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Antithrombotische Strategie nach TAVI

ESC Congress 2026 | NOTION-4: Die randomisierte Studie aus Dänemark untersuchte, ob Personen nach TAVI von einer 3-monatigen DOAK-Therapie gefolgt von einem P2Y12-Inhibitor profitieren. Dr. Troels Højsgaard Jørgensen (Kopenhagen, Dänemark) stellte die Daten in der Session Hot Line 7 vor, die zeitgleich publiziert wurden.1,2


Prof. Tanja Rudolph (Herz- und Diabeteszentrums NRW, Bad Oeynhausen) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tanja Rudolph

Rubrikleiterin Strukturelle Herzerkrankungen

 

 

07.09.2026

Bildquelle (Bild oben): Sergii Figurnyi / Shutterstock.com

Hintergrund und Studiendesign

Ein HALT (HypoAttenuated Leaflet Thickening) kann bei 10-30 % aller Patientinnen und Patienten nach TAVI beobachtet werden. Die klinische Relevanz ist bisher nicht eindeutig geklärt. In einigen Beobachtungsstudien wurde ein Zusammenhang mit embolischen Ereignissen sowie vorzeitiger Klappendegeneration gesehen. In der Galileo-4D-Studie, die 2020 publiziert wurde, war die Therapie mit Rivaroxaban im Vergleich zu einer antithrombozytären Therapie mit einer signifikanten Reduktion von HALT assoziiert.3

 

In der prospektiven NOTION-4-Studie wurden Patientinnen und Patienten nach erfolgreicher TAVI-Therapie randomisiert auf eine dauerhafte Monotherapie mit einem P2Y12-Inhibitor (SAPT) oder eine 3-monatige DOAK-Therapie gefolgt von einer Monotherapie mit einem P2Y12-Inhibitor. Alle Patientinnen und Patienten erhielten eine CT-Untersuchung zur Identifikation von HALT nach 3 und 12 Monaten. Der primäre Endpunkt war HALT nach 12 Monaten.

Ergebnisse

Es wurden 377 Patientinnen und Patienten in die Studie eingeschlossen, das mittlere Alter war 79 Jahre. Mit einem STS-Score von durchschnittlich 1,8 entspricht die Kohorte einem Niedrigrisiko-Kollektiv. ASS war mit 96 % der am häufigsten verwendete P2Y12-Inhibitor. Als DOAK wurde am häufigsten Apixaban eingesetzt (98 %).


Der primäre Endpunkt - HALT nach 12 Monaten - war in beiden Gruppen nicht unterschiedlich (32,2 % in der SAPT-Gruppe vs. 28,9 % in der DOAK-Gruppe). Im Gegensatz dazu zeigte sich in der CT-Untersuchung nach 3 Monaten eine signifikant geringere Rate an HALT in der DOAK-Gruppe im Vergleich zur SAPT-Gruppe. Der sekundäre Endpunkt – eine Kombination aus Tod, Schlaganfall und schwerer Blutung – trat signifikant häufiger in der DOAK-Gruppe auf (8,2 % vs. 2,3 %).

Fazit und Kommentar

Die Schlussfolgerung der Autoren war, dass eine 3-monatige DOAK-Therapie das Auftreten von HALT signifikant reduzieren kann, der Effekt aber nach Beendigung der Therapie nicht anhaltend ist. Weiterhin zeigte sich eine signifikante Zunahme klinischer Ereignisse.

 

Für die klinische Praxis ist NOTION-4 eine Bestätigung der aktuellen ESC-Leitlinien. Nach TAVI sollten Patientinnen und Patienten ohne Indikation für eine orale Antikoagulation nur SAPT erhalten.

Zur Person

Prof. Tanja Rudolph

Prof. Tanja Rudolph ist als Oberärztin und Leiterin der Interventionellen Kardiologie in der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, in Bad Oeynhausen tätig. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie und Herzinsuffizienz.
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Key Facts der Studie

Personen mit TAVI wurden in die beiden Arme randomisiert: 3 Monate DOAK gefolgt von einem P2Y12-Inhibitor (DOAK-Gruppe) vs. P2Y12-Inhibitor (SAPT-Gruppe). Primärer Endpunkt war der Anteil der Personen mit HALT (HypoAttenuated Leaflet Thickening).

Der primäre Endpunkt (HALT nach 12 Monaten) war in beiden Gruppen vergleichbar (28,9 % DOAK vs. 32,2 % SAPT), aber der sekundäre Endpunkt (Kombination aus Tod, Schlaganfall und schweren Blutungen) trat signifikant häufiger in der DOAK-Gruppe auf (8,2% vs. 2,3%).

NOTION-4 ist eine Bestätigung der aktuellen ESC-Leitlinien: Nach TAVI sollten Patientinnen und Patienten ohne Indikation für eine orale Antikoagulation nur SAPT erhalten.

Referenzen

  1. Jørgensen TH. NOTION-4. Subclinical leaflet thrombosis after TAVI. Hot Line 7, 30.08.2026, München, ESC 2026
  2. Jørgensen TH et al. Short-Term Anticoagulant Therapy and Subclinical Leaflet Thickening in Transcatheter Aortic Valves: The NOTION-4 Trial. J Am Coll Cardiol. 2026 Aug 30:S0735-1097(26)07505-4. doi: 10.1016/j.jacc.2026.08.023. Epub ahead of print. 
  3. De Backer O et al. Reduced Leaflet Motion after Transcatheter Aortic-Valve Replacement. N Engl J Med. 2020 Jan 9;382(2):130-139. doi: 10.1056/NEJMoa1911426. Epub 2019 Nov 16. 

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