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TAVI oder Chirurgie bei schwerer Aorteninsuffizienz?

TCT Congress 2026 | SEASTAR: Die erste randomisierte Studie zu TAVI mit einer Transkatheter Prothese (DOCS Valve, Wuhan Vickor Medical Technology) versus chirurgischem Klappenersatz bei schwerer Aorteninsuffizienz zeigt nach einem Jahr eine niedrige Sterblichkeit in beiden Gruppen. Dr. Yaofu Zheng (Nanchang, China) stellte die vorläufigen Daten vor.1 

 

Dr. Philipp Lauten (Zentralklinik Bad Berka) berichtet und kommentiert.

Von:

Dr. Philipp Lauten

Zentralklinik Bad Berka

 

 

08.11.2026

Bildquelle (Bild oben): Chris LaBasco / Shutterstock.com

Die symptomatische schwere Aorteninsuffizienz (AI) geht unbehandelt mit einer hohen Sterblichkeit einher. Dennoch erhält nur ein Teil der Betroffenen einen Klappenersatz: In einer US-Analyse wurden lediglich 25,7 % der Patientinnen und Patienten mit symptomatischer schwerer AI innerhalb eines Jahres operiert.2 Die TAVI mit für die Aortenstenose entwickelten Prothesen ist bei fehlender Verkalkung durch Migration und residuelle Insuffizienz limitiert; in einem frühen Register lag die 1-Jahres-Mortalität bei 24,1 %.3 Die ESC/EACTS-Leitlinie 2025 nennt die TAVI bei AI erstmals als Option mit einer geeigneten Prothese, allerdings nur für symptomatische, nicht operable Patientinnen und Patienten mit geeigneter Anatomie in erfahrenen Zentren (Klasse IIb).4 Randomisierte Vergleichsdaten zur Chirurgie fehlten bislang.

Studiendesign

SEASTAR ist eine prospektive, multizentrische, randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie. An 8 Zentren in China wurden 168 Patientinnen und Patienten mit symptomatischer schwerer nativer AI (Grad ≥3) und intermediärem oder hohem Operationsrisiko 1:1 auf eine TAVI mit der DOCS VALVE (Wuhan Vickor Medical Technology ) oder einen chirurgischen Aortenklappenersatz (SAVR) randomisiert. Die selbstexpandierende Nitinol-Prothese verankert sich über integrierte Locatoren in den Aortensinus. Primärer Endpunkt war die Gesamtmortalität nach 12 Monaten (Nichtunterlegenheitsgrenze 12,5 %). Sekundäre Endpunkte waren Device- und Prozedurerfolg, Hämodynamik, KCCQ und NYHA-Klasse.

Ergebnisse

Die Teilnehmenden waren im Mittel 71,0  (TAVI)bzw. 70,2 Jahre (SAVR) alt und überwiegend männlich (83,3 % TAVI vs. 79,8 % SAVR). Nach 12 Monaten verstarben 2 von 84 Patientinnen und Patienten nach TAVI (2,4 %) und 1 von 84 nach SAVR (1,2 %; Risikodifferenz +1,2 %; 95%KI [−2,8; +5,2]). Die obere Konfidenzgrenze lag damit innerhalb der Nichtunterlegenheitsgrenze. Der Device-Erfolg betrug in beiden Gruppen 100 %, der Prozedurerfolg 98,8 % vs. 100 %. Nach TAVI war der mittlere Gradient niedriger (3,0 vs. 10,1 mmHg; p<0,001) und der KCCQ-Score nach 12 Monaten höher (84,9 vs. 77,0 Punkte; p=0,018). Die NYHA-Verteilung war vergleichbar (NYHA I–II: 80,0 % vs. 81,1 %).


Eine Klappenmigration trat nicht auf. Nach TAVI waren neue Schrittmacherimplantationen (16,7 % vs. 0 %) und mindestens mittelgradige paravalvuläre Lecks (4,7 % vs. 0 %) häufiger, ebenso schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (26,2 % vs. 16,7 %).


Limitationen: Zum Datenschnitt hatten erst 45,8 % (77/168) das 12-Monats-Follow-up abgeschlossen. Die Ereigniszahlen sind sehr niedrig und die Nichtunterlegenheitsgrenze ist weit gesetzt. Nicht alle Randomisierten erhielten die zugewiesene Therapie (as-treated: 81 TAVI, 70 SAVR).

Fazit und Kommentar

SEASTAR liefert die ersten randomisierten Daten zu TAVI versus Chirurgie bei schwerer nativer AI – ein wichtiger Schritt für ein Feld, das bislang auf Register angewiesen war. Mit einer dedizierten, sinusverankerten Prothese gelang die Implantation zuverlässig, Migrationen blieben aus, Hämodynamik und Lebensqualität waren günstig.


Für eine belastbare Aussage zur Nichtunterlegenheit ist es jedoch zu früh: Weniger als die Hälfte des Kollektivs hat das 1-Jahres-Follow-up erreicht, und bei insgesamt drei Todesfällen ist die Mortalität als Endpunkt wenig trennscharf. Der Preis der TAVI bleiben die höhere Schrittmacherrate und das häufigere relevante paravalvuläre Leck – bei einer im Mittel 70-jährigen Population mit langer Lebenserwartung ist das nicht trivial. Offen ist zudem die Übertragbarkeit auf europäische Patientinnen und Patienten und auf andere dedizierte Systeme. Bis zur finalen Analyse und zu weiteren randomisierten Daten, etwa aus der laufenden ARTIST-Studie (Trilogy Jena Valve  vs. SAVR)5, bleibt die Chirurgie bei operablen Patientinnen und Patienten der Standard; für nicht operable ist die TAVI in erfahrenen Zentren eine Option mit einer geeigneten TAVI-Prothese, wie es die Leitlinie vorsieht.

Zur Person

Dr. Philipp Lauten

Dr. Philipp Lauten ist Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin am Herzzentrum der Zentralklinik Bad Berka. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen interventionelle Klappentherapie, komplexe Koronartherapie sowie der internistischen Intensivmedizin. In der AGIK ist er zudem Sprecher des Arbeitskreises TAVI.

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Key Facts der Studie

Vergleich von TAVI mit der DOCS VALVE versus chirurgischem Aortenklappenersatz bei symptomatischer schwerer nativer Aorteninsuffizienz und intermediärem oder hohem Operationsrisiko; primärer Endpunkt war die Gesamtmortalität nach 12 Monaten.

Niedrige 1-Jahres-Mortalität in beiden Gruppen (2,4 % vs. 1,2 %) innerhalb der Nichtunterlegenheitsgrenze, keine Klappenmigration, bessere Hämodynamik und Lebensqualität nach TAVI, aber mehr Schrittmacher (16,7 % vs. 0 %) und mehr paravalvuläre Lecks. Erst 45,8 % hatten das 12-Monats-Follow-up abgeschlossen.

SEASTAR leiferte vielversprechende, aber vorläufige Daten. Die Chirurgie bleibt bei operablen Patientinnen und Patienten Standard; die TAVI mit dedizierten Prothesen ist bei nicht operablen Patientinnen und Patienten in erfahrenen Zentren eine Option.

Referenzen

  1. Zeng Y. Transcatheter vs. Surgical AVR for Symptomatic, Severe Aortic Regurgitation: One-Year Outcomes from a Multicenter Randomized Trial. LBCT: Session III, in Collaboration with the JACC, 03.11.2026, San Diego, TCT 2026
  2. Thourani VH et al. Treatment patterns, disparities, and management strategies impact clinical outcomes in patients with symptomatic severe aortic regurgitation. Struct Heart. 2021;5(6):608–618. doi:10.1016/j.shj.2021.08.003
  3. Yoon SH et al. Transcatheter aortic valve replacement in pure native aortic valve regurgitation. J Am Coll Cardiol. 2017;70(22):2752–2763. doi:10.1016/j.jacc.2017.10.006
  4. Praz F et al. 2025 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease. Eur Heart J. 2025;46:4635. doi:10.1093/eurheartj/ehaf194
  5. ARTIST: Aortic Regurgitation Trial Investigating Surgery Versus Trilogy. ClinicalTrials.gov NCT06608823.

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