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TTVR nach T-TEER ist sicher und effektiv

New York Valves 2026 | REDEMPTION: Das internationale Register untersuchte erstmals die Wirksamkeit und Sicherheit eines kathetergestützten Trikuspidalklappenersatzes (TTVR) nach einer kathetergestützten Trikuspidalklappen-Reparatur (T-TEER). Die Daten wurden vorgestellt von Dr. Prasham Dave (Toronto, Kanada).1

 

Prof. Tobias Rheude (Deutsches Herzzentrum München) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tobias Rheude

Deutsches Herzzentrum München

 

29.06.2026

Bildquelle (Bild oben): Stephan Guarch / Shutterstock.com

Hintergrund und Zielsetzung

Eine unbehandelte hochgradige Trikuspidalklappeninsuffizienz (TI) ist mit einer deutlich erhöhten Mortalität assoziiert.2 Im Gegensatz zu anderen Klappenvitien wurden Patientinnen und Patienten mit isolierter TI aufgrund des hohen operativen Risikos und häufig bestehenden Begleiterkrankungen historisch nur selten chirurgisch behandelt. Mit der Einführung kathetergestützter Therapieverfahren hat sich das therapeutische Spektrum in den vergangenen Jahren jedoch grundlegend erweitert. Die randomisierten TRILUMINATE- und TRI.FR-Studien konnten zeigen, dass das kathetergestützte Trikuspidalklappen-Repair (T-TEER) einer optimalen medikamentösen Therapie (OMT) überlegen ist.3,4 Während der klinische Nutzen initial vor allem auf einer Verbesserung der Lebensqualität beruhte, zeigten die Langzeitdaten beider Studien inzwischen auch eine Reduktion harter klinischer Endpunkte wie Herzinsuffizienz-bedingter Hospitalisierungen und des kardiovaskulären Todes.5 Auch die randomisierte TRISCEND-II-Studie belegte eine signifikante Überlegenheit des kathetergestützten Trikuspidalklappenersatzes (TTVR) gegenüber der OMT. In den aktuellen 2-Jahres-Daten zeigte sich darüber hinaus erstmals ein Hinweis auf eine reduzierte Mortalität nach TTVR.


Obwohl nach T-TEER bei etwa 25–30 % der behandelten Patientinnen und Patienten eine mindestens moderate rekurrente TI verbleibt, wird das Verfahren aufgrund seines günstigen Nutzen-Risiko-Profils und der bislang hohen Screening-Failure Rate für einen TTVR (z.B. infolge großer Trikuspidalklappenannuli), häufig als primäre Therapiestrategie favorisiert. Direkte Vergleiche zwischen den beiden kathetergestützten Verfahren liegen bislang nicht vor. Die Auswahl erfordert in jedem Fall eine sorgfältige individuelle Patientenselektion im interdisziplinären Heart Team. Das internationale REDEMPTION-Register untersuchte nun erstmals systematisch Patientinnen und Patienten, die nach T-TEER einen TTVR erhielten.

Studiendesign

Insgesamt wurden 76 Patientinnen und Patienten eingeschlossen, die zwischen Februar 2020 und April 2026 an 26 Zentren in 8 Ländern einen TTVR mittels Evoque oder LUX Valve Plus erhielten. Zu den Einschlusskriterien gehörten eine rekurrente TI nach T-TEER, ein Single Leaflet Detachment (SLDA) oder eine gezielte Annulusreduktionen mittels T-TEER, um einen TTVR zu ermöglichen. Der primäre Endpunkt des Registers war der technische Erfolg gemäß TVARC-Kriterien. Sekundäre Endpunkte umfassten die prozedurale Mortalität, die 30-Tages-Mortalität, Veränderungen der NYHA-Klasse, Klappenthrombosen sowie die Notwendigkeit einer Schrittmacherimplantation.

Ergebnisse

Das mittlere Alter lag bei 77,7 Jahren, 61 % waren weiblich und der mittlere EuroSCORE II lag bei 6,2 %. 87 % waren in NYHA Klasse III oder IV und 71 % wiesen eine ≥ massive bzw. torrentielle TI auf. Die prozeduralen T-TEER Charakteristika waren wie folgt: 74 % TriClip, 25 % PASCAL; 55 % 1 Device, 35 % 2 Devices; Lokalisation: antero-septal (90 %), postero-septal (19 %) und anterior-posterior (13 %). In 28 von 75 (37,3 %) Fällen wurde ein sog. ELASTA-Verfahren durchgeführt, d.h. eine gewollte Lazeration eines Clips mit elektrischer Energie, um den TTVR zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt der Analyse lag auf dem Einfluss des vorausgegangenen T-TEER auf die Annulusgeometrie. Durch die Device Implantation entsteht ein funktioneller „Neoannulus", der die Klappengrößenplanung für eine nachfolgende TTVR beeinflusst. Tatsächlich konnten 24 % der Patientinnen und Patienten anhand des Neoannulus einer kleineren EVOQUE-Prothesengröße zugeordnet werden als anhand des nativen Annulus.


Der technische Erfolg lag bei 96 % (73 von 76) gemäß TVARC-Kriterien mit einer prozeduralen Mortalität von 0 %. Die Verteilung der implantierten Klappengrößen war wie folgt: 44 mm (14,7 %), 48 mm (22,7 %), 52 mm (41,3%) und 56 mm (21,3 %). Bei 24 % der Patientinnen und Patienten ergab sich durch den Neoannulus eine kleinere EVOQUE-Klappengröße als anhand des nativen Annulus. Nach 30 Tagen lag die Mortalität bei 3 % (2 von 67). 7,3 % (3 von 41) benötigten einen neuen Schrittmacher und 1,5 % wiesen eine Klappenthrombose auf. 92 % hatten nach TTVR eine ≤ milde TI und 96 % nach 30 Tagen. Zu Studienbeginn befanden sich 87 % der Patienten in NYHA-Klasse III oder IV; nach 30 Tagen waren es nur noch 20 %.

Fazit

Das Autorenteam des REDEMPTION-Registers schlussfolgerte, dass ein perkutaner TK-Ersatz (TTVR) nach T-TEER sicher und effektiv ist; mit einer geringen Mortalität, einer signifikanten Reduktion der TI sowie einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik. Ein ELASTA-Verfahren war in 37 % der Fälle notwendig, um den TK-Ersatz zu ermöglichen. Das Autorenteam schlussfolgert, dass der funktionelle Neoannulus nach T-TEER in ausgewählten Fällen die Implantation einer kleineren TTVR-Prothese ermöglicht und dadurch möglicherweise auch Patientinnen und Patienten mit ursprünglich zu großem Trikuspidalklappenannulus für einen kathetergestützten Klappenersatz in Frage kommen könnten.

Kommentar

Die Daten des REDEMPTION-Registers zeigen, dass ein TTVR nach vorausgegangenem T-TEER technisch gut durchführbar ist und mit einer hohen Erfolgsrate sowie niedrigen Komplikationsraten einhergeht. Besonders interessant ist die systematische Auswertung des kleineren, funktionellen Neoannulus nach T-TEER, wodurch einzelne Patientinnen und Patienten mit ursprünglich zu großem Trikuspidalklappenannulus möglicherweise doch für einen Klappenersatz geeignet sind. Dieses Konzept könnte zukünftig bei ausgewählten Fällen mit grenzwertigen Annulusdimensionen an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig unterstreicht die hohe ELASTA-Rate von 37 %, dass es sich um komplexe Re-interventionen nach T-TEER handelt, die erhebliche technische Expertise erfordern und die Bedeutung einer Behandlung in erfahrenen Herzklappenzentren unterstreichen. 

Zur Person

Prof. Tobias Rheude

Prof. Tobias Rheude ist als Oberarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München tätig. Seine fachlichen Zusatzqualifikationen erwarb er in den Bereichen interventionelle Kardiologie (DGK) sowie internistische Intensivmedizin. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die kathetergestützte Behandlung von strukturellen Herzerkrankungen sowie kalzifizierte Koronarläsionen.

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Key Facts der Studie

Kathetergestützter Trikuspidalklappenersatz (TTVR) nach T-TEER: Real-World-Daten aus dem internationalen REDEMPTION-Register.

Die TTVR nach T-TEER ist sicher und effektiv. Der technische Erfolg lag bei 96 % (73 von 76) gemäß TVARC-Kriterien mit einer prozeduralen Mortalität von 0 %.

Die Daten des REDEMPTION-Registers zeigen, dass ein TTVR nach vorausgegangenem T-TEER technisch gut durchführbar ist und mit einer hohen Erfolgsrate sowie niedrigen Komplikationsraten einhergeht.

Referenzen

  1. Dave P et al. Transcatheter Tricuspid Valve Replacmement after Failed T-TEER: The REDEMPTION registry. Late-Breaking Clinical Science: Tricuspid. New York Valves 2026.
  2. Wang N. et al. Tricuspid regurgitation is associated with increased mortality independent of pulmonary pressures and right heart failure: a systematic review and meta-analysis. Eur Heart J 2019; 40:476–484.  
  3. Sorajja P et al. Transcatheter Repair for Patients with Tricuspid Regurgitation. N Engl J Med 2023;388:1833-1842.
  4. Donal E et al. Transcatheter Edge-to-Edge Repair for Severe Isolated Tricuspid Regurgitation. JAMA 2025;333;(2):124-132.
  5. Kar S et al. Two-Year Outcomes of Transcatheter Edge-to-Edge Repair for Severe Tricuspid Regurgitation: The TRILUMINATE Pivotal Randomized Controlled Trial. Circulation 2025; 151:1630–1638.
  6. Alvarez-Covarrubias H et al. Electrosurgical laceration and stabilisation of tricuspid edge-to-edge repair: the ELASTA-T technique. EuroIntervention. 2026;22(8):e422-e431.

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