Die internationale Studie mit mehr als 2.200 Teilnehmenden aus 6 Ländern untersuchte den frühzeitigen Einsatz der TAVI bei Personen mit mittelgradiger Aortenklappenstenose und einem der folgenden Risikofaktoren: reduzierte Ejektionsfraktion (<60 %), diastolische Dysfunktion ≥2, Schlagvolumen-Index <35 ml/m2, Vorhofflimmern innerhalb der letzten 6 Monate, NTproBNP <3fache Erhöhung über Norm oder erhöhter Calcium Score im CT. Primäre Endpunkte waren der Komposit aus Tod und Herzinsuffizienz-Ereignissen nach 2 Jahren sowie Sicherheitsereignisse nach 30 Tagen.
Die aktuellen ESC-Leitlinien empfehlen bei moderater Aortenklappenstenose zunächst ein konservatives Prozedere mit klinischen und echokardiografischen Kontrollen alle 1–2 Jahre.
In PROGRESS wurden 744 Patientinnen und Patienten mit mittelgradiger Aortenklappenstenose und einem zusätzlichen Risikofaktoren eingeschlossen. Es erfolgte eine 1:1-Randomisierung auf TAVI versus Klinische Überwachung (CS). Das mittlere Alter der Teilnehmenden lag bei 78,4 Jahren, 39,1 % waren weiblich. 35,5 % der Teilnehmenden waren hochsymptomatisch (NYHA II-IV), 72 % hatten mehr als 2 Risikofaktoren.
Der primäre Effektivitätsendpunkt (Kombination aus Tod oder Herzinsuffizienz-Ereignis nach 2 Jahren) trat signifikant häufiger in der CS-Gruppe auf: 23,9 % vs. 16,7 %, HR 0,67; 95%KI (0,48; 0,93); Δ –7,2 (–13,1; –1,3); p=0,02. Herzinsuffizienz-Ereignisse waren ebenfalls häufiger in der CS-Gruppe im Vergleich zur TAVI-Gruppe (19,0 % vs. 10,8 %; HR 0,55; 95%KI [0,37, 0,81], p=0,002). Ebenso wurden mehr Hospitalisationen aufgrund von Herzinsuffizienz verzeichnet (14,9 % vs. 7,4 %, HR 0,48; 95%KI [0,30, 0,77], p=0,001). Der präspezifizierte hierarchische sekundäre Endpunkt (Tod, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz-Hospitalisierung) trat nach 2 Jahren in der TAVI-Gruppe bei 17,7 % ein, in der CS-Gruppe allerdings bei 23,2 %; 95%KI -5,6 (–11,5, 0,3), p=0,07. Hinsichtlich der Mortalität zeigte sich kein Unterschied.
Während des Follow-up erhielten 204 initiale CS-Patientinnen und -Patienten eine TAVI, etwa 80 % der Personen hatte eine Progression zu einer hochgradiger Aortenklappenstenose. In diesen Teilnehmenden zeigte sich eine signifikante Reduktion der Lebensqualität erfasst mit KCCQ. Der primäre Sicherheitsendpunkt (Kombination aus Tod, Schlaganfall, lebensbedrohliche oder fatale Blutung, akute Niereninsuffizienz, Device oder Prozedur-bedingte Hospitalisation oder Klappenfehlfunktion nach 30 Tagen) wurde bei 5,9 % der Personen in der TAVI-Gruppe beobachtet.
PROGRESS zeigte als erste randomisierte Studie, dass Patientinnen und Patienten mit moderater Aortenklappenstenose und mindestens einem Risikofaktor von einer frühzeitigen Behandlung profitieren können. Entscheidend ist hier eine optimale Patientenselektion unter Berücksichtigung der Symptomatik, Abwägung der interventionellen Risiken und des Lifetime-Management.