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Perfusionsballon und intrakoronares Nicorandil: Prävention von No-Reflow?

TCT Congress 2026 | TomorrowLAND: Die Studie untersuchte, ob die Kombination aus einem Perfusionsballon und intrakoronar appliziertem Nicorandil das Auftreten von Slow-Flow und No-Reflow bei Personen mit STEMI und primärer PCI reduzieren kann. Prof. Takashi Muramatsu (Toyoake, Japan) stellte die Daten vor.1 


PD Dr. Luise Gaede (Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken) berichtet und kommentiert.

Von:

PD Dr. Luise Gaede

Rubrikleiterin Vaskuläre Herzerkrankungen

 

03.11.2026

Bildquelle (Bild oben): Chris LaBasco / Shutterstock.com

Das No-Reflow-Phänomen bleibt eine relevante Komplikation der primären PCI beim akuten Myokardinfarkt. Je nach Definition und Untersuchungsmethode tritt es bei etwa 5–25 % der Patientinnen und Patienten auf. Prädisponierende Faktoren sind unter anderem eine hohe Thrombuslast, lange Ischämiezeiten, große Infarktareale und ausgeprägte Koronarkalzifikationen. Das Auftreten eines No-Reflow ist mit einer größeren Infarktgröße, ungünstigerem linksventrikulärem Remodeling und einer erhöhten Mortalität assoziiert. Trotz verschiedener medikamentöser und interventioneller Ansätze bleibt sowohl die Prävention als auch die Behandlung des No-Reflow aufgrund der begrenzten und heterogenen Evidenz eine Herausforderung.

 

Nicorandil ist ein hybrider ATP-sensitiver Kaliumkanal-Öffner mit Nitrat-Anteil. Er soll die Mikrozirkulation verbessern und das No-Reflow-Phänomen verhindern.

Studiendesign und Methodik

Die TomorrowLAND-Studie randomisierte 174 Patientinnen und Patienten mit STEMI und entsprechender Culprit-Läsion an 16 Zentren in Japan im Verhältnis 1:1 zur Behandlung mit dem Perfusionsballon und in eine Kontroll-Arm, der mittels Direkt-Stenting behandelt wurde.


Im experimentellen Arm (Perfusionsballon-Gruppe) kam ein spezieller Perfusionsballon (RX Ryusei Perfusion Balloon, Kaneka, Tokio, Japan) zum Einsatz. Dieser verfügt über seitliche Öffnungen im Ballonschaft, die während der Inflation einen Blutfluss distal des Ballons ermöglichen. Der Ballon wurde für bis zu 3 Minuten bei Nominaldruck (6 atm) inflatiert. Währenddessen wurden jeweils 2 mg Nicorandil nach 1 und 2 Minuten sowie unmittelbar nach Deflation appliziert (geplante Gesamtdosis: 6 mg).


Ausgeschlossen waren unter anderem Personen mit kardiogenem Schock, notwendigem Einsatz eines mechanischen Kreislaufunterstützungssystems vor der PCI, einem Gefäßdurchmesser unter 2,5 mm oder über 4,0 mm sowie einer erwarteten Notwendigkeit zur Atherektomie.


Der primäre Effektivitätsendpunkt war das Auftreten von Slow-Flow oder No-Reflow (TIMI-Flussgrad <3) während der Prozedur, definiert anhand der angiographischen Beurteilung nach Ballondilatation, Stentimplantation oder am Ende der Intervention. Primärer Sicherheitsendpunkt war ein kombinierter Endpunkt aus Tod, Myokardinfarkt, Schlaganfall und Revaskularisation des Zielgefäßes nach 30 Tagen. Die Studie war auf Überlegenheit ausgelegt.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 174 Patientinnen und Patienten randomisiert (89 in die Perfusionsballon-Gruppe, 85 in die Kontrollgruppe). Die Personen im Perfusionsballon-Arm waren jünger (66 vs. 74 Jahre; p=0,003) und hatten seltener eine chronische Niereninsuffizienz (29,1 % vs. 57,1 %; p<0,01). Hinsichtlich des Geschlechtes (ca. 80 % männlich) und der linksventrikulären Funktion (im Mittel 49 %) bestanden keine wesentlichen Unterschiede.


Beim primären Effektivitätsendpunkt zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen: Slow-Flow oder No-Reflow trat bei 48,8 % der Teilnehmenden im Perfusionsballon-Arm und bei 54,2 % in der Kontrollgruppe auf (adjustierte Risikodifferenz −5,1 %; 95%KI [−20,3; 10,0]; p=0,51).


In einer explorativen Analyse zeigte sich unmittelbar nach Stentimplantation zwar ein geringeres Auftreten eines ausgeprägten No-Reflow (TIMI 0–1) in der Perfusionsballon-Gruppe (6,5 % vs. 17,1 %; p=0,04). Dieser Unterschied war jedoch in der abschließenden Angiographie nicht mehr nachweisbar (4,8 % vs. 7,2 %; p=0,54).


Auch hinsichtlich des Sicherheitsendpunkts zeigte sich kein signifikanter Unterschied: MACE nach 30 Tagen traten bei 2,5 % der Personen im Perfusionsballon-Arm und bei 7,5 % in der Kontrollgruppe auf (HR 0,34; 95%KI [0,07–1,68]; p=0,19).

Fazit und Kommentar

Leider liefert auch die TomorrowLAND-Studie keine bahnbrechende neue Strategie zur Prävention des No-Reflow. Der primäre Endpunkt wurde verfehlt. Zwar zeigte sich unmittelbar nach Stentimplantation ein Signal zugunsten der Kombination aus Perfusionsballon und Nicorandil, dieses bestätigte sich jedoch nicht in der finalen Angiographie.


Somit bleibt nur die bisherige Evidenz zur Therapie eines bestehenden No-Reflow: Eine 2026 im JACC: Advances publizierte Network-Metaanalyse von 13 randomisierten Studien mit 1.674 Patientinnen und Patienten zeigte Vorteile für intrakoronares Verapamil und Epinephrin hinsichtlich der Wiederherstellung eines TIMI-3-Flusses.2 Adenosin verbesserte lediglich die ST-Streckenresolution, für Nitroprussid ließ sich diesbezüglich kein signifikanter Vorteil nachweisen. Ein Effekt auf harte klinische Endpunkte konnte für keine der untersuchten Substanzen belegt werden.

Zur Person

PD Dr. Luise Gaede

PD Dr. Luise Gaede ist Standortleitung der Kardiologie/Intensivmedizin am Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie, Herzinsuffizienz sowie Intensiv- & Notfallmedizin.
PD Dr. Luise Gaede

Key Facts der Studie

Die Studie untersuchte, ob die Kombination aus einem Perfusionsballon und intrakoronar appliziertem Nicorandil das Auftreten von Slow-Flow und No-Reflow bei Personen mit STEMI und primärer PCI reduzieren kann.

Der primäre Endpunkt wurde verfehlt. Zwar zeigte sich unmittelbar nach Stentimplantation ein Signal zugunsten der Kombination aus Perfusionsballon und Nicorandil, dieses bestätigte sich jedoch nicht in der finalen Angiographie

Somit bleibt nur die bisherige Evidenz zur Therapie eines bestehenden No-Reflow: So wurden bereits Vorteile für intrakoronares Verapamil und Epinephrin hinsichtlich der Wiederherstellung eines TIMI-3-Flusses gezeigt, Adenosin verbesserte lediglich die ST-Streckenresolution.

Referenzen

  1. Muramatsu T. Intracoronary Delivery of Nicorandil for Prevention of No-Reflow in Patients Undergoing Primary PCI for STEMI: A Multicenter Randomized Trial. LBCT: Session II, in Collaboration with the European Heart Journal, 02.11.2026, San Diego, TCT 2026
  2. Oliveri F et al. Intracoronary Vasoactive Therapy for No-Reflow During Primary PCI: A Network Meta-Analysis of Randomized Trials. JACC Adv. 2026 Mar;5(3):102599. doi: 10.1016/j.jacadv.2026.102599

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