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Erneut auf dem Prüfstand: Sirolimus-DCB vs. Everolimus-DES

TCT Congress 2026 | TRANSFORM II: Die Investigator-initiierte Studie mit über 1.800 Patientinnen und Patienten lieferte neue Evidenz zur Nichtunterlegenheit eines Sirolimus-DCB vs. modernen Everolimus-freisetzenden Stents. Doch wie sind die Ergebnisse einzuordnen und welche Fragen bleiben offen? Prof. Bernardo Cortese (Cleveland, Ohio) stellte die Daten vor.1 

 

PD Dr. Luise Gaede (Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken) berichtet und kommentiert.

Von:

PD Dr. Luise Gaede

Rubrikleiterin Vaskuläre Herzerkrankungen

 

02.11.2026

Bildquelle (Bild oben): RomanSlavik.com / Shutterstock.com 

Hintergrund und Studiendesign

Die Evidenz zu DCB wächst stetig, zeigt jedoch keinen einheitlichen Klasseneffekt. Während die ANDROMEDA-Metaanalyse (n=1.154) Vorteile von Paclitaxel-DCB bei kleinen Gefäßen zeigte, bestätigte  REC-CAGEFREE I (n=2.272) diese nicht. SELUTION DeNovo (n=3.323) zeigte hingegen die Nichtunterlegenheit eines Sirolimus-DCB gegenüber DES, allerdings mit zusätzlichem Bail-out-Stenting bei rund 20 %.

 

TRANSFORM II randomisierte an 53 Zentren 1.842 Patienten mit de-novo-Läsionen (2,0–3,5 mm; ≤ 50 mm) zu einem Sirolimus-beschichteten Ballon (MagicTouch, 1,25 µg/mm²) oder einem Everolimus-freisetzenden Stent (EES). Die dem Magic Touch zugrundeliegende Nanoluté-Technologie soll einen effizienten Wirkstofftransfer in die Gefäßwand ermöglichen und verspricht eine Wirkung über 8-12 Wochen. 


Voraussetzung für die Randomisierung war eine erfolgreiche Läsionsvorbereitung. Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten mit ACS oder CCS, wobei Personen mit einem STEMI <48h ausgeschlossen waren. Primärer Endpunkt war Target Lesion Failure (TLF) als Komposit aus kardialer Tod, Herzinfarkt im Zielgefäß oder ischämiegetriebene erneute Revaskularisation der Zielläsion (TLR) und sekundärer Endpunkt NACE (Tod, MI, Schlaganfall oder schwere Blutung) nach 12 Monaten.

Ergebnisse

Das Durchschnittsalter lag bei 63 Jahren, etwa die Hälfte der eingeschlossenen Personen hatte ein ACS und ein Drittel einen Diabetes mellitus. Ein Bail-out-Stenting war in der DCB-Gruppe lediglich bei 7,6 % erforderlich.


Der primäre Endpunkt, TLF, trat bei 2,1 % unter DCB und 2,4 % unter EES auf (HR 0,86; 95%KI [0,47–1,59]). Damit wurde die Nichtunterlegenheit des DCB erreicht (p=0,004). Auch bei den einzelnen Endpunktkomponenten sowie in den prädefinierten Subgruppen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. NACE trat bei 4,1 % versus 5,3 % auf (HR 0,77; 95%KI [0,50–1,17]). Auffällig war jedoch die höhere Rate jeglicher TLR unter DCB (2,5 % vs. 1,1 %; HR 2,31; 95%KI [1,10–4,85]), während sich bei der ischämiegetriebenen TLR kein Unterschied zeigte.

Fazit und Kommentar

TRANSFORM II zeigt die Nichtunterlegenheit eines Sirolimus-DCB gegenüber EES hinsichtlich TLF nach 12 Monaten. Die niedrige Bail-out-Rate von 7,6 % ist bemerkenswert, muss jedoch vor dem Hintergrund der Randomisierung erst nach erfolgreicher Läsionsvorbereitung interpretiert werden. Die höhere Rate jeglicher TLR unter DCB bleibt ein kritischer Punkt. Nun werden insbesondere die 5-Jahresdaten zeigen müssen, ob der Verzicht auf ein permanentes Metallimplantat langfristige klinische Vorteile bietet. Der Sirolimus-DCB entwickelt sich jedoch dank der Daten immer mehr zu einer vielversprechenden, aber weiterhin selektiv einzusetzenden Alternative zum DES.

Zur Person

PD Dr. Luise Gaede

PD Dr. Luise Gaede ist Standortleitung der Kardiologie/Intensivmedizin am Klinikum Herrsching, Starnberger Kliniken. Ihre fachlichen Zusatzqualifikationen (DGK) erwarb sie in den Bereichen der Interventionellen Kardiologie, Herzinsuffizienz sowie Intensiv- & Notfallmedizin.
PD Dr. Luise Gaede

Key Facts der Studie

Randomisierte Studie zum Nachweis der Nichtunterlegenheit für das Zielgefäßversagen (TLF) eines Sirolimus-beschichteten DCB vs. Everolimus-beschichteten DES bei koronaren De-novo-Läsionen. 

Die Nichtunterlegenheit des DCB wurde für den primären Endpunkt erreicht. Auch bei den einzelnen Endpunktkomponenten sowie in den prädefinierten Subgruppen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

Der Sirolimus-DCB entwickelt sich dank der Daten immer mehr zu einer vielversprechenden, aber weiterhin selektiv einzusetzenden Alternative zum DES.

Referenzen

  1. Cortese B. TRANSFORM II: Sirolimus Coated Balloons vs. Drug-eluting Stents in Native Coronary Vessels. LBCT: Session I, in Collaboration with The Lancet 01.11.2026, San Diego, TCT 2026

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