Eine erhöhte Anzahl supraventrikulärer Extrasystolen (SVES) ist mit einem erhöhten Risiko für später auftretendes Vorhofflimmern (VHF) und ischämische Schlaganfälle assoziiert.2 Eine exzessive supraventrikuläre ektope Aktivität (ESVEA) besteht bei ≥720 SVES/Tag.3 Unklar war bislang, ob sich Patientinnen und Patienten mit einer solchen hohen täglichen SVES-Last bereits nach deutlich kürzerer EKG-Überwachung zuverlässig identifizieren lassen.
Die Analyse basiert auf Daten der multizentrischen FIND-AF-2-Studie, in die Patientinnen und Patienten ab 60 Jahren mit kürzlich erlittenem ischämischem Schlaganfall und ohne bekanntes VHF eingeschlossen wurden.4 Vor der Randomisierung erhielten alle Patientinnen und Patienten ein 24-h-Langzeit-EKG. Für die vorliegende Analyse wurden 5.231 vollständige 24-h-EKGs ohne Nachweis von VHF ausgewertet. Die Aufzeichnungen wurden in stündliche Intervalle unterteilt. Eine Stunde wurde als SVES-positiv definiert, wenn ≥30 SVES auftraten. Als Referenzstandard für eine hohe SVES-Last diente analog zu bisher publizierten Daten eine Gesamtzahl von ≥720 SVES/Tag.3 Anschließend wurde untersucht, wie gut sich durch eine unterschiedlich lange kumulative EKG-Überwachung Patientinnen und Patienten mit einer täglichen SVES-Last von ≥720 SVES/Tag erkennen lassen.
Von den 5.231 ausgewerteten Langzeit-EKGs erfüllten 1.054 das Kriterium von ≥720 SVES/Tag. Insgesamt wurden 2.147 EKGs anhand des Schwellenwertes von einmalig ≥30 SVES in einer Stunde als SVES-positiv klassifiziert. Bei den SVES-positiven Aufzeichnungen zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen Patientinnen und Patienten mit hoher und niedrigerer täglicher SVES-Last. Bei einer Belastung von ≥720 SVES/Tag traten deutlich häufiger Stunden mit ≥30 SVES auf als bei einer Belastung von <720 SVES/Tag (Median 17 vs. 2 Stunden; p<0,001). Bereits nach einer Stunde erreichte der Schwellenwert von ≥30 SVES eine Spezifität von 96 % und eine Sensitivität von 70 % für die Identifikation einer täglichen SVES-Last von ≥720 SVES/Tag. Mit zunehmender Überwachungsdauer stieg die Sensitivität weiter an, während die Spezifität abnahm. Nach 7 Stunden wurde die beste Kombination aus Sensitivität und Spezifität erreicht: 94 % der Patientinnen und Patienten mit ≥720 SVES/Tag wurden erkannt, bei einer Spezifität von 86 % (Youden-Index 0,801).
Die Ergebnisse zeigen, dass eine hohe tägliche SVES-Last nicht allein durch einzelne kurze Phasen mit besonders vielen Extrasystolen bestimmt wird, sondern sich in einer über den Tag anhaltend erhöhten SVES-Aktivität widerspiegelt. Eine verkürzte EKG-Überwachung könnte perspektivisch dazu beitragen, Patientinnen und Patienten nach ischämischem Schlaganfall mit hoher SVES-Last frühzeitig zu identifizieren und gezielt einer verlängerten Rhythmusüberwachung zuzuführen. Ob ein solches verkürztes Monitoring auch klinische Vorteile gegenüber einer vollständigen 24-h-Überwachung bietet, wird nach Abschluss der FIND-AF-2-Studie anhand der VHF-Endpunkte untersucht.
Die auf den Basisdaten der FIND-AF-2-Studie basierende Analyse untersucht eine interessante Fragestellung mit praktischer Relevanz. Auch wenn die klinischen Implikationen der an 51 deutschen Studienzentren erhobenen Daten zur Anzahl supraventrikulärer Extrasystolen pro Stunde bzw. Tag erst nach Abschluss der Nachverfolgung in der zweiten Jahreshälfte 2027 abschließend beurteilt werden können, verdeutlicht die im Rahmen der DGK-Herztage 2026 als Vortrag vorgestellte Analyse das Potential der FIND-AF-2-Studie, die von der DFG finanziert wird. Die Ergebnisse dieser multizentrischen randomisierten Studie dürfen daher mit Spannung erwartet werden und werden sicher einen relevanten Einfluss auf die diagnostische Abklärung nach kryptogenem ischämischem Schlaganfall bei Patientinnen und Patienten mit einem Lebensalter von zumindest 60 Jahren haben.
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