Patientinnen und Patienten an 6 Zentren in den Niederlanden und Belgien randomisiert. Im Routine-Arm wurde am Ende der transfemoralen TAVI Protamin verabreicht und bei ausbleibender Hämostase nach 10 Minuten zusätzlich ein Placebo. Im selektiven Arm wurde initial ein Placebo verabreicht und bei ausbleibender Hämostase nach 10 Minuten Protamin gegeben.

 

Der primäre kombinierte Endpunkt aus Tod jeglicher Ursache oder klinisch relevanten Blutungen trat bei 18,5 % der Patientinnen und Patienten nach routinemäßiger Protamingabe und bei 29,4 % nach selektiver Gabe auf. Dies entspricht einer Risikodifferenz von 10,9 Prozentpunkten und war statistisch signifikant (p<0,001). Der Unterschied wurde maßgeblich durch eine Reduktion von Typ-1-Blutungen nach VARC-3-Kriterien getrieben.

 

Unter der routinemäßigen Protamingabe traten bei sechs Patientinnen und Patienten (1,3 %) anaphylaktische Reaktionen auf. Die Rate thromboembolischer Ereignisse war mit jeweils etwa 4 % in beiden Gruppen gering und vergleichbar. Interessanterweise wurde im selektiven Arm nur bei knapp 18 % Protamin verabreicht, was bedeutet, dass die Operateure dies in 82 % nicht als notwendig erachteten.

Fazit und Kommentar

Die Ergebnisse der Studie POPular ACE TAVI sprechen für eine routinemäßige Protamingabe nach transfemoraler TAVI. Offen bleibt die optimale Dosierung von Protamin, insbesondere ob eine vollständige oder lediglich partielle Antagonisierung der Heparinwirkung angestrebt werden sollte. Zu beachten ist zudem, dass Patientinnen und Patienten, die innerhalb der letzten drei Monate vor der TAVI eine PCI erhalten hatten, von der Studie ausgeschlossen wurden, sodass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf diese Patientengruppe übertragbar sind. Zur abschließenden Beurteilung des Einflusses einer routinemäßigen Protamingabe sowie der Dosierung auf thromboembolische Ereignisse war die Studie nicht ausreichend gepowert.

Zur Person

Prof. Tobias Rheude

Prof. Tobias Rheude ist als Oberarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München tätig. Seine fachlichen Zusatzqualifikationen erwarb er in den Bereichen interventionelle Kardiologie (DGK) sowie internistische Intensivmedizin. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die kathetergestützte Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen sowie kalzifizierte Koronarläsionen.

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Key Facts der Studie

Die randomisierte Studie vergleicht eine routinemäßige Antagonisierung der Heparinwirkung mittels Protamin nach transfemoraler TAVI mit einer selektiven Antagonisierung. 

Der primäre kombinierte Endpunkt aus Tod jeglicher Ursache oder klinisch relevanten Blutungen trat bei 18,5 % der Patientinnen und Patienten nach routinemäßiger Protamingabe und bei 29,4 % nach selektiver Gabe auf. Der Unterschied wurde maßgeblich durch eine Reduktion von Typ-1-Blutungen nach VARC-3-Kriterien getrieben. Unter der routinemäßigen Protamingabe traten bei sechs Patientinnen und Patienten (1,3 %) anaphylaktische Reaktionen auf. Die Rate thromboembolischer Ereignisse war mit jeweils etwa 4 % in beiden Gruppen gering und vergleichbar.

Die Ergebnisse sprechen für eine routinemäßige Protamingabe nach transfemoraler TAVI. Offen bleibt die optimale Dosierung von Protamin, insbesondere ob eine vollständige oder lediglich partielle Antagonisierung der Heparinwirkung angestrebt werden sollte.

Referenzen

  1. Overduin C. The POPular ACE TAVI trial: routine or selective protamine administration after TAVI? Hot Line 7, 30.08.2026, München, ESC 2026
  2. van Nieuwkerk, A, Aarts, H, Hemelrijk, K. et al. Bleeding in Patients Undergoing Transfemoral Transcatheter Aortic Valve Replacement: Incidence, Trends, Clinical Outcomes, and Predictors. J Am Coll Cardiol Intv. 2023 Dec, 16 (24) 2951–2962.
  3. Vriesendorp PA, Nanayakkara S, Heuts S, et al. Routine Protamine Administration for Bleeding in Transcatheter Aortic Valve Implantation: The ACE-PROTAVI Randomized Clinical Trial. JAMA Cardiol. 2024;9(10):901–908. doi:10.1001/jamacardio.2024.2454

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