kollegen-halten-haende-zusammen-shutterstock-629115215-32zu9-1920x540px kollegen-halten-haende-zusammen-shutterstock-629115215-32zu9-1920x540px

Youngs für Youngs: Die Flatterablation

Wichtige Verfahren im praktischen Überblick: In der Format-Reihe „Youngs für Youngs” präsentieren Youngs Untersuchungs- und Behandlungsmethoden aus verschiedenen Fachgebieten. Erfahrene Kolleginnen oder Kollegen ergänzen in Expertenkommentaren weitere hilfreiche Hinweise zu Planung und Durchführung.

 

Dieses Mal befasst sich Dr. Dr. Dong Wang (Medizinische Hochschule Hannover) mit der Flatterablation. Der Experte Prof. Hisaki Makimoto (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck) gibt zusätzliche Tipps.

Von:

Dr. Dr. Dong Wang

Medizinische Hochschule Hannover

 

Expertenkommentar:

Prof. Hisaki Makimoto

Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck

 

16.09.2026

Bildquelle (Bild oben): LightField Studios / Shutterstock.com

Sägezahnmuster im EKG – eines der EKG-Bilder, das wohl jeder schon im Medizinstudium gelernt hat: das Vorhofflattern. Das typische Vorhofflattern ist die häufigste atriale Makro-Reentry-Tachykardie (Abbildung A). Dabei kreist die elektrische Erregung im rechten Vorhof in einer festen Schleife: Sie zieht am Vorhofseptum nach kranial, läuft über das Vorhofdach, wandert an der freien Vorhofwand wieder nach kaudal und gelangt schließlich über den cavotrikuspidalen Isthmus (CTI) zurück zum Septum.

 

Kaum eine Ablation ist so dankbar wie die des typischen Vorhofflatterns. Mit einer Erfolgsrate von über 95 % und einer sehr niedrigen Komplikationsrate gehört sie zu den erfolgreichsten Eingriffen in der Elektrophysiologie.

12-Kanal-EKG mit typischem Vorhofflattern
Abbildung A: 12-Kanal-EKG mit typischem Vorhofflattern

Indikationsstellung

Die Katheterablation ist die Therapie der Wahl beim isthmusabhängigen Vorhofflattern. Nach den aktuellen ESC-Leitlinien besteht eine Klasse-I-Empfehlung für Patientinnen und Patienten mit rezidivierendem symptomatischem Vorhofflattern. Auch nach einer ersten Episode eines isthmusabhängigen Vorhofflatterns kann eine Katheterablation sinnvoll sein und wird mit einer Klasse-IIa-Empfehlung bewertet.

Kontraindikation

Kontraindikationen ergeben sich vor allem aus den allgemeinen Risiken eines invasiven Eingriffs und weniger aus der Flatterablation selbst. Sie sind meist relativ und sollten individuell abgewogen werden. Auf eine Ablation sollte bei akuten Infektionen, relevanten Elektrolytstörungen, schweren unkontrollierten Begleiterkrankungen oder intrakardialen Thromben verzichtet werden.

Ablauf der Untersuchung

  1. Diagnostik


Für die Ablation des isthmusabhängigen Vorhofflatterns wird zuerst ein Multipolarkatheter im Koronarsinus (CS) platziert. Ein Ablationskatheter, welcher auch als Mappingkatheter eingesetzt werden kann, wird in den rechten Vorhof vorgebracht (Abbildung B). Anschließend erfolgt die Erstellung eines dreidimensionalen elektroanatomischen Modells des rechten Vorhofs. Zusätzlich kann bei bestehendem Vorhofflattern ein Activation Map erstellt werden. Dieses visualisiert die zeitliche Ausbreitung der Vorhoferregung und demonstriert den Makro-Reentry-basierten Kreislauf im rechten Vorhof (Abbildung C). Zur Bestätigung der Isthmusabhängigkeit kann ein Entrainment-Manöver mit Bestimmung des Post-Pacing-Intervalls (PPI) am CTI durchgeführt werden. Hierbei sollte das PPI weniger als 30 ms länger als die Tachykardiezykluslänge sein.

 

2. Ablation


Für die Ablation kommen meist ungekühlte (60 W) oder gekühlte (40 W) Ablationskatheter, die Radiofrequenzenergie nutzen, zum Einsatz. Kryoenergie oder PFA werden seltener eingesetzt. Die Katheterspitze wird zunächst im rechten Ventrikel platziert und anschließend langsam zurückgezogen, bis neben dem ventrikulären Signal erstmals atriale Signale auftreten. An dieser Stelle beginnt die Ablation. Durch schrittweises Zurückziehen des Katheters in Richtung Vena cava inferior wird Punkt für Punkt (Ablation jeweils für 60–90 Sekunden) eine durchgehende Ablationslinie über den CTI erzeugt, bis die Einmündung der Vena cava inferior erreicht ist. Im 3D-Map können die einzelnen Ablationspunkte dargestellt werden (Abbildung C).

Fluoroskopisches Bild (LAO 45°) einer typischen Lage intrakardialer Katheter für eine Ablation des cavotrikuspidalen Isthmus (CTI). Ein 10-poliger Katheter liegt im Koronarsinus (CS). Der Ablationskatheter (Abl.) liegt am CTI.
Abbildung B: Fluoroskopisches Bild (LAO 45°) einer typischen Lage intrakardialer Katheter für eine Ablation des cavotrikuspidalen Isthmus (CTI). Ein 10-poliger Katheter liegt im Koronarsinus (CS). Der Ablationskatheter (Abl.) liegt am CTI.
Fokussiertes 3D-Mapping des rechten Vorhofs mit Darstellung des Reentry-Kreislaufs bei typischem Vorhofflattern. Der CS ist grau gepunktet dargestellt. Die roten Punkte sind die Ablationspunkte am CTI.
Abbildung C: Fokussiertes 3D-Mapping des rechten Vorhofs mit Darstellung des Reentry-Kreislaufs bei typischem Vorhofflattern. Der CS ist grau gepunktet dargestellt. Die roten Punkte sind die Ablationspunkte am CTI.

3. Erfolgskontrolle


Ziel der Ablation ist der Nachweis einer anhaltenden bidirektionalen Leitungsblockade am CTI. Dafür sollten folgende Kriterien erfüllt sein:

 

    1. Doppelpotentiale: Weit voneinander entfernte Doppelpotentiale (>110 ms) entlang der Ablationslinie (Abbildung D). 
    2. Bidirektionale Differentialstimulation (Abbildung E): Dabei platziert man den Ablationskatheter an zwei verschiedenen Stellen lateral der Ablationslinie: einmal direkt an der Ablationslinie (liniennah) und einmal mit größerem Abstand lateral zur Linie (linienfern). Nun wird mit dem Ablationskatheter stimuliert und die Aktivierungszeit bis zum CS-Katheter gemessen. Bei einer intakten CTI-Leitung kann die elektrische Erregung den Isthmus direkt überqueren. Die Aktivierungszeit ist kürzer an „liniennah“ als „linienfern“. Ist der CTI jedoch blockiert, muss die Erregung den Umweg über den rechten Vorhof machen und die Aktivierungszeit von „liniennah“ ist länger als „linienfern“. Zum Nachweis einer bidirektionalen Blockade wird zusätzlich am CS-Katheter stimuliert und die Aktivierungszeit jeweils „liniennah“ und „linienfern“ am Ablationskatheter gemessen. Bei Vorliegen einer vollständigen bidirektionalen CTI-Blockade sind die Aktivierungszeiten an der liniennahen Position in beiden Stimulationsrichtungen länger als an der linienfernen Position.
    3. Anhaltende Blockade: Nach einer Wartezeit von 30 Minuten sollte eine erneute Stimulationskontrolle erfolgen und die bidirektionale Leitungsblockade nachweisen.
Intrakardiale Signale mit Nachweis von Doppelpotentialen (156 ms).
Abbildung D: Intrakardiale Signale mit Nachweis von Doppelpotentialen (156 ms).
Bidirektionale Differentialstimulation
Abbildung E: Bidirektionale Differentialstimulation: Platzierung des Ablationskatheters nahe der Ablationslinie (liniennah). Stimulation über CS-Katheter und Bestimmung der Aktivierungszeit bis zum Ablationskatheter (176 ms). Wechsel der Stimulationsrichtung und Nachweis ähnlicher Aktivierungszeit (178 ms). Bewegung des Ablationskatheters Richtung lateral von der Ablationslinie weg (linienfern) und erneute bidirektionale Stimulation. Nun Messung einer deutlich reduzierten Aktivierungszeit (144 ms bzw. 146 ms), und somit Nachweise einer bidirektionalen Blockade.

Fazit

Das typische Vorhofflattern ist eine der am besten verstandenen und erfolgreichsten behandelbaren Herzrhythmusstörungen. Der zugrunde liegende Makro-Reentry-Mechanismus im rechten Vorhof lässt sich durch die Ablation des CTIs gezielt unterbrechen. Für viele Elektrophysiologinnen und -physiologen stellt die Ablation des typischen Vorhofflatterns den Einstieg in die Welt der Katheterablation dar – ein Eingriff, der zeigt, wie faszinierend und gleichzeitig effektiv Elektrophysiologie sein kann.

 

Vor meiner ersten Flatterablation hätte ich mir gewünscht, zu wissen, dass …

  • der rechte Vorhof keine glatte Oberfläche besitzt, sondern eher einer „hügeligen Landschaft“ gleicht.
  • um den CTI vollständig zu erfassen, die Ablationslinie nicht selten etwas nach medial oder lateral angepasst werden muss.
  • es manchmal notwendig ist, den Ablationskatheter zu loopen und die Ablationsrichtung zu verändern, um alle relevanten Bereiche sicher zu erreichen.


Nach 20 Flatterablationen weiß ich, dass … der CTI zwar nur wenige Zentimeter lang ist, aber manchmal die längste Strecke des Eingriffs sein kann.

Expertenkommentar

Kaum ein anderer Eingriff begleitet den Einstieg in die invasive Elektrophysiologie so zuverlässig wie die Ablation des typischen Vorhofflatterns: hohe Erfolgsrate, niedriges Risiko. Und trotzdem steckt in diesen wenigen Zentimetern Isthmus fast das gesamte Handwerk unseres Fachs. Der Beitrag von Herrn Dr. Dr. Dong Wang fasst das sehr anschaulich und praxisnah zusammen.

 

Ein paar Gedanken:

 

  • Die CTI-Ablation ist die beste Schule für Kathetermanipulation und Signalinterpretation. Wer hier Doppelpotentiale sauber liest und das Entrainment-Manöver wirklich verstanden hat, überträgt beides später auf jede Makro-Reentry-Tachykardie, auch im linken Vorhof.
  • Die Terminierung der Tachykardie ist kein Endpunkt. Nur der bidirektionale Block zählt. Die klassische Falle ist der Pseudoblock durch eine langsame Restleitung über eine Lücke in der Linie; die Differentialstimulation und ein hochauflösendes Aktivierungsmapping schaffen hier Klarheit.
  • Bei Schwierigkeiten lohnt es sich, früh die Strategie zu ändern: steuerbare Schleuse, andere Katheterkurve, nach medial oder lateral versetzte Linie. An derselben Stelle immer weiter zu applizieren, bringt den Block selten. Und Vorsicht: Je weiter septal-anterior abladiert wird, desto näher kommt man dem AV-Knoten.
  • Mit dem bidirektionalen Block ist die Arrhythmiegeschichte häufig nicht zu Ende. Je nach Kollektiv und Nachbeobachtungszeit entwickeln bis zu 40 % der Patientinnen und Patienten nach CTI-Ablation im Verlauf Vorhofflimmern. Die orale Antikoagulation richtet sich deshalb weiterhin nach dem individuellen Risikoprofil und nicht nach dem Ablationserfolg; ein Rhythmusmonitoring gehört in die Nachsorge.
  • Nicht jedes Sägezahnmuster ist isthmusabhängig. Nach Pulmonalvenenisolation, nach herzchirurgischen Eingriffen oder unter Klasse-Ic-Antiarrhythmika täuscht das Oberflächen-EKG regelmäßig, bis hin zum langsamen Flattern mit 1:1-Überleitung. Die Diagnose fällt im Labor, nicht allein am EKG.
  • Bei eingeschränkter linksventrikulärer Funktion lohnt der frühe Rhythmuserhalt: Die tachykardieinduzierte Kardiomyopathie gehört zu den dankbarsten Diagnosen, die wir stellen können.

Zur Person

Dr. Dr. Dong Wang

Dr. Dr. Dong Wang ist Facharzt für Kardiologie am Hannover Herzrhythmuszentrum der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach Medizinstudium in Hamburg und Postdoc-Aufenthalt an der University of California, San Francisco (UCSF), absolvierte er seine Facharztweiterbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sein wissenschaftlicher Fokus liegt auf Arrhythmien und kardiologischen Device-Therapien.

Dr. Dr. Dong Wang

Zur Person

Prof. Hisaki Makimoto

Prof. (Jichi Med. Univ.) Hisaki Makimoto ist Oberarzt an der Klinik für Rhythmologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, und Wissenschaftler an der Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte Medizintechnik (IMTE). Sein Schwerpunkt ist die interventionelle Elektrophysiologie, insbesondere die Katheterablation von Herzrhythmusstörungen und die klinische Anwendung KI-basierter Analyseverfahren.

Prof. Hisaki Makimoto

Mehr zum Thema

Die aktuellsten Beiträge der Formatreihe „Youngs für Youngs“

 

 

Zur Übersichtsseite Rhythmologie

Das könnte Sie auch interessieren

Das Videoformat gibt Entscheidungshilfen für den klinischen Alltag in der Rhythmologie. Dieses Mal mit Prof. C. Veltmann & Prof. C. Meyer.

ESC 2026 | NEXAF: Kann ein strukturiertes Training VHF-Last und Lebensqualität verbessern? Kommentar von Prof. D. Duncker.

ESC 2026 | ABLATE versus PACE: Pulmonalvenenisolation vs. kombinierte Pace-and-Ablate-Strategie bei Älteren mit VHF. Kommentar von Prof. D. Duncker.