Blutdruck messen, die Herzfrequenz im Blick behalten oder an die Medikamenteneinnahme erinnert werden: Digitale Gesundheitsanwendungen bieten vielfältige Möglichkeiten, Patientinnen und Patienten im Alltag zu unterstützen. Welche Anwendungen tatsächlich genutzt werden und für welche kardiologischen Erkrankungen sie zum Einsatz kommen, soll nun das Kardio-Digital-Register systematisch erfassen, denn bislang fehlt eine entsprechende Erhebung für die kardiologische Versorgung.
Die multizentrische, prospektive Versorgungsstudie mit dem Titel „Digitale Gesundheitsanwendungen in der Kardiologie – ein patientenzentriertes Register für den Status quo“ soll erfassen, wie verbreitet die Nutzung digitaler medizinischer und speziell kardiologischer Anwendungen ist. Darüber hinaus wird untersucht, für welche Krankheitsbilder sie eingesetzt werden und welchen Stellenwert Empfehlungen durch behandelnde Kardiologinnen und Kardiologen haben. Das von der Deutschen Herzstiftung geförderte Projekt wurde von PD Dr. Philipp Breitbart (Frankfurt), Dr. Hannah Billig (Bonn) und Prof. Benjamin Meder (Heidelberg) initiiert. Dr. Christoph Reich sowie der Informatiker Dr. Reto Wettstein (beide Heidelberg) sind ebenfalls maßgeblich daran beteiligt.
Ein Beweggrund für das Projekt ist die bislang geringe Zahl zugelassener digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) in der Kardiologie. Für die Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) muss ein positiver Versorgungseffekt nachgewiesen werden.
„In der Sektion eCardiology der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) wurde bereits diskutiert, ob die Fachgesellschaft Empfehlungen für die Bewertung solcher Anwendungen formulieren sollte“, erzählt Breitbart. Dafür brauche es aber zunächst eine belastbare Grundlage: Welche Apps werden bereits eingesetzt, welche Bedürfnisse bestehen und wo liegen mögliche Versorgungslücken?
Die Idee folgt einem grundlegenden Prinzip der Präventionsforschung: Vor der Entwicklung geeigneter Maßnahmen muss zunächst die Ausgangssituation erfasst werden. „Bevor wir Empfehlungen für sinnvolle Anwendungen entwickeln, müssen wir zunächst wissen, wie die aktuelle Versorgungssituation aussieht“, so Breitbart. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, zukünftige Empfehlungen zur Entwicklung und zum Einsatz herzmedizinischer Apps stärker an der Versorgungspraxis auszurichten.
Das Projekt verfolgt noch ein zweites Ziel: Es soll erprobt werden, ob sich medizinische Versorgungsstudien vollständig online durchführen lassen. Dazu werden digitalisierte Kurzfragebögen eingesetzt, deren Anwendung im Rahmen der Studie geprüft wird. Das Konzept könnte auch für andere medizinische Fachgebiete interessant sein.
Die Teilnahme erfolgt über Informationsmaterialien mit QR-Code oder über diesen Link. Interessierte Patientinnen und Patienten können online einwilligen und ihre Angaben selbstständig digital übermitteln. Die Daten werden so erfasst, dass sie direkt statistisch ausgewertet werden können.
Das unterscheidet sich vom üblichen Ablauf klinischer Studien, bei denen Studienpersonal Patientinnen und Patienten ansprechen, aufklären, Daten zusammentragen und in die Studiendatenbank übertragen muss. „Wenn die Teilnehmenden ihre Angaben direkt online eingeben, kann das den organisatorischen Aufwand deutlich verringern“, sagt Breitbart. Das Verfahren soll zeigen, ob sich auf diese Weise Versorgungsstudien effizienter umsetzen lassen.
Ein Beispiel für das Potenzial solcher Ansätze lieferte eine Implementierungsstudie zur App FibriCheck für das Screening auf Vorhofflimmern. Sie wurde in Belgien über eine Tageszeitung beworben und erreichte eine fünfstellige Anzahl an Teilnehmenden.
Das Kardio-Digital-Register richtet sich an volljährige Patientinnen und Patienten, die ambulant oder stationär kardiologisch behandelt werden und in die Teilnahme einwilligen. Die Onlinebefragung ist bereits freigeschaltet. Eine feste Laufzeit ist zunächst nicht vorgesehen. Die Erhebung soll fortgesetzt werden, bis mindestens eine mittlere vierstellige Anzahl an Teilnehmenden erreicht ist. Eine Teilnahme von 10.000 Patientinnen und Patienten innerhalb eines Jahres wurde von den Initiatoren als Ziel angegeben.
Die Teilnahme dauert etwa 5 Minuten. Über den QR-Code auf dem Studienflyer oder diesen Link gelangen Interessierte direkt zum Fragebogen. Ihre Angaben sollen helfen, die Nutzung digitaler Gesundheitsanwendungen in der Kardiologie besser zu verstehen und eine Grundlage für zukünftige Empfehlungen zu schaffen.
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