Das Wichtigste in Kürze
- Mechanische Herzklappen gehören zu den langlebigsten Implantaten im menschlichen Körper.
- Eine mechanische Herzklappe besteht in der Regel aus einem Herzklappenring mit zwei Klappensegeln aus besonders widerstandsfähigen Materialien, vor allem Carbon, selten noch Titan. Der Klappenring ist dann in Darcongewebe gehüllt, mit dem die Klappe fixiert, eingenäht wird.
- Der größte Vorteil der mechanischen Herzklappe im Vergleich zu anderen Verfahren ist ihre außergewöhnlich lange Haltbarkeit.
- Der größte Nachteil der mechanischen Herzklappe besteht darin, dass Betroffene lebenslang eine Blutverdünnung einnehmen müssen. Zudem verursachen die mechanischen Herzklappen bei einigen Patientinnen und Patienten Klickgeräusche.
- Nach den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) kommt eine mechanische Herzklappe vor allem für Menschen mit einer langen Lebenserwartung infrage (Alter unter 50 Jahre), die dauerhaft eine Blutverdünnung einnehmen können.
Was ist eine mechanische Herzklappe?
Eine mechanische Herzklappe ist eine künstliche Herzklappenprothese, die dauerhaft die Funktion einer defekten Herzklappe übernimmt. Sie besteht in der Regel aus einem Klappenring mit zwei Segeln aus Pyrolytkohlenstoff (Carbon), teils mit einem Gehäuse oder Nahtring aus Titan – Materialien, die besonders widerstandsfähig und gut körperverträglich sind. „Dann entfernt man die alte, defekte Herzklappe und näht an derselben Stelle das Gerüst mit der neuen Klappe ein“, erklärt Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Jena. Mechanische Herzklappen sind so konstruiert, dass sie sich bei jedem Herzschlag öffnen und wieder schließen. Da das Herz etwa 100.000-mal am Tag schlägt, muss eine Herzklappe im Laufe eines Lebens also mehrere Milliarden Öffnungs- und Schließvorgänge bewältigen.
Zum Experten
Prof. Dr. Torsten Doenst
Prof. Dr. Torsten Doenst ist Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Jena und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).
Was ist eine biologische Herzklappe?
Biologische Herzklappen werden zum Großteil aus zwei Gewebearten hergestellt: aus Aortenklappen vom Schwein (porcine Klappen) und Herzbeutelgewebe vom Rind (bovines Perikard). Als Alternative werden auch sogenannte „Homografts“ eingesetzt – Herzklappen von menschlichen Spenderherzen, die aber sehr selten sind. Der entscheidende Vorteil biologischer Herzklappen: Die Betroffenen müssen wegen ihrer Klappenprothese in der Regel keine Medikamente gegen Blutgerinnung einnehmen.
„Das Problem ist aber, dass biologische Klappen irgendwann im Laufe der Jahre verschleißen“, erklärt der Experte. Je jünger die Patientin oder der Patient ist, desto schlechter ist die Langzeithaltbarkeit. Die Ursachen hierfür sind nicht ganz klar, aber man vermutet Unterschiede im Immunsystem und im Stoffwechsel.
Welche Vorteile bietet eine mechanische Herzklappe?
Der größte Vorteil von mechanischen Herzklappen im Vergleich zu biologischen Prothesen ist ihre außergewöhnlich lange Haltbarkeit. Sie muss wegen Verschleißes praktisch nicht ersetzt werden. „Gerade für jüngere Menschen bedeutet eine mechanische Herzklappe in der Regel, dass ihnen eine erneute Herzoperation erspart bleibt“, so der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG).
Welche Nachteile hat eine mechanische Herzklappe?
Der größte Nachteil der mechanischen Herzklappe besteht darin, dass Betroffene lebenslang eine Blutverdünnung einnehmen müssen. Dadurch sinkt zwar das Risiko für Blutgerinnsel auf der Klappe, gleichzeitig steigt aber das Risiko für Blutungen – beispielsweise nach Verletzungen. Dadurch können Betroffene bestimmte Berufe oder Sportarten mit einem hohen Verletzungsrisiko häufig nicht mehr ausüben.
Bei einigen Modellen ist bei jedem Schließen der Klappen ein Klickgeräusch zu hören. „Doch daran gewöhnt man sich in der Regel“, sagt der Herzchirurg. „Ich habe mal einem Patienten eine mechanische Klappe aus- und eine biologische eingebaut – und der war danach ganz irritiert, weil er beim Einschlafen nicht mehr das Klicken gehört hat.“
„Gerade für jüngere Menschen bedeutet eine mechanische Herzklappe in der Regel, dass ihnen eine erneute Herzoperation erspart bleibt.“
Prof. Dr. Torsten Doenst
Für wen eignet sich eine mechanische Herzklappe?
Nach den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) kommt eine mechanische Herzklappe vor allem für Menschen mit einer langen Lebenserwartung infrage, die dauerhaft eine Blutverdünnung einnehmen können. „Aufgrund der langen Haltbarkeit gilt als Richtwert, Patientinnen und Patienten unter 50 eine mechanische Klappe und über 70 eine biologische Klappe einzusetzen“, erklärt Prof. Dr. Doenst. „Dazwischen liegt sozusagen eine Grauzone. Da schauen wir uns die Patientin oder den Patienten individuell an und besprechen dann im sogenannten Herzteam (Heart Team) – einem interdisziplinären Gremium mit Expertinnen und Experten aus der Kardiologie, Herzchirurgie und zum Teil auch Anästhesie –, welches Verfahren am sinnvollsten ist.“
Klappen können operativ oder per Katheter (TAVI) eingesetzt werden, wobei auch die katheterbasierten Klappen aus biologischem Material bestehen und sich mit der Zeit abnutzen, sodass – vor allem bei jüngeren Patientinnen und Patienten – im Laufe des Lebens ein erneuter Eingriff notwendig werden kann. Die Haltbarkeit ist deshalb bei jedem Verfahren ein zentraler Punkt der individuellen Therapieentscheidung, nicht nur bei der Operation.
Wie lange hält eine mechanische Herzklappe?
Mechanische Herzklappen gehören zu den langlebigsten Implantaten der Medizin. Im Gegensatz zu biologischen Herzklappen unterliegen sie keinem strukturellen Verschleiß und können lebenslang funktionieren. Muss eine mechanische Herzklappe doch einmal ausgetauscht werden, liegt das nur selten an einem Materialversagen. Meist sind andere Ursachen verantwortlich – beispielsweise Infektionen der Klappe (Prothesenendokarditis), Blutgerinnsel (Klappenthrombosen) oder Verwachsungen (Pannusbildung). „Das Risiko für Endokarditis und Thrombose kann durch eine sorgfältige Medikamenteneinnahme und ein angemessenes Risikobewusstsein auch durch Patientinnen und Patienten selbst vermindert werden“, sagt der Experte.
Zur Risikominimierung gehören eine konsequente Blutverdünnung, regelmäßige kardiologische Kontrollen und die Vermeidung einer Prothesenendokarditis. „Daher empfehlen wir unseren Patientinnen und Patienten vor bestimmten zahnärztlichen und anderen invasiven medizinischen Eingriffen eine Antibiotikaprophylaxe (Endokarditisprophylaxe). Sie soll verhindern, dass sich Bakterien, die während der Behandlung in das Blut gelangen können, auf der Klappe absetzen“, so der Herzchirurg. Und ansonsten gilt dasselbe wie für alle Menschen: eine herzgesunde Lebensweise mit gesunder Ernährung, viel Bewegung, kein Rauchen, wenig Alkohol.
FAQ – Häufige Fragen zu Operationen von Herzklappenerkrankungen
Herzklappenerkrankungen sind seltener angeboren und entstehen meistens durch die mechanische Belastung über die Zeit. So kommt es dann mit zunehmendem Alter (etwa 65 Jahren) zu einem sichtbaren Verschleiß (Degeneration) der Herzklappen. Verkalkungen, Entzündungsprozesse und abnehmende Elastizität führen dann zu Funktionsstörungen. Etwa jede 10. Person über 75 Jahre ist betroffen. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2024 rund 100.000 Menschen wegen Herzklappenerkrankungen im Krankenhaus behandelt.
Immer wenn eine Herzklappe hochgradig undicht oder hochgradig verengt ist, wird eine invasive Therapie in Erwägung gezogen. Der Grund liegt in der Verkürzung der Lebenserwartung durch die schwere Klappenerkrankung und die Möglichkeit der richtig gewählten Therapie, diese wieder zu verlängern. Außerdem therapiert man mit der Klappensanierung auch die Symptome, die aber nicht immer nötig sind, damit eine Therapie zur Lebensverlängerung empfohlen wird.
Daher sollte bei Verdacht auf ein Herzklappenproblem schnell eine Diagnose gestellt werden und immer eine Empfehlung vom Herz-Team (also Expertenteam aus Kardiologen und Herzchirurgen) eingeholt werden. Hier wird dann die beste Therapieempfehlung, ob operativ und wie oder kathetergestützt, ermittelt und den Patientinnen und Patienten mitgeteilt.
Für die weltweit größte Real-World-Studie haben Forschende aus den USA über 100.000 Personen mit einem chirurgischen Aortenklappenersatz beobachtet und festgestellt: Bei Personen, die 60 Jahre alt oder jünger waren, ging die mechanische Klappenprothese gegenüber der biologischen mit einem deutlichen Überlebensvorteil einher. Somit unterstützen diese Daten den Einsatz von mechanischen Aortenklappenprothesen bei jüngeren Patientinnen und Patienten bis zu einem Alter von einschließlich 60 Jahren.
Wichtig ist, sich im Vorhinein gut zu informieren und sich von der Ärztin oder dem Arzt intensiv aufklären lassen. Dadurch können Unklarheiten aus der Welt geschaffen und Ängste abgebaut werden. Am besten schreibt man alle Fragen auf, die man im Arztgespräch stellen möchte. Vielen hilft es, mit einer Angehörigen oder einem Angehörigen in das Gespräch zu gehen. So kann man sicherstellen, dass keine wichtigen Informationen überhört oder vergessen werden. Vor einer anstehenden Herzoperation ist es in der Regel förderlich, sich maßvoll körperlich zu betätigen, also sich weder zu überanstrengen noch übermäßig zu schonen.