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Mitralklappenerkrankungen: Über 16 Millionen Betroffene weltweit

TCT Congress 2026 | GBD-Studie: Die globale Krankheitslast der degenerativen Mitralklappenerkrankung hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Die GBD-Auswertung (Global Burden of Disease) unterstreicht den Bedarf an früher Diagnostik und fairem Zugang zur Therapie. Prof. Juan F. Granada (Columbia University, New York) stellte die Daten vor.1 


PD Dr. Maria Isabel Körber (Universitätsklinikum Köln) berichtet und kommentiert.

Von:

PD Dr. Maria Isabel Körber

Universitätsklinikum Köln

 

 

05.11.2026

Bildquelle (Bild oben): Chris LaBasco / Shutterstock.com

Die degenerative Mitralklappenerkrankung (DMVD), führend repräsentiert durch eine höhergradige Mitralinsuffizienz, zählt in Ländern mit hohem sozioökonomischem Standard zu den häufigen erworbenen Klappenerkrankungen. Unbehandelt kann sie neben Symptomen der Herzinsuffizienz auch Hospitalisierungen und eine eingeschränkte Prognose begünstigen. Erkennung und Behandlung hängen weiterhin stark von lokaler Expertise, Infrastruktur, Kosten und Geräteverfügbarkeit ab. Besonders für ressourcenarme Regionen fehlte bislang eine umfassende Beschreibung der globalen Krankheitslast.

Studiendesign und Methodik

Die degenerative Mitralklappenerkrankung (DMVD), führend repräsentiert durch eine höhergradige Mitralinsuffizienz, zählt in Ländern mit hohem sozioökonomischem Standard zu den häufigen erworbenen Klappenerkrankungen. Unbehandelt kann sie neben Symptomen der Herzinsuffizienz auch Hospitalisierungen und eine eingeschränkte Prognose begünstigen. Erkennung und Behandlung hängen weiterhin stark von lokaler Expertise, Infrastruktur, Kosten und Geräteverfügbarkeit ab. Besonders für ressourcenarme Regionen fehlte bislang eine umfassende Beschreibung der globalen Krankheitslast.

Ergebnisse

Die Zahl der Menschen mit DMVD stieg von rund 7,1 Millionen (1990) auf geschätzte 16,1 Millionen (2023), ein Plus von 126 %. Die altersstandardisierte Prävalenz nahm dagegen leicht ab: von 191,9 auf 175,4 Fälle pro 100.000 Einwohner. Der Anstieg der absoluten Fallzahl ist somit vor allem im Kontext von Bevölkerungswachstum und Alterung (evtl. auch verbesserter diagnostischer Möglichkeiten) zu interpretieren; er belegt keinen entsprechenden Anstieg des altersbereinigten Erkrankungsrisikos.


Rund 68 % der Betroffenen waren mindestens 70 Jahre alt. Männer waren ca. 2-Mal häufiger betroffen als Frauen: 2023 wurden 10,2 Millionen männliche und 5,85 Millionen weibliche Fälle geschätzt. Auch die altersstandardisierte Prävalenz lag bei Männern mit 247,4 pro 100.000 deutlich über jener der Frauen (116,5). Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede nach SDI: Die altersstandardisierte Prävalenz betrug in der höchsten SDI-Gruppe 279,8 pro 100.000, in der niedrigsten 28,6 – nahezu das Zehnfache. Dies ist vermutlich führend durch eingeschränkte diagnostische Kapazitäten zu erklären. Die tatsächliche Krankheitslast in unterversorgten Regionen könnte daher unterschätzt sein.


Die absoluten DMVD-assoziierten Todesfälle stiegen von etwa 22.800 (1990) auf 39.800 (2023), entsprechend einem Plus von 75 %. Insgesamt zeigen sich mehr Todesfälle durch die Überalterung der Bevölkerung. Die globale altersstandardisierte Mortalität sank von ungefähr 0,67 auf 0,45 pro 100.000. Dieser Rückgang wurde vor allem durch Länder mit hohem SDI getragen; in Ländern mit niedrigem SDI stieg die altersstandardisierte Mortalität an. Obwohl Männer häufiger betroffen waren, entfielen 2023 mehr Todesfälle auf Frauen (24.400 gegenüber 15.400 bei Männern). Die meisten Todesfälle traten im Alter von 85 bis 89 Jahren auf. 

Fazit und Kommentar

Die GBD-Auswertung macht die degenerative Mitralklappenerkrankung als relevantes und wachsendes Versorgungsproblem sichtbar. Für die klinische Einordnung ist entscheidend, absolute Fallzahlen und altersstandardisierte Raten zu trennen: Die Zahl der Betroffenen wächst vor allem mit der Alterung der Bevölkerung, während die altersbereinigte Prävalenz global nicht zugenommen hat. Globale Mittelwerte verdecken zudem erhebliche Ungleichheit: In ressourcenstarken Gesundheitssystemen sinkt die altersstandardisierte Mortalität, in Ländern mit niedrigem SDI steigt sie.


Eine frühere Erkennung relevanter Mitralinsuffizienz (Screening bei älteren Menschen mit Herzinsuffizienz-Symptomen und Verbesserung des Zugangs zur Echokardiografie) und bessere Überweisungswege sowie ein fairer Zugang zu chirurgischer und kathetergestützter Behandlung erscheinen auf Boden dieser neuen Daten essenziell. Geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnostik und Outcomes sollten stärker berücksichtigt werden (Männer haben eine 2-fach höhere Prävalenz, wobei Frauen 1,6 Mal mehr Todesfälle aufweisen). Die Daten belegen weder eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen SDI und Mortalität noch die Wirksamkeit einzelner Therapien. Sie liefern aber eine wichtige Grundlage, Forschung, Versorgungsplanung und Innovation stärker auf bislang unterversorgte Gruppen auszurichten. Bezahlbare Diagnostik und skalierbare Behandlungskonzepte sind dafür zentral.

Zur Person

PD Dr. Maria Isabel Körber

PD Dr. Maria Isabel Körber ist Oberärztin am Herzzentrum der Uniklinik Köln mit Schwerpunkt auf interventioneller Echokardiographie und struktureller Klappentherapie. Sie leitet den Bereich interventionelle Bildgebung und ist international in Forschung und Lehre aktiv. Ihre Expertise umfasst kathetergestützte Klappeninterventionen, insbesondere an Mitral- und Trikuspidalklappen.

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Key Facts der Studie

Ziel der Studie war eine globale, epidemiologische Beschreibung und klinische Einordnung der degenerativen Mitralklappenerkrankung (mittel- bis hochgradige Insuffizienz).

Bei 2023 global 16,1 Millionen Betroffenen stieg die absolute Prävalenz seit 1990 um 126 %; fast 70 % der Fälle betreffen Personen über 70 Jahren. Es zeigte sich ein fast zehnfacher Prävalenzunterschied nach sozio-demografischem Entwicklungsstand (279,8 pro 100.000 in der höchsten gegenüber 28,6 in der niedrigsten Gruppe) und die altersstandardisierte Mortalität steigt in Ländern mit niedrigem sozio-demografischem Entwicklungsstand.

Die Studie zeigt die Herausforderungen, die die alternde Bevölkerung in Zukunft weiter birgt. Eine frühere Erkennung und Verbesserung des Zugangs zur Behandlung relevanter Mitralinsuffizienz erscheinen auf Boden dieser neuen Daten essenziell.

Referenzen

  1. Granada JF. Global Burden and Outcomes of Degenerative Mitral Valve Disease: A 30-Year Analysis of the Global Burden of Disease Study. LBCT: Session II, in Collaboration with the New England Journal of Medicine, 02.11.2026, San Diego, TCT 2026

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