Ausgangspunkt der Arbeiten ist die Beobachtung, dass strukturelle Veränderungen des Myokards – insbesondere fibrotische Umbauprozesse – zwar prognostisch hochrelevant sind, ihre funktionellen Konsequenzen jedoch stark vom zugrundeliegenden pathophysiologischen Kontext abhängen. Entsprechend verfolgt das Projekt keinen monokausalen Ansatz, sondern untersucht kardiales Remodeling als dynamisches Zusammenspiel von Extrazellulärmatrix, infiltrativen Immunzellen, zellulärem Metabolismus und funktioneller Adaptation. Methodisch kommen hierfür moderne, räumlich aufgelöste Analyseverfahren wie „Spatial Metabolomics“, „Spatial Raman Spectromics“ und „Spatial Proteomics“ zum Einsatz, die eine integrative Betrachtung struktureller, biochemischer und funktioneller Parameter erlauben.
Die Methodiken führe ich im Labor von Prof. Meinrad Gawaz und in der Arbeitsgruppe von Prof. Oliver Borst am Universitätsklinikum Tübingen, sowie mit Unterstützung weitere Kooperationspartner in Tübingen, Heidelberg und München durch. Mein Forschungsvorhaben gliedert sich in zwei Teilprojekte mit komplementärem Fokus. Das erste Teilprojekt ist primär experimentell-methodisch ausgerichtet und adressiert vergleichende Fragestellungen zu kardialen Umbauprozessen unterschiedlicher Genese. Die experimentellen Arbeiten dieses Teilprojekts konnten bereits abgeschlossen werden. Die gewonnenen Daten bilden zugleich die methodische und konzeptionelle Grundlage für das zweite Teilprojekt. Dieses ist stärker translational angelegt und zielt auf die systematische Verknüpfung experimenteller Befunde mit humanen Endomyokardbiopsien ab. Hier stehen zeitliche Dynamiken und krankheitsspezifische Muster kardialer Umbauvorgänge im Vordergrund.
Ein zentraler Meilenstein im vergangenen Jahr war die erfolgreiche Verteidigung des PhD in Experimenteller Medizin im Oktober 2025, der die methodische und wissenschaftliche Eigenständigkeit im Bereich der translationalen kardiovaskulären Forschung weiter gefestigt hat. Die im Rahmen des PhD etablierten Ansätze und die erworbene experimentelle Expertise fließen unmittelbar in das laufende DGK-geförderte Projekt ein. Daneben soll aber auch die klinische Ausbildung nicht zu kurz kommen. Denn die Umsetzung eines komplexen, methodisch anspruchsvollen Forschungsvorhabens ist mit erheblichem Zusatzaufwand und organisatorischen Herausforderungen verbunden. Dazu zählen insbesondere die Koordination zahlreicher interdisziplinärer Kooperationspartner, die Verantwortung für die Betreuung von Doktorandinnen und Doktoranden sowie die kontinuierliche Abstimmung zwischen klinischen Verpflichtungen und experimenteller Arbeit. Diese Aspekte erfordern nicht nur Zeit, sondern auch strukturellen und konzeptionellen Freiraum.
Genau hier erweist sich die Förderung durch das Clinician-Scientist-Programm der DGK als entscheidend. Die 50-prozentige Freistellung von der klinischen Tätigkeit schafft den notwendigen Freiraum, um komplexe experimentelle Fragestellungen nachhaltig zu bearbeiten, neue Methoden zu etablieren und translationale Konzepte stringent weiterzuentwickeln. Dieser Freiraum ist dabei nicht allein zeitlich oder finanziell zu verstehen, sondern ermöglicht auch die Freiheit und Sicherheit zur individuellen inhaltlichen Vertiefung, strategische Projektplanung und die langfristige wissenschaftliche Profilbildung an der Schnittstelle von Klinik und Forschung.
Für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 stehen der Abschluss des zweiten Teilprojekts, die Einreichung weiterer Manuskripte sowie die Vertiefung translationaler Analysen im Vordergrund. Langfristig sollen die im Rahmen des Clinician-Scientist-Programms der DGK gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen, strukturelle, immunologische und metabolische Aspekte kardialer Erkrankungen differenzierter zu verstehen und so Impulse für zukünftige klinisch relevante Fragestellungen zu liefern.