quick-dive-tauchgang-shutterstock-343349687-32zu9-1920x540 quick-dive-tauchgang-shutterstock-343349687-32zu9-1920x540

Quick Dive: Positionspapier Intersektorale Kardiologie

In unserer Reihe "Quick Dive" stellen die Autorinnen und Autoren von Publikationen medizinischer Fachgesellschaften prägnant die wichtigsten Hintergründe und Inhalte der jeweiligen Veröffentlichung vor. Dieses Mal wird eingetaucht in:

Intersektorale Kardiologie: Sektorenverbindende Versorgung mit digitaler Technologie

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie

20.10.2026 | Verfasst von: Peter W. Radke, Lena Dimde, Thorsten Ebermann, Simon Glück, Franz Goss, Friedrich Köhler, Eimo Martens, Benjamin Meder, Bernd Nowak, Christian A. Perings, Marvin Schwarz, Jana Boer

Von:

Melissa Wilke

DGK-Redaktion

 

26.10.2026

Bildquelle (Bild oben): vovan / Shutterstock.com

Fragen an den Erstautor

Prof. Dr. Peter W. Radke, Schön Klinik Neustadt

Was sind Anlass und Ziel der Publikation?

 

Die kardiologische Versorgung in Deutschland ist stark fragmentiert, Informationen gehen an Sektorengrenzen verloren, digitale Lösungen bleiben Insellösungen. Ziel des Positionspapiers ist es, ein Zielbild einer sektorenübergreifend vernetzten, digitalen Kardiologie zu formulieren, konkrete Anwendungsfelder und Rahmenbedingungen zu beschreiben und zentrale Forderungen der DGK für eine intersektorale, digitale Versorgung zu definieren.

 

Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?

 

  1. Digitale Technologien sind vorhanden, ihr Potenzial wird wegen fehlender Vernetzung, Interoperabilität und klarer Pfade nicht ausgeschöpft.
  2. Telematikinfrastruktur, ePA, Telemonitoring, DiGA, Wearables und KI können nur im Zusammenspiel und über Sektorengrenzen hinweg eine kontinuierliche, patientenzentrierte Versorgung ermöglichen.
  3. Rechtsrahmen, Finanzierung (Regelversorgung, §140a‑Verträge, Innovationsfonds) und Verbesserung digitaler Gesundheitskompetenz sind zentrale Hebel für eine skalierbare, Ergebnis- orientierte digitale Kardiologie.

 

Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?

 

Herausfordernd sind fehlende Interoperabilität, Medienbrüche, unterschiedliche Interessen der Akteure, begrenzte digitale Gesundheitskompetenz und noch unklare Standards für Telemedizin/KI. Lösungen liegen in verbindlichen technischen Standards, einem eindeutigen Patientenidentifikator, strukturierten Mindestdatensätzen, klaren Governance‑Strukturen, gezielter Schulung aller Berufsgruppen und ergebnisorientierten Vergütungsmodellen.

 

Welche Punkte sind offengeblieben?

 

Offen bleiben die konkrete Ausgestaltung eines nationalen kardiologischen Qualitätsregisters, die praktische Umsetzung eines longitudinalen „Kardiologie‑Logbooks“ in der ePA, die detaillierte Definition qualitätsorientierter Vergütungsmodelle sowie die flächendeckende Integration von KI‑Systemen in Routineabläufe unter Wahrung von Datenschutz und Haftungssicherheit.

 

Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab? 

 

Mit „ePA für alle“, GeDIG/DigiG, dem Nationalen Herz‑Netz und dem Ausbau des Telemonitorings entstehen die technischen und regulatorischen Voraussetzungen für intersektorale digitale Kardiologie. KI‑gestützte Anwendungen, DiGA‑Weiterentwicklung und internationale Best‑Practice‑Modelle (SWEDEHEART, NHS‑ICS, Dänemark) werden die Diskussion prägen. Entscheidend wird sein, diese Bausteine in skalierbare, patientenzentrierte Versorgungspfade zu überführen.

Weiter zur vorgestellten Publikation:

Zur Person

Prof. Peter W. Radke

Prof. Peter W. Radke ist Kardiologe und ärztlicher Direktor an der Schön Klink Neustadt. Darüber hinaus ist er stellvertretender Sprecher der Sektion eCardiology der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Seine Schwerpunkte liegen in der modernen Herzmedizin, insbesondere in der interventionellen Kardiologie, der Digitalisierung und der künstlichen Intelligenz.

Peter W. Radke

Kurzinfo: Die Formate der DGK-Publikationen

Leitlinien sind für Ärztinnen und Ärzte eine wichtige Stütze im klinischen Alltag, um ihre Patientinnen und Patienten nach neuestem Stand der Wissenschaft bestmöglich zu behandeln. Dabei dienen die Leitlinien als verlässliche Handlungsempfehlungen in spezifischen Situationen.

Pocket-Leitlinien sind Leitlinien in kompakter, praxisorientierter Form. Bei Übersetzungen von Pocket-Leitlinien der ESC werden alle Empfehlungsklassen und Evidenzgrade der Langfassung übernommen.

Master Pocket-Leitlinien stellen eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Leitlinienempfehlungen in Form von grafischen Diagnose- und Therapiealgorithmen dar. Als Quelle der Empfehlungen dienen dabei vorwiegend die nach strengen wissenschaftlichen Kriterien erstellten Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) sowie deren deutsche Übersetzung durch die DGK.

Kommentare beinhalten Hinweise, wie sich die neuen von den alten Leitlinien unterscheiden, Hinweise auf wesentliche Neuerungen, die seit dem Erscheinen der ESC-Leitlinien bekannt geworden sind, Diskussion kontroverser Empfehlungen in den ESC-Leitlinien sowie Möglichkeiten und Grenzen der Leitlinienumsetzung im Bereich des deutschen Gesundheitswesens.

Ein Positionspapier behandelt eine Fragestellung von großem allgemeinen Interesse, für die keine aktuelle Leitlinie vorliegt.

Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um ein von mehreren Fachgesellschaften getragenes Statement.

Diese Veröffentlichungen enthalten Empfehlungen einer DGK-Arbeitsgruppe zu einer speziellen Frage von großem Interesse.

Stellungnahmen der DGK beziehen sich auf gesundheitspolitische Fragestellungen und erfolgen durch den Vorstand, gemeinsam mit Kommissionen und Projektgruppen. Sofern möglich und sinnvoll, werden auch Fachgesellschaft-übergreifende Stellungnahmen ausgearbeitet.

Ein Manual ist eine praktisch orientierte Expertenempfehlung für wesentliche kardiovaskuläre Prozeduren.

Das könnte Sie auch interessieren

Young Cardiology | Themen der kardiovaskulären Intensivmedizin: OHCA. Folge 3 mit PD Dr. J. Pöss. Moderation: PD Dr. A. Derda.

Young Cardiology | Themen der kardiovaskulären Intensivmedizin: OHCA. Folge 2 mit PD Dr. B. Schrage. Moderation: PD Dr. A. Derda.

Young Cardiology | Notfallsituation in den ersten Diensten: „Akut exazerbierte COPD“ mit Dr. H. Lapp. Dauer: 15 Minuten.