Mit dem Forschungsprojekt IMPRESS führt das Robert-Koch-Institut (RKI) ein regelmäßiges Impfakzeptanz-Monitoring in Deutschland ein, um zu untersuchen, warum sich Menschen impfen bzw. nicht impfen lassen. Bei der 1. Erhebung im Oktober 2025 wurden 5.450 Personen aus der Allgemeinbevölkerung ab 18 Jahren befragt, darunter 3.289 Personen mit STIKO-Empfehlung für eine Grippeimpfung (ab 60. Lebensjahr, bei impfrelevanter Grunderkrankung, bei Schwangerschaft ab dem 2. Trimester oder medizinische Berufstätigkeit).
Dabei setzten sich die Befragten mit Impfempfehlung zu etwa gleichen Teilen aus Personen ab 60 Jahren sowie aus Personen mit impfrelevanter Grunderkrankung (z. B. chronische Herz-Kreislauf-Erkrankung) zusammen, wobei viele Befragte beide Merkmale vereinten (n=1.087). Einen kleineren Teil (n=450) machten Angehörige medizinischer Berufe aus (z. B. ärztliches und Pflegepersonal).
Wahrnehmung des persönlichen Risikos
Die Wahrscheinlichkeit und die Schwere einer Grippeerkrankung wurden von den Befragten mit Impfempfehlung insgesamt als moderat eingeschätzt. Ihre eigene Anfälligkeit nahmen sie im Vergleich zu anderen Menschen als (eher) geringer wahr (rund 6 von 10 Befragten), wobei Personen unter 60 Jahren mit Grunderkrankung die eigene Anfälligkeit am geringsten einschätzten.
Das RKI stellt fest, dass sich Personen mit Impfempfehlung oft nicht als Teil einer Risikogruppe sehen. Das Institut fordert daher, Risikogruppen besser aufzuklären, um das persönliche Risikobewusstsein zu schärfen.
Verantwortungsgefühl für Mitmenschen
Die soziale Verantwortung, mit der eigenen Impfung andere Menschen zu schützen, war besonders bei Personen ab 60 Jahren mit Grunderkrankung ausgeprägt (rund 6 von 10 Personen), während die Zustimmungswerte bei Personen ab 60 Jahren ohne Grunderkrankung (rund 5 von 10), unter 60 Jahren mit Grunderkrankung und in medizinischen Berufen geringer ausfielen (jeweils rund 4 von 10). Die tatsächliche Impfbereitschaft im eigenen sozialen Umfeld wurde eher zurückhaltend eingeschätzt (3 von 10 (eher) positiv, knapp 4 von 10 teils/teils).
Das RKI empfiehlt, den gesellschaftlichen Nutzen von Impfungen immer mitzukommunizieren.
Häufigere Impfungen bei ärztlicher Empfehlung und mit Impferinnerung
Ärztinnen und Ärzten kommt nach Einschätzung des RKI bei den Impfentscheidungen der Risikogruppen eine zentrale Rolle zu. So gaben 9 von 10 Befragten mit Grippeimpfung in der Saison 2024/2025 an, dass ihnen ihre Hausärztin oder ihr Hausarzt schon einmal eine Grippeimpfung empfohlen hat. Bei den Befragten ohne Grippeimpfung berichteten nur knapp 6 von 10 Befragten, eine solche Empfehlung erhalten zu haben. Zudem berichteten Geimpfte deutlich häufiger als Ungeimpfte (5 vs. 3 von 10), in den vergangenen 12 Monaten durch medizinisches Personal an eine ausstehende Grippeimpfung erinnert worden zu sein.
Das RKI sieht daher medizinisches Personal als wichtige Informationsquelle, die ein hohes Vertrauen bei den Risikogruppen genießt. Ärztliche Empfehlungen und der systematische Einsatz von konkreten Impferinnerungen, zum Beispiel per E-Mail, Instant Messenger oder SMS, können dazu beitragen, dass mehr Impfungen in Anspruch genommen werden.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung und COVID-19-Impfung u. a. für Personen ab 60 Jahren und für Personen mit impfrelevanten Grunderkrankungen wie chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In der Saison 2024/2025 erreichte die Influenza-Impfquote bei Personen ab 60 Jahren mit 34 % den niedrigsten Stand seit 17 Jahren bzw. seit Beginn der RKI-Berichterstattung (Saison 2008/2009).2 Bei Erwachsenen ab 18 Jahren mit impfrelevanter Grunderkrankung lag die Impfquote bei 28 %. Die Zielimpfquote von WHO und EU beträgt 75 %.
Obwohl Influenza- und COVID-19-Impfung gleichzeitig verabreicht werden können, liegt die COVID-19-Impfquote deutlich niedriger. Bei Personen ab 60 Jahren sank sie im Vergleich zur Vorsaison um mehr als ein Drittel auf 13 %. Bei Erwachsenen mit impfrelevanter Grunderkrankung halbierte sich die Impfquote nahezu – von 14 % auf 8 %.
Geringe Zugangsbarrieren
Strukturelle Hürden nahmen nur wenige Befragte mit Impfempfehlung wahr, etwas häufiger Personen unter 60 Jahren mit Grunderkrankung. Lange Wartezeiten und die Vereinbarkeit mit Arbeitspflichten wurden am ehesten als erschwerend genannt. Ein Impfangebot am Arbeitsplatz erhielten weniger als die Hälfte, wobei 4 von 10 Personen mit Impfempfehlung vorhandene Angebote nutzten. Die Möglichkeit einer Grippeimpfung in Apotheken war nur rund 5 von 10 Personen mit Impfempfehlung bekannt.
Eine Ausweitung des Impfangebots auf Apotheken erfordert nach Einschätzung des RKI eine gezieltere Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit.
Fazit
Insgesamt bewerteten die Risikogruppen die Sicherheit und Wirksamkeit der Grippeimpfung als eher positiv. Es zeigten sich aber auch Unterschiede bei den Subgruppen in der Einschätzung, wie wichtig, sicher und wirksam Grippeimpfungen sind. Impfrelevante Grunderkrankungen gingen nicht zwangsläufig mit einer erhöhten Impfbereitschaft einher. Das RKI empfiehlt, zielgruppengerecht zu kommunizieren und das Risikobewusstsein für die eigene Gefährdung, aber auch den gesellschaftlichen Nutzen zu vermitteln. Klare Impfempfehlungen und systematische Impferinnerungen können die Inanspruchnahme der Grippeimpfung fördern. Ärztinnen und Ärzten kommt dabei als zentrale Informationsquelle und Vertrauenspersonen eine Schlüsselrolle zu.
Take-aways
- Eine impfrelevante Grunderkrankung (z. B. chronische Herz-Kreislauf-Erkrankung) erhöht die Impfbereitschaft nicht automatisch.
- Strukturelle Zugangsbarrieren spielen meist nur eine untergeordnete Rolle.
- Impfmöglichkeiten in Apotheken sind vielen Menschen nicht bekannt.
- Die Impfberatung sollte das persönliche Gripperisiko und den gesellschaftlichen Nutzen der Impfung vermitteln.
- Ärztliche Impfempfehlungen und systematische Impferinnerungen per E-Mail, Instant Messenger oder SMS können die Impfquote erhöhen.
- Ärztinnen und Ärzte übernehmen als Informationsquelle und Vertrauenspersonen eine zentrale Rolle bei der Impfentscheidung.
Referenzen
- Robert-Koch-Institut (2026). Was Risikogruppen zur Grippeimpfung bewegt – und was sie hindert. Ergebnisse des Forschungsprojekts IMPRESS: Impf-verhalten verstehen, Preparedness steigern. Schwerpunkt: Personen mit Empfehlung für eine Grippeimpfung.
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