Das Wichtigste in Kürze
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Viele Menschen wissen nicht, dass ihr Lp(a)-Wert erhöht ist.
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Erhöhte Lp(a)-Werte begünstigen nicht nur Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch die Entstehung einer verkalkenden Aortenklappenstenose.
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Wird eine schwergradig verengte Aortenklappe nicht behandelt, muss das Herz dauerhaft gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten. Dadurch kann das Herz Schaden nehmen.
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Die Wahl des Verfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab: von Alter und Lebenserwartung der Betroffenen, Begleiterkrankungen, Blutungsrisiko, von der Bereitschaft, lebenslang Blutverdünner (Antikoagulanzien) einzunehmen sowie von der zu erwartenden Haltbarkeit der Klappen.
Lipoprotein(a): Wie gefährlich ist ein erhöhter Wert?
Das Tückische an einem erhöhten Lp(a)-Wert ist: Er verursacht erst einmal keine spürbaren Beschwerden. Das heißt aber nicht, dass er keinen Schaden anrichtet. Das Lipoprotein(a) trägt unter anderem dazu bei, dass sich Fette und andere Substanzen in den Wänden der Blutgefäße ablagern. Man spricht dann von einer Atherosklerose, umgangssprachlich: Gefäßverkalkung – und die erhöht unter anderem das Risiko für Herzinfarkte. „Ich hatte nie Probleme mit dem Herz. Daher traf mich mein Herzinfarkt wie aus heiterem Himmel“, erzählt Johannes Lahr. Der gelernte Modellbauer war damals 55 Jahre alt. Viel zu jung. Noch dazu rauchte er nicht, trank kaum Alkohol, war schlank und fuhr jeden Tag und bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit. Erst eine Blutuntersuchung machte den Übeltäter sichtbar: Lahr hatte erhöhte Lp(a)-Werte.
„Ich merkte es zuerst beim Radfahren: Ich wurde langsamer, hatte nicht mehr die Kraft in den Beinen, nicht den Druck beim Fahren, den ich von mir eigentlich gewohnt war.“
Können erhöhte Lp(a)-Werte auch eine Aortenklappenstenose verursachen?
Früher dachte man, die Verkalkung der Aortenklappe sei ein passiver Alterungsprozess. Heute weiß man, dass es sich dabei um einen aktiven, entzündlichen Vorgang handelt. „Vereinfacht gesagt transportiert Lp(a) unter anderem bestimmte Fette, sogenannte oxidierte Phospholipide, die Entzündungs- und Verkalkungsprozesse in der Aortenklappe fördern können“, erklärt Dr. Georges El Hachem, Oberarzt an der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen. „Über viele Jahre kann dies dazu beitragen, dass die Klappe zunehmend verkalkt, steifer wird und sich schließlich nicht mehr ausreichend öffnet.“ Durch die verengte Aortenklappe muss das Herz stärker pumpen, was schließlich zu Luftnot, Brustenge oder Schwindel führen kann. Johannes Lahr hat davon aber erst einmal nichts gemerkt. „Dass meine Aortenklappe verengt war, fiel meinem Kardiologen bei einer der vielen Untersuchungen nach dem Herzinfarkt auf“, erzählt Johannes Lahr.
Zum Experten
Dr. Georges El Hachem
Dr. Georges El Hachem ist Leiter des Herzklappenzentrums und
Oberarzt an der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen.
Muss eine Aortenklappenstenose sofort operiert werden?
Laut den aktuellen europäischen Leitlinien sollte eine leichte bis mittelgradige Aortenklappenstenose erst einmal regelmäßig kontrolliert werden. Ist die Aortenklappe hochgradig verengt, muss sie ersetzt werden, um weitere Schäden am Herz zu vermeiden. „Zunächst wollte mein Kardiologe abwarten, wie sich die Verengung entwickelt. Doch etwa ein halbes Jahr später verschlechterte sich mein Zustand deutlich“, erzählt der Herzpatient. „Ich merkte es zuerst beim Radfahren: Ich wurde langsamer, hatte nicht mehr die Kraft in den Beinen, nicht den Druck beim Fahren, den ich von mir eigentlich gewohnt war.“ Schließlich war klar: Johannes Lahrs Aortenklappe muss ersetzt werden.
Herzklappenersatz bei Aortenklappenstenose: Welches Verfahren ist das beste?
Für den Ersatz der Aortenklappe stehen mehrere Verfahren zur Verfügung. Beim sogenannten TAVI-Verfahren wird die Aortenklappe minimalinvasiv per Katheter, meist über einen kleinen Schnitt in der Leiste, ersetzt. Der Eingriff ist weniger belastend und ermöglicht eine schnellere Erholung und Entlassung aus dem Krankenhaus. Allerdings ist die Haltbarkeit der TAVI mit etwa 10 bis 20 Jahren kürzer als die der mechanischen Klappenprothesen. „Entscheidend sind vor allem Alter und Lebenserwartung der Betroffenen, Begleiterkrankungen, Blutungsrisiko, bei einer mechanischen Klappe die Bereitschaft der Betroffenen lebenslang Blutverdünner (Antikoagulanzien) einzunehmen sowie die zu erwartende Haltbarkeit der Klappe“, erklärt der Herzchirurg El Hachem. Schließlich empfahl das Ärzteteam Johannes Lahr eine mechanische Herzklappe. „Das Hauptargument war mein Alter. Ich war 56. Und es hieß: Eine mechanische Klappe könne, wenn alles gut ginge, bis an mein Lebensende halten“, erzählt Lahr.
Herzklappenoperation: Wie ist der Ablauf?
Eine mechanische Herzklappe wird chirurgisch eingesetzt. Das heißt, die Patientin oder der Patient bekommt eine Vollnarkose und wird an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Dann wird der Brustkorb eröffnet – mittlerweile zunehmend minimal-invasiv, also ohne Durchtrennung des Brustbeins. Nach dem Eingriff benötigen die Patientinnen und Patienten eine kurze intensivmedizinische Betreuung und werden anschließend auf die Normalstation verlegt. Nach etwa einer Woche geht es meist wieder nach Hause – beziehungsweise in die Reha. „Für mich war der Eingriff eine ziemliche Belastung“, erinnert sich Johannes Lahr. „Es hat lange gedauert, bis ich endlich wieder schmerzfrei war. Aber danach ging es mir gut. Ich konnte sogar wieder ganz normal Radfahren.“
Wie lebt es sich mit einem mechanischen Klappenersatz?
An das Klackgeräusch, das seine neue Klappe mit jedem Öffnen machte, musste sich Johannes Lahr erst einmal gewöhnen. Gleichzeitig beruhigte es ihn aber auch, weil er dadurch die Gewissheit hatte, dass sein Herz regelmäßig schlug. Auch die regelmäßige Einnahme von Blutverdünnern (Antikoangulanzien) störte ihn zunächst nicht. „Ein- bis zweimal pro Woche musste ich einen Blutstropfen auf einen Teststreifen geben, um zu kontrollieren, ob mein Blutgerinnungswert (INR-Wert) im richtigen Bereich lag“, erzählt Johannes Lahr. Über zehn Jahre lief alles gut. „Doch dann fing mein Körper an, paradox zu reagieren. Plötzlich lagen meine Werte ständig im roten Bereich, ohne dass man sich das erklären konnte. Irgendwann habe ich täglich gemessen. Das hat mich stark belastet.“ Und dann machte auch die Herzklappe plötzlich Probleme: Auf ihr hatte sich ein Pannus gebildet, wucherndes Gewebe, das die Funktion der Klappe einschränkte. „Und dann war leider schnell klar: Ich brauche eine neue Herzklappe“, so der Herzpatient.
Gut zu wissen
Lipoprotein(a) findet im Praxisalltag noch immer zu wenig Beachtung. Dabei steigert es das Risiko für Gefäß-Verkalkungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Beinarterienverschlüsse und Aortenklappenstenosen – und das schon in jungen Jahren. Fachgesellschaften empfehlen deshalb, Lp(a) einmal im Leben bestimmen zu lassen.
Mehr zum Thema
Wie es für Johannes Lahr nach der Herzklappenoperation weiterging und welche Probleme später mit der mechanischen Herzklappe auftraten, lesen Sie im zweiten Teil seiner Geschichte: Wenn die künstliche Herzklappe Probleme macht.
FAQs – Häufige Fragen zu Herzinfarkt bei jungen Menschen
Da die Höhe des Lp(a)-Wertes überwiegend genetisch festgelegt ist, lässt dieser sich durch Lebensstilfaktoren kaum beeinflussen. Umso wichtiger ist es, die beeinflussbaren kardiovaskulären Risikofaktoren konsequent zu behandeln: insbesondere LDL-Cholesterin, Blutdruck, Diabetes und Rauchen. Nach aktuellen Empfehlungen sollte der Lp(a)-Wert zumindest einmal im Erwachsenenalter bestimmt werden. Bei deutlich erhöhten Werten kann auch eine Untersuchung enger Familienangehöriger sinnvoll sein.
Typische Symptome bei einer hochgradigen Klappenerkrankung sind Atemnot bei Belastung, später auch in Ruhe, Schwindel, Ohnmachtsanfälle (Synkopen), zum Teil auch Brustschmerzen (Angina pectoris) oder ein deutlicher Leistungsabfall. Aber Achtung! Manchmal lässt die Pumpfunktion des Herzens auch nach, ohne dass die Patientin oder der Patient Beschwerden spürt. Deshalb sind auch die Messwerte im Ultraschall entscheidend.
„Nach heutigem Kenntnisstand ist ein erhöhter Lp(a)-Wert allein kein Kriterium, nach dem wir uns für eine mechanische oder biologische Herzklappe entscheiden“, sagt Dr. El Hachem. Hier sind vor allem Alter und Lebenserwartung, Begleiterkrankungen, Blutungsrisiko, die notwendige lebenslange Antikoagulation bei einer mechanischen Klappe sowie die zu erwartende Haltbarkeit der Klappe entscheidend.
Für die Verkalkung der körpereigenen Aortenklappe ist der Zusammenhang mit erhöhtem Lp(a) mittlerweile sehr gut belegt. Bei Klappenprothesen ist die Datenlage wesentlich weniger eindeutig. „Neuere Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass hohe Lp(a)-Werte möglicherweise auch die langfristige strukturelle Degeneration biologischer Klappen begünstigen könnten. Das ist wissenschaftlich sehr interessant, reicht derzeit aber nicht aus, um allein deshalb die Wahl der Klappenprothese zu verändern“, sagt Dr. El Hachem. „Auch für mechanische Klappen gibt es bislang keine ausreichende Evidenz, aus einem erhöhten Lp(a)-Wert eine andere Klappenstrategie abzuleiten.“