Mann mit Brustschmerzen, der die Brust mit Unbehagen hält und ein blaues Hemd trägt, Bildquelle: ©Adobe Stock/Liubomir
Mann mit Brustschmerzen, der die Brust mit Unbehagen hält und ein blaues Hemd trägt, Bildquelle: ©Adobe Stock/Liubomir

Herzstechen – harmlos oder Notfall?

 

Ein plötzliches Stechen in der Brust – und sofort schießt der Gedanke „Herzinfarkt?“ in den Kopf. Doch nicht jedes Herzstechen ist ein Anzeichen für eine ernsthafte Herzerkrankung. Die Kardiologin Dr. Karin Rybak erklärt, wann Herzstechen harmlos ist – und wann höchste Alarmstufe gilt.

Von Daniela Goldscheck
 

24.11.2025

 

Bildquelle (Bild oben): Liubomir – stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

 
  • Herzstechen äußert sich als kurze, spitze Schmerzen im Brustbereich – meist harmlos, oft durch Stress, Verspannungen oder psychische Belastung bedingt.
  • Alarmzeichen sind dagegen anhaltender Druck, Engegefühl, Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken, Atemnot, Übelkeit oder kalter Schweiß – hier besteht Herzinfarktgefahr.
  • Bluthochdruck, Diabetes, Nikotinkonsum und bestehende Herzprobleme begünstigen die Entstehung ernster Herzbeschwerden.
  • Bei unklaren Beschwerden sollte stets ärztliche Abklärung erfolgen – im Zweifel sofort den Notruf wählen.

Was versteht man medizinisch unter Herzstechen?

 

„Schmerzen im Brustkorb – im Allgemeinen von Patienten als Herzstechen bezeichnet – sind ein Symptom, das vielen Angst macht“, erklärt Dr. Rybak. Typischerweise beschreiben Betroffene kurze, spitze, punktförmige Schmerzen auf der linken Brustseite. Diese dauern meist nur Sekunden und sind häufig atem- oder bewegungsabhängig.

 

Medizinisch gibt es klare Unterscheidungsmerkmale zwischen harmlosen Brustbeschwerden und Schmerzen, die auf eine ernsthafte Erkrankung des Herzens hinweisen. Entscheidend sei dabei die Anamnese – also die genaue Befragung der Patientin oder des Patienten über Art, Dauer und Begleitumstände der Schmerzen.

Zur Expertin

Dr. Karin Rybak

Dr. Karin Rybak ist Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und leitet die Abteilung für Kardiologie im Mediclin MVZ Dessau.

Porträtbild von Dr. Karin Rybak, Bildquelle: Fotowerk Halle

Wann ist Herzstechen harmlos – und wann ein Notfall?

 

„Die Bandbreite der Ursachen ist groß. Oft sind es muskuläre Verspannungen, Reizungen der Rippenknorpel oder Begleitsymptome bei Infekten“, erläutert Dr. Rybak. Daneben kommen auch Erkrankungen der Speiseröhre, der Lunge, der großen Gefäße oder des Herzens infrage.

 

Harmlos sind Beschwerden meist, wenn sie kurz, stechend, punktförmig und bewegungsabhängig sind, sich punktgenau lokalisieren lassen und nicht in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlen. Begleiterscheinungen wie Luftnot, kalter Schweiß oder starkes Angstgefühl fehlen in der Regel.

 

Alarmzeichen für einen Notfall sind dagegen dumpfe, brennende Schmerzen mit Druck- oder Engegefühl hinter dem Brustbein, die länger als einige Minuten anhalten, in Ruhe nicht besser werden oder unter Belastung zunehmen. Häufig strahlen sie in Arm, Kiefer, Schulter, Rücken oder Oberbauch aus und gehen mit Atemnot, Übelkeit, Schweißausbruch und ausgeprägter Angst einher. „Bei solchen Symptomen ist sofortiges Handeln erforderlich – jede Minute zählt“, betont die Kardiologin und ergänzt: „Dann besteht der Verdacht auf Angina pectoris oder einen Herzinfarkt.“

 

Eine Besonderheit: Frauen, ältere Menschen und Diabetiker zeigen häufig atypische Symptome, etwa nur Luftnot, ungewöhnliche Müdigkeit oder Druck im Oberbauch mit Ausstrahlung in den Rücken – oft ohne deutliche Brustschmerzen. Diese Warnzeichen sollten besonders ernst genommen und zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Kann Herzstechen psychisch bedingt sein?

 

Die Medizinerin erklärt: „Stress, Angst oder Panikattacken führen oft zu Verspannungen der Brustmuskulatur oder Blockierungen der Wirbelsäule.“ Diese Beschwerden können sehr intensiv sein, sind aber meist nicht gefährlich. Wichtig ist die klare Abgrenzung zu echten Herzschmerzen.

Risikofaktoren für ernsthafte Herzprobleme

 

Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, Nierenerkrankung, früherem Herzinfarkt, Stentimplantation, Herz-Operation oder Herzschwäche sollten besonders aufmerksam sein. „Bei diesen Patienten ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass hinter Brustbeschwerden tatsächlich ein Herzproblem steckt“, sagt Dr. Rybak.

 

Wichtig: den Medikationsplan immer dabeihaben – er liefert Ärzten wertvolle Hinweise auf die mögliche Ursache.

Wie wird Herzstechen diagnostiziert?

 

Besteht Zweifel an der Harmlosigkeit, folgt eine gezielte Diagnostik:

 

  • Blutuntersuchung zum Ausschluss eines Herzinfarkts 

  • Computertomographie (CT) des Brustkorbs bei Verdacht auf Lungenembolie oder Gefäßerkrankung 

  • Kardio-CT bei bestimmter Risikokonstellation des Patienten

 

Die Kardiologin empfiehlt: „Bei unklaren Beschwerden ist eine Vorstellung in einer Brustschmerzambulanz immer sinnvoll.“

Therapie: Was tun, wenn keine organische Ursache vorliegt?

 

Wenn Herz, Lunge und Gefäße unauffällig sind, hilft oft Aufklärung und Entspannung: „Wichtig ist, die Patientin oder den Patienten zu beruhigen und die Harmlosigkeit der Beschwerden zu erklären“, sagt Dr. Rybak.

 

Je nach Ursache können Physiotherapie, muskelentspannende Medikamente oder psychotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein. Auch autogenes Training oder Meditation helfen beim Stressabbau – einer der häufigsten Auslöser für funktionelles Herzstechen.

Wie kann man Herzstechen vorbeugen?

Zur Prävention empfiehlt Dr. Rybak:

 

  • Regelmäßige Bewegung
  • Stressabbau und ausreichend Schlaf
  • Verzicht auf Nikotin und Alkohol
  • Gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion
  • Reduzierte Mediennutzung – zu viel Erreichbarkeit erhöht Stresslevel und Herzbelastung.

Wann sollten Betroffene sofort zum Arzt?

Eine sofortige Notfallvorstellung ist nötig bei:

 

  • Starkem Druck- oder Engegefühl in der Brust (mehr als fünf bis zehn Minuten anhaltend)

  • Ausstrahlung in Arm, Kiefer oder Rücken 

  • Begleitender Atemnot, kaltem Schweiß, Übelkeit, Schwindel

  • Beschwerden nach Belastung, die trotz Ruhe bestehen bleiben 

  • Bekannter Herzerkrankung mit plötzlicher Verschlechterung

  • Ausbleibender Besserung durch Nitrospray 

  • Atypischen Oberbauch- oder Rückenschmerzen bei Risikofaktoren

  • Bei Frauen: starke Luftnot (auch als einziges Symptom) 

Fazit

 

Herzstechen ist häufig harmlos – kann aber auch das erste Warnsignal einer Herzerkrankung sein. Entscheidend sind Art, Dauer und Begleitsymptome. Wer Risikofaktoren hat oder über atypische Beschwerden klagt, sollte ärztliche Hilfe suchen.

FAQ – Häufige Fragen zu Herzstechen – Ursachen, Symptome und Behandlung

Herzstechen ist charakterisiert durch kurze, stechende Schmerzen in der Brust, meist punktförmig und bewegungs- oder atemabhängig. Echte Herzschmerzen dagegen äußern sich als Druck- und Engegefühl oder Brennen, dauern länger an und haben meist Begleitsymptome – oft ein Hinweis auf eine Herzerkrankung.

Häufig sind Verspannungen der Brustmuskulatur, Reizungen der Rippenknorpel, Stress oder Angst die Auslöser. Seltener steckt eine Erkrankung von Herz, Lunge oder Speiseröhre dahinter.

Wenn der Schmerz länger als fünf Minuten anhält, in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlt und mit Atemnot, Schweiß, Übelkeit oder Angstgefühl einhergeht, besteht Verdacht auf Herzinfarkt – in diesem Fall sofort den Notruf wählen.

Nach einer genauen Befragung folgen EKG, Blutuntersuchung und ggf. Echokardiografie oder CT. So können Ärztinnen und Ärzte Herzinfarkt, Lungenembolie oder andere Erkrankungen ausschließen.

Regelmäßige Bewegung, Stressabbau, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf Nikotin stärken das Herz. Wer Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes hat, sollte regelmäßige kardiologische Kontrollen wahrnehmen.

 

Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Kardiologin oder Ihrem Kardiologen, wenn Sie Herzstechen oder Brustschmerzen bemerken.

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