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TAVI bei mittelgradiger Aortenklappenstenose?

TCT Congress 2026 | PROGRESS: Die internationale Studie untersuchte den frühzeitigen Einsatz der TAVI bei mittelgradiger AS. Dr. Philippe Généreux (Morristown Medical Center, USA) stellte die Daten vor, die zeitgleich im NEJM publiziert wurden.1,2


Prof. Tanja Rudolph (Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen) berichtet und kommentiert.

Von:

Prof. Tanja Rudolph

Rubrikleiterin Strukturelle Herzerkrankungen

 

03.11.2026

Bildquelle (Bild oben): Chris LaBasco / Shutterstock.com

Studiendesign und Methodik

Die internationale Studie mit mehr als 2.200 Teilnehmenden aus 6 Ländern untersuchte den frühzeitigen Einsatz der TAVI bei Personen mit mittelgradiger Aortenklappenstenose und einem der folgenden Risikofaktoren: reduzierte Ejektionsfraktion (<60 %), diastolische Dysfunktion ≥2, Schlagvolumen-Index <35 ml/m2, Vorhofflimmern innerhalb der letzten 6 Monate, NTproBNP <3fache Erhöhung über Norm oder erhöhter Calcium Score im CT. Primäre Endpunkte waren der Komposit aus Tod und Herzinsuffizienz-Ereignissen nach 2 Jahren sowie Sicherheitsereignisse nach 30 Tagen.

Ergebnisse

Die aktuellen ESC-Leitlinien empfehlen bei moderater Aortenklappenstenose zunächst ein konservatives Prozedere mit klinischen und echokardiografischen Kontrollen alle 1–2 Jahre.

 

In PROGRESS wurden 744 Patientinnen und Patienten mit mittelgradiger Aortenklappenstenose und einem zusätzlichen Risikofaktoren eingeschlossen. Es erfolgte eine 1:1-Randomisierung auf TAVI versus Klinische Überwachung (CS). Das mittlere Alter der Teilnehmenden lag bei 78,4 Jahren, 39,1 % waren weiblich. 35,5 % der Teilnehmenden waren hochsymptomatisch (NYHA II-IV), 72 % hatten mehr als 2 Risikofaktoren.


Der primäre Effektivitätsendpunkt (Kombination aus Tod oder Herzinsuffizienz-Ereignis nach 2 Jahren) trat signifikant häufiger in der CS-Gruppe auf: 23,9 % vs. 16,7 %, HR 0,67; 95%KI (0,48; 0,93); Δ –7,2 (–13,1; –1,3); p=0,02. Herzinsuffizienz-Ereignisse waren ebenfalls häufiger in der CS-Gruppe im Vergleich zur TAVI-Gruppe (19,0 % vs. 10,8 %; HR 0,55; 95%KI [0,37, 0,81], p=0,002). Ebenso wurden mehr Hospitalisationen aufgrund von Herzinsuffizienz verzeichnet (14,9 % vs. 7,4 %, HR 0,48; 95%KI [0,30, 0,77], p=0,001). Der präspezifizierte hierarchische sekundäre Endpunkt (Tod, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz-Hospitalisierung) trat nach 2 Jahren in der TAVI-Gruppe bei 17,7 % ein, in der CS-Gruppe allerdings bei 23,2 %; 95%KI -5,6 (–11,5, 0,3), p=0,07. Hinsichtlich der Mortalität zeigte sich kein Unterschied.


Während des Follow-up erhielten 204 initiale CS-Patientinnen und -Patienten eine TAVI, etwa 80 % der Personen hatte eine Progression zu einer hochgradiger Aortenklappenstenose. In diesen Teilnehmenden zeigte sich eine signifikante Reduktion der Lebensqualität erfasst mit KCCQ. Der primäre Sicherheitsendpunkt (Kombination aus Tod, Schlaganfall, lebensbedrohliche oder fatale Blutung, akute Niereninsuffizienz, Device oder Prozedur-bedingte Hospitalisation oder Klappenfehlfunktion nach 30 Tagen) wurde bei 5,9 % der Personen in der TAVI-Gruppe beobachtet.

Fazit und Kommentar

PROGRESS zeigte als erste randomisierte Studie, dass Patientinnen und Patienten mit moderater Aortenklappenstenose und mindestens einem Risikofaktor von einer frühzeitigen Behandlung profitieren können. Entscheidend ist hier eine optimale Patientenselektion unter Berücksichtigung der Symptomatik, Abwägung der interventionellen Risiken und des Lifetime-Management.

Zur Person

Prof. Tanja Rudolph

Prof. Tanja Rudolph ist als Oberärztin und Leiterin der Interventionellen Kardiologie in der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, in Bad Oeynhausen tätig. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie und Herzinsuffizienz.
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Key Facts der Studie

Vergleich der Outcomes nach frühzeitiger TAVI vs. abwartender Strategie bei Personen mit mittelgradiger Aortenklappenstenose. Primäre Endpunkte waren der Komposit aus Tod und Herzinsuffizienz-Ereignissen nach 2 Jahren sowie Sicherheitsereignisse nach 30 Tagen.

Teilnehmende mit moderater Aortenklappenstenose und einem zusätzlichen Risikofaktor hatten nach 2 Jahren ein besseres Outcome als Personen, die klinisch engmaschig überwacht werden. Insbesondere zeigte sich eine Reduktion an Herzinsuffizienz-Ereignissen und -Hospitalisierungen.

Patientinnen und Patienten mit moderater Aortenklappenstenose und mindestens einem Risikofaktor können von einer frühzeitigen Behandlung profitieren. Entscheidend ist hier eine optimale Patientenselektion unter Berücksichtigung der Symptomatik, Abwägung der interventionellen Risiken und des Lifetime-Management.

Referenzen

  1. Généreux P. TAVR or Clinical Surveillance for Moderate Aortic Stenosis: Primary Results of the PROGRESS Randomized Trial. LBCT: Session II, in Collaboration with the New England Journal of Medicine, 02.11.2026, San Diego, TCT 2026
  2. Généreux P et al. TAVR in Patients with Moderate Aortic Stenosis with At-Risk Features. N Engl J Med. 2026 Nov 2. doi: 10.1056/NEJMoa2607326. Epub ahead of print.

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