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Kardio-Digital-Register: Wie nutzen Patientinnen und Patienten Apps fürs Herz?

Welche digitalen Gesundheitsanwendungen nutzen Menschen mit Herzerkrankungen tatsächlich? Das Kardio-Digital-Register erhebt den Status quo der App-Nutzung in der Kardiologie. Gleichzeitig erprobt das Projekt, wie sich medizinische Versorgungsstudien vollständig digital durchführen lassen.

Von:

Romy Martínez

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

03.11.2026

Bildquelle (Bild oben): Innovationsraum

Digitale Anwendungen in der Kardiologie: Was wird tatsächlich genutzt?

Blutdruck messen, die Herzfrequenz im Blick behalten oder an die Medikamenteneinnahme erinnert werden: Digitale Gesundheitsanwendungen bieten vielfältige Möglichkeiten, Patientinnen und Patienten im Alltag zu unterstützen. Welche Anwendungen tatsächlich genutzt werden und für welche kardiologischen Erkrankungen sie zum Einsatz kommen, soll nun das Kardio-Digital-Register systematisch erfassen, denn bislang fehlt eine entsprechende Erhebung für die kardiologische Versorgung. 

 

Die multizentrische, prospektive Versorgungsstudie mit dem Titel „Digitale Gesundheitsanwendungen in der Kardiologie – ein patientenzentriertes Register für den Status quo“ soll erfassen, wie verbreitet die Nutzung digitaler medizinischer und speziell kardiologischer Anwendungen ist. Darüber hinaus wird untersucht, für welche Krankheitsbilder sie eingesetzt werden und welchen Stellenwert Empfehlungen durch behandelnde Kardiologinnen und Kardiologen haben. Das von der Deutschen Herzstiftung geförderte Projekt wurde von PD Dr. Philipp Breitbart (Frankfurt), Dr. Hannah Billig (Bonn) und Prof. Benjamin Meder (Heidelberg) initiiert. Dr. Christoph Reich sowie der Informatiker Dr. Reto Wettstein (beide Heidelberg) sind ebenfalls maßgeblich daran beteiligt.

Grundlage für zukünftige Empfehlungen

Ein Beweggrund für das Projekt ist die bislang geringe Zahl zugelassener digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) in der Kardiologie. Für die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) muss ein positiver Versorgungseffekt nachgewiesen werden.

 

 „In der Sektion eCardiology der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) wurde bereits diskutiert, ob die Fachgesellschaft Empfehlungen für die Bewertung solcher Anwendungen formulieren sollte“, erzählt Breitbart. Dafür brauche es aber zunächst eine belastbare Grundlage: Welche Apps werden bereits eingesetzt, welche Bedürfnisse bestehen und wo liegen mögliche Versorgungslücken?

 

Die Idee folgt einem grundlegenden Prinzip der Präventionsforschung: Vor der Entwicklung geeigneter Maßnahmen muss zunächst die Ausgangssituation erfasst werden. „Bevor wir Empfehlungen für sinnvolle Anwendungen entwickeln, müssen wir zunächst wissen, wie die aktuelle Versorgungssituation aussieht“, so Breitbart. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, zukünftige Empfehlungen zur Entwicklung und zum Einsatz herzmedizinischer Apps stärker an der Versorgungspraxis auszurichten.

Infobox: So können Kardiologinnen und Kardiologen das Register unterstützen

Kardiologinnen und Kardiologen können folgendermaßen beitragen:

 

  • Auf die Umfrage aufmerksam machen: Patientinnen und Patienten über das Kardio-Digital-Register informieren.

  • QR-Code oder Fragebogen-Link teilen: Studienflyer im Wartebereich bereitstellen oder ihn bzw. den Link im Rahmen der Behandlung weitergeben. Für mehr Informationen und Unterlagen kann PD Dr. Philipp Breitbart gern direkt per E-Mail kontaktiert werden.

  • Teilnahme ermöglichen: Volljährige Patientinnen und Patienten in ambulanter oder stationärer kardiologischer Behandlung ermutigen, ihre Erfahrungen mit digitalen Gesundheitsanwendungen einzubringen

 

Die Teilnahme an der Onlinebefragung dauert etwa fünf Minuten. Jede Teilnahme hilft, den aktuellen Stand der Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen in der Kardiologie besser zu erfassen und eine Grundlage für zukünftige Empfehlungen zu schaffen.

Versorgungsforschung vollständig digital

Das Projekt verfolgt noch ein zweites Ziel: Es soll erprobt werden, ob sich medizinische Versorgungsstudien vollständig online durchführen lassen. Dazu werden digitalisierte Kurzfragebögen eingesetzt, deren Anwendung im Rahmen der Studie geprüft wird. Das Konzept könnte auch für andere medizinische Fachgebiete interessant sein.

 

Die Teilnahme erfolgt über Informationsmaterialien mit QR-Code oder über diesen Link. Interessierte Patientinnen und Patienten können online einwilligen und ihre Angaben selbstständig digital übermitteln. Die Daten werden so erfasst, dass sie direkt statistisch ausgewertet werden können.

Das unterscheidet sich vom üblichen Ablauf klinischer Studien, bei denen Studienpersonal Patientinnen und Patienten ansprechen, aufklären, Daten zusammentragen und in die Studiendatenbank übertragen muss. „Wenn die Teilnehmenden ihre Angaben direkt online eingeben, kann das den organisatorischen Aufwand deutlich verringern“, sagt Breitbart. Das Verfahren soll zeigen, ob sich auf diese Weise Versorgungsstudien effizienter umsetzen lassen.

 

Ein Beispiel für das Potenzial solcher Ansätze lieferte eine Implementierungsstudie zur App FibriCheck für das Screening auf Vorhofflimmern. Sie wurde in Belgien über eine Tageszeitung beworben und erreichte eine fünfstellige Anzahl an Teilnehmenden.

Fragebogen noch mindestens bis Ende 2027 online

Das Kardio-Digital-Register richtet sich an volljährige Patientinnen und Patienten, die ambulant oder stationär kardiologisch behandelt werden und in die Teilnahme einwilligen. Die Onlinebefragung ist bereits freigeschaltet. Eine feste Laufzeit ist zunächst nicht vorgesehen.  Die Erhebung soll fortgesetzt werden, bis mindestens eine mittlere vierstellige Anzahl an Teilnehmenden erreicht ist. Eine Teilnahme von 10.000 Patientinnen und Patienten innerhalb eines Jahres wurde von den Initiatoren als Ziel angegeben. 

 

Die Teilnahme dauert etwa 5 Minuten. Über den QR-Code auf dem Studienflyer oder diesen Link gelangen Interessierte direkt zum Fragebogen. Ihre Angaben sollen helfen, die Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen in der Kardiologie besser zu verstehen und eine Grundlage für zukünftige Empfehlungen zu schaffen.

Take-aways

  • Das Kardio-Digital-Register erfasst, wie häufig digitale Gesundheitsanwendungen in der kardiologischen Versorgung genutzt werden.
  • Die Ergebnisse sollen eine Grundlage für zukünftige Empfehlungen zur Entwicklung und zum Einsatz herzmedizinischer Apps schaffen.
  • Gleichzeitig wird erprobt, ob sich medizinische Versorgungsstudien vollständig digital und mit geringerem organisatorischem Aufwand durchführen lassen.
  • Die Onlinebefragung richtet sich an volljährige Patientinnen und Patienten in ambulanter oder stationärer kardiologischer Behandlung.

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