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Studien kompakt

Kurz und knapp informiert: Dieses Mal geht es um eine Metaanalyse zur verkürzten DAPT, die Polypill-Strategie bei HFrEF, linksventrikuläre Erholung unter LVAD-Unterstützung, den Langzeitverlauf milder hypertropher Kardiomyopathie (HCM), den frühen Nutzen der Blutdrucksenkung, das erhöhte ASCVD-Risiko bei polyendokrinem metabolischem Ovarsyndrom (PMOS) sowie Mikroplastik im Koronarblut.

Von:

Martin Nölke

HERZMEDIZIN-Redaktion

 

29.07.2026

Bildquelle (Bild oben): niratsn2510 / Shutterstock.com

Kurze DAPT bei hohem Risiko: Weniger Blutungen

Eine Metaanalyse von 14 randomisierten Studien mit 11.398 Patientinnen und Patienten mit hohem Blutungsrisiko nach PCI ohne Indikation zur oralen Antikoagulation verglich eine 1–3-monatige mit einer 6–12-monatigen dualen Antiplättchentherapie (DAPT).1 Unter verkürzter DAPT war das Risiko für schwere oder klinisch relevante nicht schwere Blutungen um 29 % geringer (RR 0,71; p=0,009), das Risiko für schwere Blutungen um 24 % geringer (RR 0,76; p=0,04). Das MACE-Risiko unterschied sich nicht (RR 0,97; p=0,76), wobei die Evidenz bei einer Verkürzung auf 3 Monate belastbarer war als bei nur 1 Monat.

Polypille bei HFrEF: Höhere Adhärenz und LVEF

In der offenen, randomisierten POLY-HF-Studie wurden 212 Patientinnen und Patienten mit HFrEF einer einmal täglich einzunehmenden Polypille aus Metoprolol, Spironolacton und Empagliflozin oder einer intensivierten Standardtherapie zugeteilt.2 RAS-Hemmer bzw. Sacubitril/Valsartan wurden separat weitergeführt. Nach 6 Monaten war die MRT-basierte LVEF unter der Polypille um 3,3 Prozentpunkte höher (p=0,039). HF-Hospitalisierungen oder Notfallbehandlungen waren als sekundärer Endpunkt seltener (adj. Rate Ratio 0,40; p=0,024) und die anhand von Wirkstoffspiegeln bestimmte Adhärenz war höher (79 % vs. 54 %, p=0,001). Umfassendere und längerfristige Studien müssen die klinischen Effekte und Übertragbarkeit bestätigen.

LVAD: Ventrikelerholung meist im ersten Jahr

Eine retrospektive EUROMACS-Analyse untersuchte 1.550 Patientinnen und Patienten mit einem Left Ventricular Assist Device (LVAD).3 Die Erholung des linken Ventrikels erfolgte größtenteils im ersten Jahr. Nach 4 Jahren lagen die modellierten Wahrscheinlichkeiten für eine milde, intermediäre und vollständige Erholung bei 41 %, 8 % und 1 %. Die Mortalität lag in der gesamten Kohorte bei 28 %. Je 10 Prozentpunkte höhere LVEF im Verlauf war das Risiko für die Gesamtmortalität um 14 % niedriger (HR 0,86; p=0,023). Ab dem ersten Jahr war die kumulierte MACE-Inzidenz (kardiovaskulärer Tod, spätere Rechtsherzinsuffizienz und Arrhythmien) bei stärkerer LV-Erholung geringer (p=0,042). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits geringfügige Verbesserungen der LV-Funktion prognostisch relevant sein könnten.

Milde HCM: Relevantes Langzeitrisiko

Im internationalen SHaRe-Register wurden 2.500 asymptomatische Patientinnen und Patienten mit phänotypisch milder hypertropher Kardiomyopathie (HCM) im Mittel 7 Jahre beobachtet.4 534 Personen (21 %) entwickelten MACE, darunter Vorhofflimmern bei 289, Herzinsuffizienz bei 193 und maligne ventrikuläre Arrhythmien bei 69. Bei 585 Personen (23 %) verschlechterte sich die NYHA-Klasse von I auf ≥II. Dies war mit einem 2,79-fachen MACE-Risiko verbunden (95%-KI 2,30–3,39). Weitere Risikoprädiktoren waren höheres Alter, weibliches Geschlecht, höherer BMI sowie höhere oder stärker zunehmende Werte für linksatrialen Durchmesser, LV-Wanddicke und LVOT-Gradient. Die Ergebnisse sprechen auch bei zunächst milder HCM für regelmäßige Verlaufskontrollen.

Blutdrucksenkung: Schutz setzt früh ein

Eine Metaanalyse individueller Patientendaten aus 51 randomisierten Studien mit 358.642 Teilnehmenden untersuchte den Nutzen antihypertensiver Therapien über median 4,2 Jahre.5 Bereits im ersten Jahr war eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 5 mmHg mit einem um 12 % geringeren MACE-Risiko assoziiert (HR 0,88; 95%-KI 0,84–0,91). Der relative Nutzen zeigte sich damit früh, verstärkte sich im Zeitverlauf jedoch nicht weiter (Jahr 4–5: HR 0,97; 95%-KI 0,91–1,03). Dieses Muster war über fünf Wirkstoffklassen hinweg ähnlich.

PMOS: Höheres Risiko für ASCVD

Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom (PMOS) ist eine der häufigsten endokrinen Störungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. In einer US-weiten, retrospektiven Abrechnungsdatenanalyse wurden 413.450 Frauen im Alter von 18–50 Jahren mit PMOS und 2.067.250 altersgematchte Frauen ohne PMOS untersucht.6 PMOS war nach Adjustierung mit einem 4,4-fachen ASCVD-Risiko assoziiert (HR 4,40; 95%-KI 4,23–4,58). Der kombinierte Endpunkt umfasste koronare, zerebrovaskuläre und periphere arterielle Erkrankungen. Das Beobachtungsdesign erlaubt keine kausalen Schlüsse. Die Ergebnisse unterstützen jedoch eine frühe kardiovaskuläre Risikoevaluation bei PMOS.

Mikroplastik im Koronarblut: Häufiger bei STEMI

In einer multizentrischen Querschnittsstudie wurden bei 61 Personen während einer Koronarangiografie Mikro- und Nanoplastikpartikel im koronaren und peripheren Blut untersucht.7 Bei STEMI wurden Partikel deutlich häufiger nachgewiesen als bei chronischem Koronarsyndrom oder unauffälligen Koronararterien (84,2 % vs. 40,0 % bzw. 31,8 %; p=0,002), auch Konzentration und Polymerdiversität waren höher (p<0,001). Der Partikelnachweis war mit erhöhten Entzündungsmarkern, höherer Feinstaub-Exposition (PM2,5) und Rauchen assoziiert. Unabhängig blieb jedoch nur Rauchen (OR 5,69; p=0,023). Auch wenn das Studiendesign keine kausalen Schlüsse erlaubt, weisen die Befunde darauf hin, dass Mikro- und Nanoplastik als möglicher umweltbezogener kardiovaskulärer Risikofaktor stärker berücksichtigt werden sollte.

Referenzen

  1. Zito A et al. Dual Antiplatelet Therapy Duration in Patients at High Bleeding Risk: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Cardiol. Published online June 24, 2026. doi:10.1001/jamacardio.2026.1922
  2. Pandey A et al. Polypill for heart failure with reduced ejection fraction: the POLY-HF randomized trial. Nat Med. Published online July 2, 2026. doi:10.1038/s41591-026-04504-5
  3. Sener YZ et al. Left ventricular recovery and outcomes in patients with a durable left ventricular assist device: the EUROMACS registry. Eur Heart J. Published online July 9, 2026. doi:10.1093/eurheartj/ehag477
  4. Topriceanu CC et al. Natural History of Asymptomatic Phenotypically Mild HCM: Insights From the SHaRe Registry. J Am Coll Cardiol. Published online July 8, 2026. doi:10.1016/j.jacc.2026.03.176
  5. Yang Q et al. A meta-analysis of the long-term effects of antihypertensive therapy on the risk of major cardiovascular disease across 51 randomized trials. Nat Med. Published online July 1, 2026. doi:10.1038/s41591-026-04514-3
  6. Alur-Gupta S et al. Atherosclerotic cardiovascular disease risk in polyendocrine metabolic ovarian syndrome: a nationwide, US, claims-based, retrospective, longitudinal, cohort study. Lancet Obstet Gynaecol Womens Health. Published online July 20, 2026. doi:10.1016/S3050-5038(26)00090-7
  7. Paolisso P, Scisciola L, Belmonte M, et al. Micro- and nano-plastics in the coronary circulation and air pollution exposure in ischaemic heart disease presentation. Eur Heart J. Published online July 14, 2026. doi:10.1093/eurheartj/ehag447

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