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Herzinsuffizienz: Das sind die Ursachen der Herzschwäche

Die Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Sie kann in jedem Alter auftreten, betrifft aber ältere Menschen am häufigsten. Welche Ursachen können zu einer Herzinsuffizienz führen?

Von Silja Klassen

 

07.06.2023 (aktualisiert: 09.03.2026)

 

Bildnachweis (Bild oben): Shutterstock/pics five

Eine Herzinsuffizienz, Herzschwäche oder Herzmuskelschwäche bedeutet, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, das Blut richtig durch den Körper zu pumpen. Nur weil ein Mensch älter wird und die Pumpleistung seines Herzens abnimmt, liegt aber noch keine Herzschwäche vor. Die Herzinsuffizienz entsteht erst, wenn zusätzliche Faktoren dazukommen, die das Herz schädigen oder dauerhaft überlasten. Die Herzinsuffizienz ist also keine eigenständige Erkrankung, sondern die Folge anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb ist es für die Behandlung wichtig, auch den Ursachen auf die Spur zu kommen, die zur Herzinsuffizienz geführt haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Herzschwäche kann das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen, um diesen mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.
  • In der Folge zeigen sich typische Symptome wie Luftnot, Müdigkeit und Wassereinlagerungen.
  • Eine Herzinsuffizienz ist keine eigenständige Erkrankung, sondern meist die Folge anderer Erkrankungen – wie Bluthochdruck oder Herzklappenfehlern.
  • Für die Behandlung ist die Ursache entscheidend – sie bestimmt, welche Therapie notwendig ist, um das Herz zu entlasten und ein Fortschreiten zu verhindern.

Warum kann ein Herzinfarkt eine Herzschwäche verursachen?

Eine Herzinsuffizienz kann plötzlich auftreten oder sich langsam über einige Monate oder viele Jahre entwickeln. „Die häufigste Ursache für eine Herzschwäche ist ein Herzinfarkt, denn dieser kann das Herz langfristig schädigen und aufgrund von abgestorbenen Herzmuskelzellen die Pumpleistung beeinträchtigen“, sagt Prof. Christian Hengstenberg, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der Medizinischen Universität Wien. Hintergrund: Der Herzmuskel wird über die sogenannten Herzkranzgefäße mit Sauerstoff und Nährstoffen aus dem Blut versorgt. Bei einem Herzinfarkt verstopft ein Herzkranzgefäß plötzlich durch ein Blutgerinnsel, sodass Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden. Ohne Versorgung mit Sauerstoff sterben Teile des Herzmuskels ab und wandeln sich in Narben um. Diese Bereiche können sich nicht mehr beim Pumpen zusammenziehen, sodass die Pumpleistung des Herzmuskels insgesamt sinkt – es entsteht eine Herzschwäche.

Wieso kann eine KHK eine Herzschwäche auslösen?

Die Herzinsuffizienz kann auch entstehen, wenn die Herzkranzgefäße durch Ablagerungen verkalken und sich dadurch verengen. In der Folge wird das Herzmuskelgewebe nicht mehr ausreichend schnell mit Blut und Sauerstoff versorgt. Man spricht dann von einer koronaren Herzkrankheit. „Indirekte Ursachen, die zu einer Gefäßverkalkung (Atherosklerose) führen, sind die bekannten Faktoren: Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, hohe Blutfette, Fettleibigkeit, zu wenig Sport und Stress“, so Prof. Hengstenberg. All das kann dazu führen, dass es zu einer koronaren Herzerkrankung, einer mangelnden Durchblutung des Herzens und im schlimmsten Fall zu einer Herzinsuffizienz kommt.

Zum Experten

Prof. Dr. Christian Hengstenberg

Prof. Dr. Christian Hengstenberg ist Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik in Wien.

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Können auch Infektionen die Entstehung einer Herzschwäche begünstigen?

Auch Infektionen können eine sogenannte Kardiomyopathie, eine Erkrankung des Herzmuskels, auslösen – und auch die kann auf Dauer das Herz schwächen. „Kardiomyopathien können aber auch vererbt, durch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder eine Schwangerschaft verursacht werden“, erklärt der Kardiologe. Das Problem: Bei allen Kardiomyopathien ändert sich im Laufe der Krankheit der Herzmuskel, er büßt an Leistungsfähigkeit beim Pumpen des Blutes ein, sodass eine Herzinsuffizienz entsteht.

Welche Rolle spielt Bluthochdruck bei der Entstehung der Herzschwäche?

Ein unbehandelter Bluthochdruck ist ebenfalls ein häufiger Grund für eine Herzinsuffizienz – denn dieser belastet das Herz. „Muss unser Herz längerfristig gegen zu hohen Druck in den Arterien ankämpfen, verdickt sich der Herzmuskel. Er wird weniger elastisch und kann sich schließlich schlechter ausdehnen“, erklärt Prof. Hengstenberg. Dadurch verliert das Herz an Pumpleistung. Das kann mit der Zeit zu einer Herzschwäche führen.

Welche weiteren Faktoren können eine Herzschwäche auslösen?

  • Gebrochenes Herz-Syndrom – durch außergewöhnlich starke psychische Belastungen kann es zu einer plötzlichen Herzschwäche kommen, die sich nach einigen Monaten wieder regenerieren kann.
  • Amyloidose – eine Anhäufung abnormaler Proteine (Eiweiß-Bausteine, aus denen zum Beispiel Muskeln und Haare bestehen) in Organen wie dem Herzen und Geweben. Die Bausteine können vom Körper nicht verwertet werden und lagern sich in Zellzwischenräumen ab. Wenn das Herz davon betroffen ist, spricht man von kardialer Amyloidose, dem „Steifherzsyndrom“. Durch die eingelagerten Eiweiß-Bausteine wird der Herzmuskel dicker und versteift. Der Muskel kann sich dadurch nach einem Herzschlag nicht mehr richtig entspannen. Seine Pumpkraft sinkt, es entsteht eine Herzschwäche.
  • Blutarmut (Anämie) – ein Mangel an roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff im Blut transportieren. Um trotzdem ausreichend Sauerstoff durch den Körper zu pumpen, schlägt das Herz schneller und stärker. Eine hohe Belastung, die langfristig zu einer Herzinsuffizienz führen kann.
  • Angeborene Herzfehler – hierunter fallen verschiedene Herzprobleme, mit denen Betroffene bereits zur Welt gekommen sind. Wenn das Herz fortwährend hart arbeiten muss, um einen Fehler auszugleichen, kann die Überlastung zu einer Herzinsuffizienz führen.
  • Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien), bei denen das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlägt. Dadurch kann sich die Pumpfunktion des Herzens verschlechtern und eine Herzinsuffizienz entwickeln.
  • Entzündung der Herzklappen (Endokarditis) – hier setzen sich Bakterien an der Herzinnenhaut (Endokard) der Herzklappen fest. Die Bakterien zerstören die Herzklappe, sodass sie beim Pumpen des Herzens nicht mehr richtig schließt – es kommt zu einer Herzinsuffizienz.
  • Herzklappenfehler – dabei ist die Funktion einer oder mehrerer Herzklappen gestört. Es kann zu einer zunehmenden Verkalkung der Herzklappen kommen, wodurch die Öffnung der Herzklappe zunehmend eingeschränkt ist. Das Herz muss mehr pumpen und ist daher zusätzlich belastet.
  • Erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie), also in jenen Blutgefäßen, mit denen die Lunge versorgt wird – daran können zum Beispiel verengte, verstopfte oder krankhaft veränderte Blutgefäße in der Lunge schuld sein. Das Herz muss dann härter arbeiten, um das Blut in die Lungen zu pumpen. Darunter leidet der Herzmuskel und es kommt oft zu einer Herzschwäche.
  • Tumortherapien – die an Krebszellen ansetzenden Wirkstoffe können das Herz-Kreislauf-System schwächen und im schlimmsten Fall eine Herzinsuffizienz auslösen.
  • Schilddrüsenerkrankungen – eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse, die zu wenig oder zu viele Hormone produziert. Die Hormone steuern viele Körperfunktionen, auch das Herz-Kreislauf-System. Bei einer Überfunktion wird das Herz zu heftig angekurbelt, es schlägt schneller und kann durch eine ständige Überlastung eine Herzschwäche erleiden. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse wird das Herz zu wenig angetrieben, die Leistung sinkt, sodass sich auch hier die Symptome einer Herzinsuffizienz zeigen können.

Schwächt ein übermäßiger Alkoholkonsum langfristig das Herz?

Bei ungefähr einem Fünftel der Herzinsuffizienz-Patientinnen und -Patienten ohne Herzinfarkt in der Vorgeschichte ist Alkoholmissbrauch die Ursache für die Herzschwäche. Alkohol hat eine anregende Wirkung auf den Körper und lässt den Blutdruck in die Höhe gehen. So wird auch der Herzschlag beeinflusst, es kann zu Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern kommen. Schlimmer noch: Eine Forschungsgruppe aus Mainz konnte in einer Studie zeigen, dass Alkohol eine Kettenreaktion im Körper auslösen kann, an deren Ende die Zellen des Herzmuskels absterben. Ein Schaden, der sich nicht wieder umkehren lässt.

Fazit

Eine Herzinsuffizienz ist keine eigenständige Erkrankung, sondern meist die Folge anderer Erkrankungen. Für die Therapie ist es wichtig, diese Auslöser zu kennen und zu behandeln – und ein Fortschreiten der Herzschwäche zu verhindern.

FAQ – Häufige Fragen zur Ursache der Herzschwäche

Die Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist meist die Folge einer ständigen Überlastung oder Schädigung des Herzens.

Die häufigste Ursache für eine Herzschwäche ist der Herzinfarkt. Aber auch ein unbehandelter Bluthochdruck (Hypertonie), die Koronare Herzkrankheit (KHK) oder ein übermäßiger Alkoholkonsum können die Entstehung einer Herzschwäche begünstigen.

Typische Symptome einer Herzinsuffizienz sind Atemnot (vor allem bei Belastung), Erschöpfung und Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen (Ödeme) in Füßen und Beinen.

Um ein Fortschreiten der Herzschwäche zu verhindern, ist die Behandlung der Grunderkrankung notwendig – daher ist es so wichtig, die Ursache genau zu kennen. Zudem können auch die Beschwerden der Herzschwäche gelindert werden.

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