HERZMEDIZIN: Was hat Sie motiviert, das Sprecheramt der Young DGK zu übernehmen, und was möchten Sie jungen Kardiologinnen und Kardiologen innerhalb der DGK besonders mitgeben?
Billig: Die zentrale Aufgabe der Young DGK ist es, die Ärzteschaft, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende sowie Pflege- und Assistenzpersonal der kardiovaskulären Medizin miteinander zu vernetzen. Diese berufs- und interessenübergreifende Gemeinschaft ist für junge Menschen besonders wertvoll, weil wir voneinander lernen, miteinander wachsen und zusammen die wichtigen Themen unseres Fachs diskutieren. Wir als Sektion möchten unseren Mitgliedern Orientierung in der Kardiologie und der Fachgesellschaft bieten und den Berufseinstieg erleichtern. Auch junge Fach- und Oberärzt:innen sowie Postdocs profitieren von der Unterstützung der (Young) DGK, indem sie durch Angebote wie Poster-Ko-Vorsitze in den direkten Kontakt mit Expert:innen ihres Spezialgebiets treten, von Förderangeboten profitieren und in Mentoringgesprächen individuelle Anstöße für ihre Karriere erhalten. Networking, die Diskussion aktueller Themen und die aktive Mitarbeit sind das Fundament für die Fachgesellschaft und den individuellen Erfolg ihrer Mitglieder.
Mit der Sprecherschaft möchte ich Verantwortung innerhalb der Kardiologie übernehmen und die Interessen der jungen Mitglieder der Fachgesellschaft stärken. Angesichts der großen Herausforderungen in der kardiovaskulären Medizin ist es entscheidend, dass junge Kolleg:innen aktiv an Diskussionen und Entscheidungsprozessen beteiligt sind: von Weiterbildungsinhalten über den Einsatz künstlicher Intelligenz und moderner Bildgebung bis hin zu gesundheitspolitischen Themen wie Hybrid-DRG, dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz, Forschungs- und Familienförderung sowie dem zunehmenden Arbeitskräftemangel.
HERZMEDIZIN: Welche Themen oder Formate möchten Sie in Ihrer Amtszeit für die Young DGK weiterentwickeln oder neu etablieren?
Billig: Für meine Amtszeit wünsche ich mir die nachhaltige Stärkung der Sektion. Seit ihrer Gründung ist die Sektion sowohl zahlenmäßig als auch inhaltlich stark gewachsen und zählt inzwischen über 3.100 Mitglieder. In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche Fortbildungsformate etabliert werden, darunter eigene Sitzungen auf der DGK-Jahrestagung und den Herztagen. Im Jahr 2025 wurde das erste Positionspapier auf Initiative der Young DGK über die kardiologische Weiterbildung publiziert. Außerdem haben wir ein großes Angebot für Studierende entwickelt, wodurch wir viele neue und engagierte Mitglieder gewinnen konnten.
Neben der Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie translationaler Forschungsprojekte liegt mir auch die große Gruppe eingewanderter Personen aus der Ärzte- und Pflegeschaft am Herzen, ohne die unser Gesundheitssystem längst nicht mehr funktionieren würde.
Mit „Young Hearts Connect“ hat die Task Force Basic Science der Young DGK im letzten Jahr erstmals eine translationale Fortbildung organisiert, die kostenlos und frei zugänglich war und damit als niederschwelliger Einstieg für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diente, die die Fachgesellschaft noch nicht gut kennen.
Im Rahmen unseres Ambassadorenprogramms, das bereits an über 80 Prozent der Universitätsstandorte etabliert ist, gewinnen wir nun erstmals ALKK-Mitglieder dazu, die großartige lokale Veranstaltungen organisieren und Werbung für unser Fach und die DGK machen.
Letztlich sehe ich meine Aufgabe aber nicht in einer Amtszeit erledigt – vielmehr benötigen die wichtigen Themen unseres Fachs eine langfristige Bearbeitung.
HERZMEDIZIN: Wie kann die Young DGK aus Ihrer Sicht dazu beitragen, junge Kolleginnen und Kollegen stärker zu vernetzen und sie langfristig für die DGK zu begeistern?
Billig: Ich glaube, dass Vernetzung und Begeisterung direkt miteinander zusammenhängen. Wir alle arbeiten für die kardiovaskuläre Medizin, wir versorgen Patientinnen und Patienten und wir erleben herausfordernde Situationen in der Klinik und in der Verbindung mit unserem Privatleben. Umso bereichernder ist die Erkenntnis, dass andere vor den gleichen Herausforderungen stehen und die Erfahrung, wie sie mit diesen umgehen. Unsere Kontakte helfen uns, Krisen zu überstehen. Sie entwickeln sich zu beruflichen Kooperationen und werden zu guten Freundschaften.
Ganz besonders tragen zur Vernetzung sicher das Ambassadoren-, das Rookiesprogramm und das Junge Netzwerk auf der DGK Jahrestagung bei. Letztlich verfolgen alle Angebote der Young DGK das zentrale Ziel, Menschen miteinander zu verbinden und zu motivieren, sich zu engagieren und unser Fach mitzugestalten.