Seniorin in blauem Pullover mit Rückenschmerzen, Bildquelle: ©Adobe Stock/Jelena Stanojkovic
Seniorin in blauem Pullover mit Rückenschmerzen, Bildquelle: ©Adobe Stock/Jelena Stanojkovic

Rückenschmerzen: Was das Herz damit zu tun haben kann

 

Viele Menschen kennen Rückenschmerzen – meist sind sie harmlos. Doch manchmal steckt mehr dahinter. Eine Kardiologin, erklärt, wann Rückenschmerzen auf Herzprobleme hinweisen, welche Symptome typisch sind und was Sie selbst für Ihre Herzgesundheit tun können.

Von Daniela Goldscheck
 

21.11.2025

 

Bildquelle (Bild oben): Jelena Stanojkovic – stock.adobe.com

Rückenschmerzen und Herzprobleme – wann eine Abklärung sinnvoll ist

 

„Rückenschmerzen können ein Hinweis auf Herzprobleme oder eine Durchblutungsstörung sein“, erklärt Dr. Panorea Styllou, Leitende Oberärztin am Isar Herzzentrum der Isar Kliniken München. Herzbedingte Schmerzen können sich nicht nur in der Brust, sondern auch im Rücken, Nacken, in den Schultern, Armen oder im Kiefer zeigen – diese sogenannte Ausstrahlung kommt besonders bei Frauen vor.

 

Dr. Styllou betont: „Viele Patientinnen spüren keine typischen Brustschmerzen, sondern diffuse Beschwerden – etwa Druck im Rücken, Atemnot oder ungewöhnliche Müdigkeit.“ Treten solche Symptome plötzlich oder bei Belastung auf, sollte man sie kardiologisch abklären lassen.

 

Das bedeutet nicht, dass jeder Rückenschmerz gefährlich ist. Häufig stecken Verspannungen, Muskelverhärtungen oder eine Reizung der Wirbelsäule dahinter. Wichtig ist, den eigenen Körper zu beobachten und Veränderungen ernst zu nehmen.

Das Wichtigste in Kürze

 
  • Rückenschmerzen können in seltenen Fällen auf Herzprobleme hindeuten.
  • Bei Frauen treten Herzsymptome häufiger untypisch auf.
  • Treten Druck, Brennen oder Enge in Brust und Rücken auf, ärztlich abklären lassen.
  • Regelmäßige Herz-Check-ups, Bewegung und Ernährung stärken die Herzgesundheit.
  • Stress reduzieren, gut schlafen – das schützt Herz und Kreislauf.

Herzbeschwerden erkennen: klare Warnzeichen

 

Nicht jeder Schmerz im Rücken kommt vom Herzen – doch bestimmte Anzeichen sollten aufmerksam machen. Laut Dr. Styllou gilt: „Wenn Beschwerden plötzlich auftreten, länger anhalten und mit Atemnot, Übelkeit, Schwindel oder kaltem Schweiß verbunden sind, sollte man ärztliche Hilfe suchen.“

 

Das sind mögliche Herzinfarkt-Symptome:

 

  • Druck, Brennen oder Engegefühl in Brust oder Rücken
  • Ausstrahlung in Arm, Schulter, Hals oder Kiefer
  • Atemnot oder Kurzatmigkeit
  • Übelkeit, Schwindel oder ungewöhnliche Schwäche

 

Die Kardiologin rät: „Treten mehrere dieser Symptome gemeinsam auf, sollte ein Arzt oder eine Ärztin kontaktiert werden – vor allem, wenn sie neu sind oder sich wiederholen.“

Zur Expertin

Dr. Panorea Styllou

Dr. Panorea Styllou ist Leitende Oberärztin an der Klinik für Kardiologie der Isar Kliniken München.

Porträtbild von Dr. Dr. Panorea Styllou, Bildquelle: privat

Referred Pain – wenn Schmerzen vom Herzen ausstrahlen

 

Der sogenannte „Referred Pain“ – übersetzt etwa „übertragener Schmerz“ – bedeutet, dass das Gehirn Schmerzsignale aus verschiedenen Körperregionen über dieselben Nervenbahnen empfängt. Dr. Styllou erklärt: „Bei Herzproblemen sind es oft die Nervenbahnen, die auch Informationen aus dem linken Arm, der Schulter, dem Rücken oder dem Kiefer weiterleiten. Deshalb können Schmerzen bei einem Herzinfarkt nicht nur in der Brust, sondern auch in diesen Bereichen auftreten.“

 

Schmerzen im linken Arm können auf eine Durchblutungsstörung des Herzens hinweisen. Doch auch andere Organe können ähnliche Muster zeigen: „Gallensteine verursachen manchmal Schmerzen in der rechten Schulter, und Probleme an der Hals- oder Brustwirbelsäule können Druckgefühle im Brustkorb auslösen, die in die Herzregion ausstrahlen“, weiß die Medizinerin.

 

Entscheidend sind Art und Auslöser der Schmerzen:

 

  • Schmerzen, die vom Bewegungsapparat ausgehen – also von Muskeln, Knochen oder Nerven –sind meist stechend und treten bei bestimmten Bewegungen, Positionen oder im Liegen auf. Sie lassen sich oft durch Lagewechsel oder Massieren beeinflussen.
  • Herzbedingte Schmerzen äußern sich dagegen als Druck, Brennen oder Beklemmung in der Brust, meist bei körperlicher Belastung. Sie verschwinden oft in Ruhe – treten sie jedoch wiederholt auf, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

 

„Wichtig ist, bei Unsicherheit lieber einmal mehr als einmal zu wenig ärztlichen Rat suchen“, sagt die Kardiologin.

Wer besonders aufmerksam sein sollte

 

Einige Menschen haben ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gehören Personen mit Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder einem angeborenen Herzfehler (EMAH).

„Risikopatientinnen und -patienten sollten regelmäßige Kontrollen wahrnehmen und sich bei Bedarf an Kardiologinnen und Kardiologen wenden“, empfiehlt Dr. Styllou.

 

Auch wer sich gesund fühlt, sollte Werte wie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin kennen. Die Medizinerin sagt: „Viele Erkrankungen verlaufen anfangs symptomlos – regelmäßige Vorsorge ist der beste Schutz für Herz und Gefäße.“

Müdigkeit, Atemnot und schwacher Händedruck – Anzeichen für Herzschwäche?

 

Chronische Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder ein schwacher Händedruck können Anzeichen dafür sein, dass das Herz geschwächt ist – durch verschiedene Ursachen, wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen.

 

„Wenn das Herz nicht mehr ausreichend Blut und somit Sauerstoff durch den Körper pumpt, werden Organe wie Gehirn, Nieren und Muskulatur nicht mehr optimal versorgt“, erklärt Dr. Styllou. Dadurch kann es zu Erschöpfung, Atembeschwerden und einem allgemeinen Leistungsabfall kommen.

 

Solche Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Nur so lässt sich die genaue Ursache feststellen – und eine passende Behandlung beginnen, um die Herzfunktion zu stabilisieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Treppensteigen – ein einfacher Test für die Herzgesundheit

 

Treppensteigen gehört zu den einfachsten Möglichkeiten, das Herz im Alltag zu fordern – und kann Hinweise auf die Herzgesundheit geben. „Wer vier Stockwerke, also rund 60 Stufen, in weniger als einer Minute schafft, hat meist ein gut belastbares Herz“, erklärt Dr. Panorea Styllou, Leitende Oberärztin am Isar Herzzentrum der Isar Kliniken München.

 

Spanische Forscherinnen und Forscher wiesen Dezember 2020 in einer Studie nach, dass Menschen, die für diese Strecke weniger als 60 Sekunden benötigen, in der Regel eine gute Herzfunktion haben. Wer mehr als 90 Sekunden dafür braucht, sollte sich ärztlich vorstellen und die Herz-Kreislauf-Leistung untersuchen lassen

 

Regelmäßige Bewegung stärkt nicht nur den Kreislauf, sondern hilft auch, Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes vorzubeugen – drei der wichtigsten Risikofaktoren für Herzprobleme.

Schmerzmittel bei Rückenschmerzen – warum Vorsicht wichtig ist

 

Viele Betroffene greifen bei Rückenschmerzen schnell zu Schmerzmitteln. Das kann jedoch riskant sein, wenn die Ursache nicht eindeutig ist. Die Expertin warnt: „Schmerzmittel können Beschwerden vorübergehend lindern – aber auch Warnsignale des Herzens überdecken.“ Besser ist es, neue oder ungewohnte Schmerzen ärztlich abklären zu lassen. Das gilt besonders, wenn sie zusammen mit Kurzatmigkeit, Schwindel oder Druck in der Brust auftreten.

Herzgesund leben: Was Sie selbst tun können

Eine herzgesunde Lebensweise ist der wichtigste Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dr. Styllou empfiehlt, auf bestimmte Werte und Gewohnheiten zu achten:

 

  • Blutdruck regelmäßig messen: Zielwerte bei Selbstmessungen zu Hause liegen unter 135/85 mmHg. Ein dauerhaft höherer Blutdruck sollte ärztlich abgeklärt und eingestellt werden.
  • Cholesterinwerte kontrollieren: Besonders wichtig ist das sogenannte „schlechte“ LDL-Cholesterin. Die individuellen Zielwerte sollten Sie mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen besprechen.
  • Blutzucker im Blick behalten: Neben dem Nüchternzucker ist vor allem der „3-Monats-Zuckerwert“ (HbA1c) aussagekräftig, da er den langfristigen Blutzuckerspiegel zeigt.
  • Übergewicht vermeiden: Entscheidend ist der Taillenumfang – ideal unter 102 cm bei Männern und unter 88 cm bei Frauen. Besonders das Bauchfett gilt als hormonaktiv und stellt ein Risiko für Herz und Gefäße dar.
  • Nicht rauchen: Beenden Sie den Nikotinkonsum – Rauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Gefäßerkrankungen.
  • Gesunde Ernährung: Setzen Sie auf mediterrane Kost – viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch und gute Öle. Meiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel, Softdrinks und zu viel Salz. Essen Sie eiweißreich, kohlenhydratarm und genießen Sie Obst in Maßen.
  • Bewegung im Alltag: Mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche – zum Beispiel Radfahren, Schwimmen oder zügiges Spazierengehen – fördern Herz und Kreislauf.
  • Ausreichend schlafen: Achten Sie auf regelmäßigen, erholsamen Schlaf und eine gute Schlafhygiene. Lassen Sie mögliche Schlafapnoe-Symptome abklären.
  • Stress abbauen: Stressbewältigungsprogramme, Yoga, Entspannungsübungen oder Sport helfen, das seelische Gleichgewicht zu halten und das Herz zu entlasten.

Vorsorgeuntersuchungen: Früh erkennen, besser behandeln

Neben einem gesunden Lebensstil sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen entscheidend, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln. Dr. Styllou empfiehlt:

 

Check-ups in der hausärztlichen Praxis wahrnehmen:

  • Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerwerten
  • Für Männer und Frauen ab 40 Jahren, bei familiärer Vorbelastung früher.
  • Ab 18 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre – diese Check-ups werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

 

Bedarfsorientierte Untersuchungen in der kardiologischen Praxis:

  • Elektrokardiogramm (EKG)
  • Herzultraschall (Echokardiographie)
  • Herz-Computertomographie
  • Ultraschall der Halsschlagadern
  • Belastungsuntersuchungen des Herzens (z. B. Fahrradergometrie, Stressechokardiographie, Myokardszintigraphie

Fazit

 

Rückenschmerzen sind häufig harmlos, können aber in manchen Fällen auf Herzprobleme hinweisen. Besonders dann, wenn sie mit Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Druckgefühl in der Brust verbunden sind, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Eine frühzeitige Abklärung hilft, Herz-Kreislauf-Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Regelmäßige Vorsorge, Bewegung und eine herzgesunde Lebensweise sind die besten Maßnahmen, um Problemen vorzubeugen.

FAQ – Häufige Fragen zu Rückenschmerzen und Herzgesundheit

Ja, das ist möglich. Wenn Schmerzen im oberen Rücken mit Engegefühl, Atemnot oder Übelkeit verbunden sind, kann eine Herzerkrankung dahinterstecken.

Muskuläre Schmerzen verändern sich mit Bewegung oder Druck. Herzbedingte Schmerzen sind meist drückend, konstant und treten bei Belastung auf.

Wenn Schmerzen neu auftreten, länger anhalten oder sich ungewöhnlich anfühlen – besonders in Kombination mit Atemnot oder Schwindel.

Ja. Frauen haben häufiger atypische Herzsymptome wie Rückenschmerzen, Müdigkeit oder Übelkeit.

Durch regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, Rauchstopp, ausreichenden Schlaf und regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen.

 

Sprechen Sie mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, wenn Rückenschmerzen plötzlich auftreten oder sich ungewöhnlich anfühlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Seite teilen