Das Wichtigste in Kürze
-
Wenn eine körpereigene Klappe so stark beschädigt, verengt oder undicht ist, dass sie nicht mehr repariert werden kann, muss sie ersetzt werden.
-
Bei jüngeren Menschen mit längerer Lebenserwartung werden vor allem mechanische Herzklappen in Betracht gezogen.
-
Mechanische Herzklappen gehören zu den langlebigsten Implantaten im menschlichen Körper.
- Mechanische Herzklappen erfordern eine lebenslange orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA), bei der der INR-Wert regelmäßig, in der Regel alle vier bis sechs Wochen, kontrolliert werden muss.
-
Ein sogenannter Pannus ist eine selten auftretende Komplikation: Es kommt zu einem überschießenden Wachstum von körpereigenem Bindegewebe.
-
Blockiert der Pannus die mechanischen Flügel einer mechanischen Herzklappe, ist ein Austausch der Klappe notwendig.
Wann wird eine mechanische Herzklappe eingesetzt?
Wenn eine körpereigene Klappe so stark beschädigt, verengt oder undicht ist, dass sie nicht mehr repariert werden kann, muss sie ersetzt werden – wie bei Johannes Lahr. Der gelernte Modellbauer hatte eine sogenannte Aortenklappenstenose, eine Verengung durch Ablagerungen und Verkalkungen am Gewebe der Herzklappe. Als die Erkrankung sich so stark verschlechterte, dass seine Leistungsfähigkeit nachließ, rieten ihm die behandelnden Ärztinnen und Ärzte zur mechanischen Klappe. „Damals war ich 56. Es hieß, eine mechanische Klappe könne, wenn alles gut ginge, bis an mein Lebensende halten. Deshalb habe ich mich für dieses Verfahren entschieden“, erzählt der Herzpatient.
„„Manchmal können am Implantat Probleme auftreten, die man nur chirurgisch beheben kann: Indem man die Klappe entfernt und durch eine neue ersetzt.“
Dr. Georges El Hachem
Können mechanische Herzklappen ein Leben lang halten?
Tatsächlich gehören mechanische Herzklappen zu den langlebigsten Implantaten im menschlichen Körper. „Aber das heißt leider nicht, dass man dafür eine Garantie hat“, erklärt Dr. Georges El Hachem, Oberarzt an der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen. „Manchmal können am Implantat Probleme auftreten, die man nur chirurgisch beheben kann: Indem man die Klappe entfernt und durch eine neue ersetzt.“
Zum Experten
Dr. Georges El Hachem
Dr. Georges El Hachem ist Leiter des Herzklappenzentrums und
Oberarzt an der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen.
Welche Komplikationen können die Haltbarkeit einer mechanischen Klappe verkürzen?
Verschiedene Faktoren können die Funktion der Klappe beeinträchtigen und ihre Haltbarkeit verkürzen. „An mechanischen Klappen besteht zum Beispiel immer ein erhöhtes Risiko, dass sich Blutgerinnsel bilden. Deshalb ist eine lebenslange Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten erforderlich“, so Herzchirurg El Hachem. Wird der sogenannte Gerinnungsstatus (INR-Wert) unzureichend eingestellt oder werden die Medikamente unregelmäßig eingenommen, steigt dieses Risiko.
Ein weitere schwerwiegende Komplikation ist die sogenannte Prothesenendokarditis. „Bei jedem Fremdkörper im menschlichen Organismus gibt es die Tendenz, dass sich daran Bakterien aus dem Blut festsetzen und vermehren“, erklärt Dr. El Hachem. Daher ist beispielsweise vor bestimmten Zahnbehandlungen eine Antibiotikagabe (Endokarditisprophylaxe) notwendig.
Bei Johannes Lahr ist eine relativ seltene, aber ernstzunehmende Spätkomplikation aufgetreten, die die Funktion der Prothese beeinträchtigt hat: Es hat sich ein sogenannter Pannus gebildet.
Gut zu wissen: Was ist der INR-Wert und was muss ich bei Vitamin-K-Antagonisten beachten?
- Mechanische Herzklappen (MHV) erfordern eine lebenslange orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) unter INR-Kontrolle.
- Der sogenannte INR-Wert (International Normalized Ratio) ist das entscheidende Maß für die Blutgerinnung. Er gibt an, wie stark die Blutgerinnung durch den Blutverdünner gebremst wird. Je höher der INR-Wert ist, desto flüssiger ist das Blut und desto länger dauert die Gerinnung. Patientinnen und Patienten mit einer mechanischen Herzklappe sollten ihren INR-Wert regelmäßig messen.
- Da VKA einen engen therapeutischen Bereich und zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufweisen, sollte jede zusätzliche Medikation ärztlich abgestimmt werden.
- Darüber hinaus können Vitamin-K-reiche Lebensmittel wie Spinat, Grünkohl oder Brokkoli die Wirkung abgeschwächen. Die Inhaltsstoffe der Grapefruit wiederum können den Abbau des Medikaments im Körper blockieren, weshalb während einer Therapie mit VKA komplett auf Grapefruitsaft verzichtet werden sollte.
- Eine Blutverdünnung mit moderneren Wirkstoffen, den sogenannten direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK), ist bei mechanischen Herzklappen nicht möglich.
Was ist ein Pannus an einer künstlichen Herzklappe?
Betroffene merken in der Regel nicht, wenn sich auf ihrer künstlichen Herzklappe ein Pannus bildet – aber sie spüren irgendwann die Folgen der schlechteren Klappenfunktion. Typische Anzeichen sind zunehmende Atemnot (Dyspnoe) bei Belastung oder im Liegen, eine schnelle Ermüdbarkeit und Leistungsschwäche, Schwindel oder kurzzeitige Ohnmacht (Synkope) oder Brustschmerzen (Angina Pectoris). „Bei mir fühlte es sich eigentlich genauso an wie elf Jahre zuvor bei der Aortenklappenstenose – mir fehlten wieder die Luft und Kraft beim Radfahren“, erzählt Johannes Lahr. Die gefundene Ursache bot zumindest eine Behandlungsperspektive, auch wenn dafür ein erneuter Eingriff an der Herzklappe notwendig wurde. „Das mit den Blutwerten hat mich wirklich gestresst. Deshalb habe ich gedacht: Na, das kommt ja eigentlich gerade richtig mit der neuen Herzklappe“. Anders als bei mechanischen Herzklappen ist bei biologischen Herzklappen in der Regel keine lebenslange Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten und damit auch keine regelmäßige INR-Kontrolle erforderlich.
Welches Verfahren ist nach der Entfernung einer mechanischen Herzklappe das beste?
Muss eine mechanische Herzklappe ausgetauscht werden, besprechen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte mit dem Patienten, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Verfahren bieten. „Ich habe mich letztlich für die biologische Herzklappe entschieden, weil man dann keine Blutverdünnung braucht. Und ich wollte mit dem Einstellen des Blutverdünners keinen Stress mehr haben“, sagt Johannes Lahr. Eine Argumentation, die Herzchirurg El Hachem häufiger hört: „Viele Patientinnen und Patienten mit einer mechanischen Herzklappe machen sich Gedanken, wenn sie beispielsweise in den Urlaub fahren: Haben sie ausreichend Medikamente dabei? Was ist, wenn sie im Ausland vielleicht ein Blutungsproblem bekommen? Mit einer biologischen Klappe haben sie diese Probleme nicht mehr. Dafür nehmen sie aber in Kauf, dass sie vielleicht noch zwei bis drei weitere Eingriffe im Leben brauchen, weil die biologischen Klappen in der Regel eine kürzere Haltbarkeit haben als die mechanischen.“
Wie schnell ist man nach einer Herzklappenoperation wieder fit?
Die Herzchirurginnen und -chirurgen werben damit, dass die minimalinvasiven Operationstechniken heute auch älteren Patientinnen und Patienten einen komplikationsarmen Eingriff mit einem kurzen Krankenhausaufenthalt ermöglichen. Idealerweise schließt sich daran eine 3- bis 4-wöchige Anschlussheilbehandlung (Reha) an, um die Leistungsfähigkeit Schritt für Schritt wieder zu steigern. „Man muss allerdings auch sagen: Das ist schon recht schmerzhaft. Ich musste in den ersten zwei oder drei Wochen nach der Operation sehr viele Schmerzmittel einnehmen, bis ich endlich merkte: Ab jetzt gibt es eine Verbesserung“, sagt Johannes Lahr. Er ist noch heute dankbar für die liebevolle Begleitung durch seine Frau in dieser Zeit. „Eigentlich wollten meine Frau und ich in diesem Jahr nach Irland reisen, nun machen wir doch erst einmal im Nahbereich Urlaub“, sagt der Herzpatient. „Aber in ein paar Monaten möchte ich dann mein Leben wieder ganz normal leben – mit meiner neuen biologischen Herzklappe.“
FAQs – Häufige Fragen zu Herzinfarkt bei jungen Menschen
Die Aortenklappenstenose ist die häufigste Herzklappenkrankheit im höheren Alter. Durch die verengte Aortenklappe muss das Herz stärker pumpen, was zu Luftnot, Brustenge oder Schwindel führen kann. Die Diagnose erfolgt per Echokardiographie. Je nach Schweregrad helfen Kontrollen, Medikamente gegen Begleiterkrankungen – oder ein Klappenersatz.
Wird eine schwergradig verengte Aortenklappe nicht behandelt, kann sich der Herzmuskel verdicken oder die Herzkammer erweitern – dann drohen Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Ein zeitnaher Klappenersatz kann diese Herzschäden verhindern.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war der chirurgische Klappenersatz mit der Öffnung des Brustkorbs die einzige Option. Heute steht noch eine weitere Therapie zur Verfügung. Neben dem klassisch chirurgischen Aortenklappenersatz mit einer biologischen oder einer mechanischen Klappe gibt es auch das sogenannte TAVI-Verfahren, bei dem eine neue biologische Klappe über einen Katheter, meist durch die Leiste, eingebracht wird.
Eine mechanische Klappenprothese hat eine geringere Abnutzung und hält oft ein ganzes Leben lang. Allerdings ist die lebenslängliche Einnahme von Blutverdünnern notwendig (Antikoagulanzien), um die Bildung von Blutgerinnseln an den Klappen zu verhindern. Bei biologischen Herzklappen, die aus Gewebe von Schweinen oder Rindern bestehen, ist die Antikoagulanzien-Einnahme nicht notwendig. Allerdings ist ihre Haltbarkeit begrenzt.