Was sind Anlass und Ziel der Publikation?
Die kardiologische Versorgung in Deutschland ist stark fragmentiert, Informationen gehen an Sektorengrenzen verloren, digitale Lösungen bleiben Insellösungen. Ziel des Positionspapiers ist es, ein Zielbild einer sektorenübergreifend vernetzten, digitalen Kardiologie zu formulieren, konkrete Anwendungsfelder und Rahmenbedingungen zu beschreiben und zentrale Forderungen der DGK für eine intersektorale, digitale Versorgung zu definieren.
Was sind die wichtigsten Take-Home Messages?
- Digitale Technologien sind vorhanden, ihr Potenzial wird wegen fehlender Vernetzung, Interoperabilität und klarer Pfade nicht ausgeschöpft.
- Telematikinfrastruktur, ePA, Telemonitoring, DiGA, Wearables und KI können nur im Zusammenspiel und über Sektorengrenzen hinweg eine kontinuierliche, patientenzentrierte Versorgung ermöglichen.
- Rechtsrahmen, Finanzierung (Regelversorgung, §140a‑Verträge, Innovationsfonds) und Verbesserung digitaler Gesundheitskompetenz sind zentrale Hebel für eine skalierbare, Ergebnis- orientierte digitale Kardiologie.
Was sind Herausforderungen bei der Umsetzung und mögliche Lösungen?
Herausfordernd sind fehlende Interoperabilität, Medienbrüche, unterschiedliche Interessen der Akteure, begrenzte digitale Gesundheitskompetenz und noch unklare Standards für Telemedizin/KI. Lösungen liegen in verbindlichen technischen Standards, einem eindeutigen Patientenidentifikator, strukturierten Mindestdatensätzen, klaren Governance‑Strukturen, gezielter Schulung aller Berufsgruppen und ergebnisorientierten Vergütungsmodellen.
Welche Punkte sind offengeblieben?
Offen bleiben die konkrete Ausgestaltung eines nationalen kardiologischen Qualitätsregisters, die praktische Umsetzung eines longitudinalen „Kardiologie‑Logbooks“ in der ePA, die detaillierte Definition qualitätsorientierter Vergütungsmodelle sowie die flächendeckende Integration von KI‑Systemen in Routineabläufe unter Wahrung von Datenschutz und Haftungssicherheit.
Ausblick: Welche Entwicklungen zum Thema zeichnen sich ab?
Mit „ePA für alle“, GeDIG/DigiG, dem Nationalen Herz‑Netz und dem Ausbau des Telemonitorings entstehen die technischen und regulatorischen Voraussetzungen für intersektorale digitale Kardiologie. KI‑gestützte Anwendungen, DiGA‑Weiterentwicklung und internationale Best‑Practice‑Modelle (SWEDEHEART, NHS‑ICS, Dänemark) werden die Diskussion prägen. Entscheidend wird sein, diese Bausteine in skalierbare, patientenzentrierte Versorgungspfade zu überführen.